Sa, 13:11 Uhr
10.03.2012
HSB - Zu gut für uns? (2)
Gerade erst hat die NSB die Fahrpreise drastisch erhöht. Für eine Hin- und Rückfahrt von Nordhausen nach Wernigerode sind seit 5. März 27 Euro statt 17 Euro zu berappen. Das ist schon eine gewaltige Steigerung. Hintergründe gibt es nach Auskunft einer HSB-Mitarbeiterin mehrere...
Mit Ausnahme der Tickets zum Brocken wird allen ein Kilometertarif von 45 Cent zugrundegelegt. Das ist neu und erklärt die Preissprünge. Zudem seien die Energiekosten und die Kosten für Materialien wie Stahl stark gestiegen. Und die Zuwendungen die die HSB von der öffentlichen Hand erhält, würden kaum mitwachsen.
Am 5. März saßen wir fast allein im Zug nach Drei-Annen-Hohne und selbst der Brockenzug war nur mäßig besetzt. Im März sei Saure-Gurken-Zeit bei der Harzbahn, weil die Ferien vorbei seien, wurde mir gesagt. Aber ganz gewiss müssen sich potentielle Fahrgäste erst einmal auch an die neuen Preise gewöhnen. Und das dauert bekanntermaßen nie all zu lange. Wie mir ein Mitfahrer sagte, seien die Preise aber im Vergleich zu anderen Museumsbahnen noch immer moderat. Und vergessen wir nicht: Die HSB ist ein Privatunternehmen, das fast ausschließlich vom Tourismus und nur in ganz geringem Maße vom Güter- und Nahverkehr lebt.
Ein Museum zu erhalten, gewissermaßen in Manufaktur, das ist nun einmal teuer. Ich weiß zum Beispiel, dass die aller paar Jahre anstehende Hauptuntersuchung von Normalspur-Dampflokomotiven mehrere hunderttausend Euro verschlingt. Manche Vereine, die sie betreiben, müssen oft viele Jahre lang für diese Untersuchungen sparen und oft stehen die Lokomotiven mit abgelaufener Frist jahrelang im Schuppen, eben bis die sprichwörtliche Kohle zusammengekommen ist. Und die HSB besitzt nicht nur eine, sondern gleich ca. 20 derartige Maschinen, von denen fast alle auch eine Betriebserlaubnis haben und regelmäßig unter Dampf stehen müssen.
Vielleicht kann sich der eine oder andere nnz-Leser auch noch daran erinnern, dass die Zukunft der Harzbahnen mehrfach auf Messers Schneide stand. Zum Beispiel in den 70-er Jahren während der Ölkrise. Erst 1972 waren Stillegungsgerüchte vom Tisch, nachdem die Bahn zum technischen Denkmal erklärt worden war. Weil Steinkohle harte Devisen kostete bzw. sehr teuer war, erfolgte später eine Umrüstung der Loks auf Ölhauptfeuerung, die den Maschinen angeblich nicht gut tat und dann eine erneute Umrüstung zurück auf Kohlenach sich zog, allerdings auf heimische Braunkohle, was zu enormen Luftbelastungen führte.
Die DDR plante dann die Umstellung des Dampfbetriebes auf Dieseltraktion bis 1992. Angeblich wollte die devisenklamme Republik die Dampfloks für D-Mark und Dollar ins Ausland verhökern. Nur die Wende verhinderte dieses Desaster. Die ersten von Normal- auf Schmalspur umgerüsteten Dieselloks fuhren bereits.
Und dann trat ein Herr auf den Plan, der sich eine finanzierbare Zukunft der späteren HSB nur auf der Brockenstrecke vorstellen konnte. Auf dieser sollten zehn- oder zwanzig Mal pro Tag schnelle Triebwagen verkehren. Den Rest des Streckennetzes wollte er stilllegen, die Dampfloks ebenso.
Doch auch das überstand die berühmte Bahn wieder schadlos: Die beiden anliegenden Bundesländer sprachen sich für eine Mitfinanzierung der Bahn und für den Erhalt des gesamten Streckennetzes aus. Mit der Ausgliederung der HSB von der Deutschen Reichsbahn und der Gründung der HSB konnte endlich eine sicherere Zukunft beginnen. 1992 wurde die einzig profitable Brockenstrecke wieder für den Reiseverkehr geöffnet.
Dennoch ist der Betrieb der Bahn nicht ungetrübt. Im ersten Teil dieses Beitrages berichtete ich über angebliche Umweltprobleme durch den Betrieb von zwei Dampflokomotiven pro Tag im Raum Nordhausen. Weitere Probleme soll es stellenweise zwischen Anwohnern und der HSB geben, weil letztere von diesen eine Gebühr zur Nutzung kleinerer nur sporadisch benutzter Schienenübergänge erheben will.
Manche Anwohner meinen auch, die Züge und Triebwagen würden zu schnell durch die Orte brettern, viel schneller als früher. Wer jedoch z.B. einmal am unbeschrankten Bahnübergang in Niedersachswerfen in Richtung Harzungen Mäuschen spielt, der kann regelmäßig beobachten, dass manche Autofahrer und Fußgänger das Gleis trotz Rotlicht überqueren. Vom Tempo dürfte also wohl er die geringere Gefährdung ausgehen.
Gewünscht hätten sich die HSB und viele andere Menschen die Wiederaufnahme des Betriebes auf der Strecke von Elend/Sorge nach Braunlage. Vorerst ist dies vom Tisch, weil sich Niedersachsen nicht in der Lage sieht, die Unterhaltung der Strecke auf seinem Territorium mit zu finanzieren.
Ich selbst würde mir eine höhere Akzeptanz der HSB in der Bevölkerung des Harzes wünschen. Neben dem Harz als nördichstes deutsches Mittelgebirge mit seinem Brocken, den Hexen, Goethes und Heines Harzreisen und deren Verewigung in der Weltliteratur ist diese Schmalspurbahn eine technische und kulturelle Einmaligkeit. Wir sollten ihre schon bestehende, treibende Wirkung auf den Tourismus nicht als selbstverständlich hinnehmen.
Das gilt auch und gerade für unseren feierlich eingeweihten Naturpark Südharz, durch den sie fährt. Und ich hoffe, dass ich die im Teil 1 aufgeworfene Frage, ob die mitunter negative Meinung zur HSB eine Mentalitätsfrage ist, nicht doch mit ja beantworten muss.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzMit Ausnahme der Tickets zum Brocken wird allen ein Kilometertarif von 45 Cent zugrundegelegt. Das ist neu und erklärt die Preissprünge. Zudem seien die Energiekosten und die Kosten für Materialien wie Stahl stark gestiegen. Und die Zuwendungen die die HSB von der öffentlichen Hand erhält, würden kaum mitwachsen.
Am 5. März saßen wir fast allein im Zug nach Drei-Annen-Hohne und selbst der Brockenzug war nur mäßig besetzt. Im März sei Saure-Gurken-Zeit bei der Harzbahn, weil die Ferien vorbei seien, wurde mir gesagt. Aber ganz gewiss müssen sich potentielle Fahrgäste erst einmal auch an die neuen Preise gewöhnen. Und das dauert bekanntermaßen nie all zu lange. Wie mir ein Mitfahrer sagte, seien die Preise aber im Vergleich zu anderen Museumsbahnen noch immer moderat. Und vergessen wir nicht: Die HSB ist ein Privatunternehmen, das fast ausschließlich vom Tourismus und nur in ganz geringem Maße vom Güter- und Nahverkehr lebt.
Ein Museum zu erhalten, gewissermaßen in Manufaktur, das ist nun einmal teuer. Ich weiß zum Beispiel, dass die aller paar Jahre anstehende Hauptuntersuchung von Normalspur-Dampflokomotiven mehrere hunderttausend Euro verschlingt. Manche Vereine, die sie betreiben, müssen oft viele Jahre lang für diese Untersuchungen sparen und oft stehen die Lokomotiven mit abgelaufener Frist jahrelang im Schuppen, eben bis die sprichwörtliche Kohle zusammengekommen ist. Und die HSB besitzt nicht nur eine, sondern gleich ca. 20 derartige Maschinen, von denen fast alle auch eine Betriebserlaubnis haben und regelmäßig unter Dampf stehen müssen.
Vielleicht kann sich der eine oder andere nnz-Leser auch noch daran erinnern, dass die Zukunft der Harzbahnen mehrfach auf Messers Schneide stand. Zum Beispiel in den 70-er Jahren während der Ölkrise. Erst 1972 waren Stillegungsgerüchte vom Tisch, nachdem die Bahn zum technischen Denkmal erklärt worden war. Weil Steinkohle harte Devisen kostete bzw. sehr teuer war, erfolgte später eine Umrüstung der Loks auf Ölhauptfeuerung, die den Maschinen angeblich nicht gut tat und dann eine erneute Umrüstung zurück auf Kohlenach sich zog, allerdings auf heimische Braunkohle, was zu enormen Luftbelastungen führte.
Die DDR plante dann die Umstellung des Dampfbetriebes auf Dieseltraktion bis 1992. Angeblich wollte die devisenklamme Republik die Dampfloks für D-Mark und Dollar ins Ausland verhökern. Nur die Wende verhinderte dieses Desaster. Die ersten von Normal- auf Schmalspur umgerüsteten Dieselloks fuhren bereits.
Und dann trat ein Herr auf den Plan, der sich eine finanzierbare Zukunft der späteren HSB nur auf der Brockenstrecke vorstellen konnte. Auf dieser sollten zehn- oder zwanzig Mal pro Tag schnelle Triebwagen verkehren. Den Rest des Streckennetzes wollte er stilllegen, die Dampfloks ebenso.
Doch auch das überstand die berühmte Bahn wieder schadlos: Die beiden anliegenden Bundesländer sprachen sich für eine Mitfinanzierung der Bahn und für den Erhalt des gesamten Streckennetzes aus. Mit der Ausgliederung der HSB von der Deutschen Reichsbahn und der Gründung der HSB konnte endlich eine sicherere Zukunft beginnen. 1992 wurde die einzig profitable Brockenstrecke wieder für den Reiseverkehr geöffnet.
Dennoch ist der Betrieb der Bahn nicht ungetrübt. Im ersten Teil dieses Beitrages berichtete ich über angebliche Umweltprobleme durch den Betrieb von zwei Dampflokomotiven pro Tag im Raum Nordhausen. Weitere Probleme soll es stellenweise zwischen Anwohnern und der HSB geben, weil letztere von diesen eine Gebühr zur Nutzung kleinerer nur sporadisch benutzter Schienenübergänge erheben will.
Manche Anwohner meinen auch, die Züge und Triebwagen würden zu schnell durch die Orte brettern, viel schneller als früher. Wer jedoch z.B. einmal am unbeschrankten Bahnübergang in Niedersachswerfen in Richtung Harzungen Mäuschen spielt, der kann regelmäßig beobachten, dass manche Autofahrer und Fußgänger das Gleis trotz Rotlicht überqueren. Vom Tempo dürfte also wohl er die geringere Gefährdung ausgehen.
Gewünscht hätten sich die HSB und viele andere Menschen die Wiederaufnahme des Betriebes auf der Strecke von Elend/Sorge nach Braunlage. Vorerst ist dies vom Tisch, weil sich Niedersachsen nicht in der Lage sieht, die Unterhaltung der Strecke auf seinem Territorium mit zu finanzieren.
Ich selbst würde mir eine höhere Akzeptanz der HSB in der Bevölkerung des Harzes wünschen. Neben dem Harz als nördichstes deutsches Mittelgebirge mit seinem Brocken, den Hexen, Goethes und Heines Harzreisen und deren Verewigung in der Weltliteratur ist diese Schmalspurbahn eine technische und kulturelle Einmaligkeit. Wir sollten ihre schon bestehende, treibende Wirkung auf den Tourismus nicht als selbstverständlich hinnehmen.
Das gilt auch und gerade für unseren feierlich eingeweihten Naturpark Südharz, durch den sie fährt. Und ich hoffe, dass ich die im Teil 1 aufgeworfene Frage, ob die mitunter negative Meinung zur HSB eine Mentalitätsfrage ist, nicht doch mit ja beantworten muss.
Bodo Schwarzberg












