Fr, 15:17 Uhr
27.01.2012
nnz-Bücherkiste: Geheimnis der Autorin
äbtissin (Foto: verlag)
"Das Geheimnis der Äbtissin"Johanna Marie Jakob (Weltbild)
Spannende Mittelalterromane gibt es derzeit in großer Zahl. Aber einer, der direkt vor unserer Haustüre spielt, ist dann doch eher die Ausnahme. Jetzt veröffentlichte Der Weltbild Verlag von Johanna Maria Jakob das Buch "Das Geheimnis der Äbtissin". Es führt uns zurück in die Zeit des von Legenden umwobenen Kaisers Friedrich I., der auch Barbarossa genannt wurde. Und der kommt auf die Burg Lare, die heute als Burg Lohra im Norden Thüringens zwischen Nordhausen und Mühlhausen immer noch Zeugnis gibt von ihrer bewegten Vergangenheit.
Mit leichter Hand und erzählerischem Geschick breitet die Autorin vor den Lesern ein farbenprächtiges Panorama des angeblich so düsteren Mittelalters aus. Barbarossa ist mit seiner zweiten Frau Beatrix, die zu Beginn der Handlung noch ein Kind ist, auf Lare eingetroffen und führt in seinem Gefolge den geheimnisvollen Mauren Silas mit, der ihm als Arzt dient. Dieser Silas unterrichtet das junge Burgfräulein Judith in der Kunst des Heilens und entfacht in ihr mehr als nur die Liebe zum Beruf.
Judith, die später Äbtissin des Klosters Eschwege wird, erzählt im vorliegenden Roman spannend und anschaulich ihre Lebensgeschichte. Nebenbei erfahren wir viel über heilende Kräuter, Sitten und Gebräuche des Mittelalters, die kriegerische Geschichte des Kaisers, der in Kreuz- und Italienfeldzügen seine Macht sichern will.
Von Belagerungen abtrünniger Städte ist die Rede ebenso wie von Liebe und Zärtlichkeiten, von Hass, Verrat und Meuchelmord. Auch zur Baukunst der Epoche weiß uns die Äbtissin anhand der im Werk gerade entstehenden Basilika "St. Gangolf" in Müchenlohra aufschlussreich Kunde zu geben. Ein für die mitwissende Judith lebensgefährliches Geheimnis, das sie ihr Leben lang begleitet, macht den Roman zusätzlich zum Thriller mit stellenweiser Gruselgarantie.
Ganz am Ende taucht dann neben den vielen historisch verbürgten handelnden Personen eine junge Frau auf Lare auf, die Adelheid heißt. Spätestens dann stutzt der regional interessierte Leser und erinnert sich vielleicht an einen Roman namens "Adelheid von Lare". Stimmt, die gleiche Autorin hatte sich auch mit "Radegunde von Thüringen" auseinander gesetzt. Sollte es da ein Verbindung geben? Existiert da ein Geheimnis nicht nur um die Äbtissin, sondern womöglich auch um die Autorin?
Finden Sie es heraus, liebe Leser und genießen sie auf 450 Seiten eine abenteuerliche und anrührende Reise in die Vergangenheit.
OLAF SCHULZE

