Mi, 19:44 Uhr
15.10.2003
Die Zukunft beginnt heute
Nordhausen (nnz). Kolumbianische Jugendliche weilten in den zurückliegenden Tagen im Landkreis Nordhausen. Seine Erlebnisse mit den Gästen hat Pfarrer Peter Kube für die nnz aufgeschrieben.
Ein Gastspiel? Ja schon – kein gewöhnliches aber. Die Kinder aus KOLUMBIEN, aus der Hauptstadt Bogota, sie haben eine weiten Weg hinter sich gebracht... Der Titel ihres Projektes ist Programm. Jeden Tag, an dem sie ihr Können unter Beweis stellen. Jeden Tag, an dem sie Beifall für ihre Darbietungen erhalten. Nicht Hunger, Not und Elend stehen im Vordergrund, sondern Kreativität, Selbstbewusstsein und Lebensfreude. Jedoch zeigt ihr Spiel, dem ihre Erfahrungen zugrunde liegen, welchen schweren Weg der inneren und äußeren Befreiung sie gingen.
Leben, immer noch am Leben sein, das heißt für viele, dass sie ansehen mussten, wie Familienangehörige umgebracht, Geschwister zwangsrekrutierte Kindersoldaten oder -soldatinnen wurden und ihre Flucht in die Freiheit der Millionenstadt Bogota führte. Kriminalität, Drogenhandel und –gebrauch erwarten sie dort als Angebote der Straße. Solche Erfahrungen machen hart und es braucht viel psychosoziale Betreuung. Jede persönliche Geschichte muss aufgearbeitet werden. Sie brauchen ein positives Selbstwert- und Lebensgefühl.
Carlos, der künstlerische Leiter, erklärt es uns so: Sie (die Kinder und Jugendlichen) verwandeln den Schmerz und die Geschichte in ein ästhetisches Objekt. Den Knirpsen bleibt ein Glanz in den Augen, weil das, was sie aus ihren Erlebnissen gemacht haben, ihnen und anderen Glücksgefühle verschafft. So werden die Gespenster der Gewalt besiegt, die unkontrolliert wieder zu Krieg und Rache führen könnten
Begeisterung in der Aula des Humboldt-Gymnasiums. Die 80 – 100 Zuschauer waren gefangen von der Intensität des Spiels, der Maskerade, der Musik. Einige Schülerinnen der Oberstufe hätten sich über eine intensivere Begegnung gefreut. Doch die Zeit für einen Workshop war nicht übrig. Das improvisierte Bühnenbild brauchte Zeit. Der Saal ist kein Theatersaal. Dafür halfen sie beim Umbau. Frau Rieche hatte mit ihnen alles bestens vorbereitet. Danke dafür. Die Begegnung wird die Lektüre südamerikanischer Literatur lebendig werden lassen.
Bringen die wenigstens paar Kokas mit... sagte nicht nur einer vor der Begegnung. Dafür ist Kolumbien berühmt: Drogenexport, Bauern bauen Koka an. Nur – sie sind nicht die Verdiener im Geschäft, ihnen bleiben gerade mal 4% des Gewinns. Den Rest stecken andere ein. Teilweise dieselben, die in der Welt verkünden, dem Anbau, Handel und Konsum den Kampf anzusagen, politische Saubermänner, Geheimdienste, Paramilitärs ... sie halten das Land im Zustand des Chaos. Auch die Guerillas sind daran beteiligt. Im Machtkampf werden die einfachen Menschen zermahlen... Im Grunde sind die Koka-Bauern Opfer, nicht Täter. Derzeit ist in Kolumbien wenig von der 1991 unterzeichneten Kinderrechtskonvention zu spüren. Es braucht politische Entscheidungen im Interesse der einfachen, der verarmten, der Landbevölkerung, Es braucht gesicherte Transportwege für landwirtschaftliche Produkte.
Diese und viele deutliche Aussagen bestimmten den anschließenden Vortrag von DARIO AZZELINI. Kolumbien – sein Thema in Büchern und Reportagen. Spontan stellte er sich auf die kolumbianischen Gäste ein. Spanisch und deutsch hielt er den Vortrag. Die Gäste bestätigten seine Aussagen. Im Eine-Welt-Laden wurden die Gespräche weitergeführt. Oliver Adams, der sprachbegabte und kolumbienerfahrene Mitorganisator, er hatte das passende Abendessen vorbereitet. Und gleich noch das Frühstück am folgenden Sonntag. Es galt zwei Geburtstage unserer Gäste zu feiern. Es war eine fröhliche Frühstückstafel. Die Lebensfreude war ansteckend. Dann reisten sie weiter in Deutschland.
Wir hoffen und wünschen, dass ihre Zukunft mit unserer Hilfe, unserem Einsatz für weltweite Gerechtigkeit, heute schon auf festeren Füßen steht. Eine praktische, eine kleine Hilfe kann jede/r leisten – die Gäste baten uns, eine Unterschriftenaktion an die Regierung zu unterstützen, mit der sie sich klar für die Kinderrechte, für den Schutz der Kinder vor Zwangsrekrutierungen einsetzen. Diese Listen sind im EINE-WELT-LADEN erhältlich.
Peter Kube
Autor: nnzEin Gastspiel? Ja schon – kein gewöhnliches aber. Die Kinder aus KOLUMBIEN, aus der Hauptstadt Bogota, sie haben eine weiten Weg hinter sich gebracht... Der Titel ihres Projektes ist Programm. Jeden Tag, an dem sie ihr Können unter Beweis stellen. Jeden Tag, an dem sie Beifall für ihre Darbietungen erhalten. Nicht Hunger, Not und Elend stehen im Vordergrund, sondern Kreativität, Selbstbewusstsein und Lebensfreude. Jedoch zeigt ihr Spiel, dem ihre Erfahrungen zugrunde liegen, welchen schweren Weg der inneren und äußeren Befreiung sie gingen.
Leben, immer noch am Leben sein, das heißt für viele, dass sie ansehen mussten, wie Familienangehörige umgebracht, Geschwister zwangsrekrutierte Kindersoldaten oder -soldatinnen wurden und ihre Flucht in die Freiheit der Millionenstadt Bogota führte. Kriminalität, Drogenhandel und –gebrauch erwarten sie dort als Angebote der Straße. Solche Erfahrungen machen hart und es braucht viel psychosoziale Betreuung. Jede persönliche Geschichte muss aufgearbeitet werden. Sie brauchen ein positives Selbstwert- und Lebensgefühl.
Carlos, der künstlerische Leiter, erklärt es uns so: Sie (die Kinder und Jugendlichen) verwandeln den Schmerz und die Geschichte in ein ästhetisches Objekt. Den Knirpsen bleibt ein Glanz in den Augen, weil das, was sie aus ihren Erlebnissen gemacht haben, ihnen und anderen Glücksgefühle verschafft. So werden die Gespenster der Gewalt besiegt, die unkontrolliert wieder zu Krieg und Rache führen könnten
Begeisterung in der Aula des Humboldt-Gymnasiums. Die 80 – 100 Zuschauer waren gefangen von der Intensität des Spiels, der Maskerade, der Musik. Einige Schülerinnen der Oberstufe hätten sich über eine intensivere Begegnung gefreut. Doch die Zeit für einen Workshop war nicht übrig. Das improvisierte Bühnenbild brauchte Zeit. Der Saal ist kein Theatersaal. Dafür halfen sie beim Umbau. Frau Rieche hatte mit ihnen alles bestens vorbereitet. Danke dafür. Die Begegnung wird die Lektüre südamerikanischer Literatur lebendig werden lassen.
Bringen die wenigstens paar Kokas mit... sagte nicht nur einer vor der Begegnung. Dafür ist Kolumbien berühmt: Drogenexport, Bauern bauen Koka an. Nur – sie sind nicht die Verdiener im Geschäft, ihnen bleiben gerade mal 4% des Gewinns. Den Rest stecken andere ein. Teilweise dieselben, die in der Welt verkünden, dem Anbau, Handel und Konsum den Kampf anzusagen, politische Saubermänner, Geheimdienste, Paramilitärs ... sie halten das Land im Zustand des Chaos. Auch die Guerillas sind daran beteiligt. Im Machtkampf werden die einfachen Menschen zermahlen... Im Grunde sind die Koka-Bauern Opfer, nicht Täter. Derzeit ist in Kolumbien wenig von der 1991 unterzeichneten Kinderrechtskonvention zu spüren. Es braucht politische Entscheidungen im Interesse der einfachen, der verarmten, der Landbevölkerung, Es braucht gesicherte Transportwege für landwirtschaftliche Produkte.
Diese und viele deutliche Aussagen bestimmten den anschließenden Vortrag von DARIO AZZELINI. Kolumbien – sein Thema in Büchern und Reportagen. Spontan stellte er sich auf die kolumbianischen Gäste ein. Spanisch und deutsch hielt er den Vortrag. Die Gäste bestätigten seine Aussagen. Im Eine-Welt-Laden wurden die Gespräche weitergeführt. Oliver Adams, der sprachbegabte und kolumbienerfahrene Mitorganisator, er hatte das passende Abendessen vorbereitet. Und gleich noch das Frühstück am folgenden Sonntag. Es galt zwei Geburtstage unserer Gäste zu feiern. Es war eine fröhliche Frühstückstafel. Die Lebensfreude war ansteckend. Dann reisten sie weiter in Deutschland.
Wir hoffen und wünschen, dass ihre Zukunft mit unserer Hilfe, unserem Einsatz für weltweite Gerechtigkeit, heute schon auf festeren Füßen steht. Eine praktische, eine kleine Hilfe kann jede/r leisten – die Gäste baten uns, eine Unterschriftenaktion an die Regierung zu unterstützen, mit der sie sich klar für die Kinderrechte, für den Schutz der Kinder vor Zwangsrekrutierungen einsetzen. Diese Listen sind im EINE-WELT-LADEN erhältlich.
Peter Kube


