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Fr, 11:29 Uhr
09.03.2012

Nägel mit Köpfen im April

Im April sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden am Haus Altendorf 48 in der Nordhäuser Altstadt: Dann soll der Startschuss fallen für die Sanierung des Fachwerks und des Dachs. Zunächst ist geplant, den Putz zu entfernen und Befunde zu sichern...

Haus soll gerettet werden (Foto: privat) Haus soll gerettet werden (Foto: privat)

Das kündigte jetzt Thomas Müller (rechts) vom Verein Südharzer Fachwerkzentrum an bei einem Besuch von Nordhausens Bürgermeister Matthias Jendricke (Mitte), der selbst Mitglied des Vereins ist. Der Verein ist Eigentümer des Hauses, das im Jahr 1667 gebaut wurde und damit eines der ältesten Häuser der Stadt ist.

Die Sanierung des Dachs soll unter anderem finanziert werden mit dem symbolischen Verkauf von Dachziegeln an interessierte Nordhäuser. „Der Käufer bekommt ein Kaufzertifikat mit einer Nummer. Die jeweilige Nummer steht für exakt einen Ziegel auf dem Dach. Diesen kann man mit Hilfe eines Katasters dann eindeutig auf dem Haus identifizieren“, so Vereinsmitglied Markus Veit (links).

Die Ziegeln für die Neueindeckung des Dachs stammen ebenfalls von einem Altstadthaus: „Die SWG war so freundlich, uns die Ziegeln zu überlassen, die vom jetzt neu eingedeckten Haus Domstraße 12 stammen“, so Veit weiter.

In den kommenden Jahren wolle man dann den Keller sanieren sowie die wertvollen Bohlendecken. „Anspruchsvolle Aufgaben werden die Sanierung des großen Bäckerofens im Haus sein sowie der Anbau eines Laubengangs, der typisch für viele alte Nordhäuser Häuser war. Und bis zum 350-jährigen Erbauungsjubiläums des Hauses im Jahr 2018 soll das sogenannte `Altenteil´ im hinteren Bereich des Hauses angebaut sein, das sich auch an den beiden Nachbarhäusern findet. Damit hat man auch mit Blick auf die Rückseite der Häuser wieder ein geschlossenes Ensemblebild, das charakteristisch für das historische Nordhausen ist“, so Thomas Müller.

Jendricke freute sich über die Zusage des Vereins, am Festumzug teilzunehmen im Rahmen des diesjährigen Rolandsfestes anlässlich des 1085. Geburtstags der Stadt. „Im Übrigen nehme ich mit Interesse auf, dass sich auch die Fachleute des Fachwerkszentrums dafür aussprechen, dass für den Erhalt der historischen Bausubstanz in der Altstadt die Besitzer der Immobilien mit einer Erhaltungssatzung in die Pflicht genommen werden sollten“, so der Bürgermeister.
Autor: nnz

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Kommentare
Doerfler
11.03.2012, 21:55 Uhr
Immer schön auf den Putz hauen!
Janz wichtig: Immer schön auf den Putz hauen! Wer hat eigentlich die Nachbarn beim Sanieren unterstützt? Das Gegenteil war der Fall- Die Eigentümerin der Nr.49 hatte nichts zu lachen ebenso wie Zahnarzt Schlöffel am Alten Tor und meines Wissens müht sich der Eigentümer der Nr.47 als "Einzelkämpfer" das Haus zu erhalten ohne großzügige Unterstützung...

Die Nummern 50 und 44 bis 46 vergammeln derzeit weiter (obwohl für letztere 2009 ein Bauantrag genehmigt wurde) und dienen kopfschüttelnden Touristen als Attraktion zum Fotografieren...

In diesem Fall wäre wahrscheinlich eine Enteignung besser!

Der umgekehrte Weg wäre m.E. richtig: Nicht die Eigentümer sollten in die Pflicht genommen werden, sondern die Stadt sollte den Eigentümern alle erdenkliche Unterstützung zukommen lassen, denn schließlich mühen sie sich das letzte original erhaltene Stück Alt-Nordhausen zu erhalten!

Vielleicht äußert sich mal Jemand Verantwortliches der Stadtoberen dazu???
Wolfi65
12.03.2012, 07:13 Uhr
Ohne Moos...
ist eben nichts los. Wenn ein Eigentümer eines Hauses in der Altstadt oder wo anders kein Geld für eine Sanierung hat, dann bleibt eben alles so wie es ist. Und dann gleich nach Enteignung rufen erinnert mich irgendwie an die DDR Zeiten. Man bekommt einfach die staatlichen Sanktionen von damals nicht aus den Köpfen heraus.

Übrigens gibt es in anderen Städten und auch Dörfern genug Fachwerk-Ruinen.
Da ist NDH nicht alleine auf weiter Flur.
Und wie schonmal geschrieben. Wer will sich heute unbedingt so ein Denkmal aufhalsen.

Da kann man tausende Euros verbauen und man hat trotzdem eine alte Bude.
Keinen Stellplatz für ein Auto und kein Platz für eine Garage,wenn nicht gerade Platz frei geworden ist, weil durch den Abriss des Nachbarhauses eine Baulücke enstanden ist.

Dann kommen die Auflagen des Denkmalschutzes dazu. Also dann doch lieber Bauen auf der grünen Wiese. Ein kleiner Garten am Haus mit Pool usw.

Ich würde das machen, denn das Leben ist zu kurz um sich künstlich Probleme zu schaffen.
Herr Taft
12.03.2012, 10:10 Uhr
@Wolfi...
...so wie Sie : "neu ist besser" - denken Viele. Sie haben zweifellos auch Recht, was den Komfort mit Garage, Garten und Pool anbelangt - für mich wäre so ein Stadthaus auch nichts.

Diese dinge sind aber nicht jedermanns Sache. Jedes Haus (ob neu oder alt) macht Arbeit, ein Garten auch und ein Pool erst recht. Manche Menschen möchten eben einfach nur wohnen - ohne großen Aufwand.

Denkmalschutzauflagen, sind eine Sache - auf der anderen Seite gibt es für die Käufer von denkmalgeschützten Objekten eine Vielzahl von Möglichkeiten - genau weiß ich es nicht (steuerliche Absetzbarkeit, Fördertöpfe, KfW...). Und am Ende hat der Eigentümer ein Haus, was sich deutlich von den Fertigteilbuden auf der grünen Wiese unterscheidet - ein Haus mit Geschichte und Charakter...
Wolfi65
12.03.2012, 12:55 Uhr
Wohnen am Blasiikirchplatz
Also ich hatte 17 Jahre lang die fragliche Ehre in einen Haus mit Geschichte und Charakter zu hausen. Im Winter waren mindestens 80 Zentner (4 Tonnen) Braunkohlenbriketts nötig, um die Räumlichkeiten auf ein erträgliches Niveau an Wärme zu bringen.

Es kam aber auch schon mal vor, dass die Lehmbuden-Wände, vor Frost und Feuchtigkeit glitzerten. Auch gaben die Überputz- Steckdosen seltsame Geräusche von sich. Wahrscheinlich kam das von der Feuchtigkeit des Mönch-Bauwerks.

Als dieses um 17 Hundert errichtet wurde, konnte man ja nicht ahnen, dass 200 Jahre später seltsame Kabel durch die Räume gezogen werden würden, um Licht in das dunkle Gemäuer zu bringen.

Des öfteren schnappten auch die Mausefallen zu nächtlicher Stunde zu, da der nicht unterkellerte Holzfußboden ein Eldorado für die Nager dastellte. Also ich bin froh in einer Betonbude jetzt zu wohnen.

Warmwasser aus Wand, Wassertoilette,nicht über den Hof zu Plumpsklo laufen müssen,(auch bei 20 Grad minus im Schlafanzug) und ganz wichtig, eine Badewanne.
Ich habe oft neidisch zu meinen Klassenkameraden zur Wohnscheibe Wolfstrasse herüber gesehen, weil diese solche Sorgen, gerade im Winter, nicht hatten.

Aber diese Zustände sind jetzt vorbei und ich sehe solche Denkmäler mir lieber von Außen an.
Herr Taft
12.03.2012, 13:26 Uhr
armer Wolfi....
...das kann ich nachvollziehen - wer möchte schon so wohnen ! Heute muss das jedoch niemand mehr. Schon gar nicht, wenn ihm ein solches Haus gehört. Freunde von mir haben einen denkmalgeschütztes Haus erworben und es mit einiger Förderung und dem Segen der Denkmalschutzbehörde saniert.

Herausgekommen ist ein tolles Zuhause mit allem erforderlichen Komfort, in dem aber eben nicht alles quadratisch, praktisch und dennoch nicht gut ist. Die Räume sind verschieden hoch, keine Wand ist gerade - die Fenster haben alle verschiedene Größen. Sichtbare Balken ziehen sich durch die Decken. Die Räume sind groß und hell. Ich war begeistert, als ich es mir ansehen durfte.

Alles hat sehr viel Arbeit gemacht - hat sich aber gelohnt. Dennoch - es ist nicht jedermanns Sache.
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