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Do, 15:26 Uhr
26.01.2012

Mehr Flächen, weniger Kaufkraft

Die IHK Erfurt erhebt seit Mitte der 1990er Jahre regelmäßig die Einzelhandelsflächen der Städte, Gemeinden und Landkreise. Ende 2011 wurden die Ergebnisse der aktuellsten Auswertung im Einzelhandelsatlas zusammengefasst. Wie stellt sich die Situation im Landkreis Nordhausen dar? Hier gibt es eine Antwort...


Mit Einführung der Marktwirtschaft begann im Jahre 1990 bereits vor der Wiedervereinigung der massive Aufbau großflächiger Einzelhandelsstandorte. Anfangs wurden provisorische Zeltbauten auf Freiflächen errichtet oder alte Fabrikräume und landwirtschaftliche Hallen und Lagerräume genutzt. Sehr schnell erfolgte der Bau fester Einrichtungen vor allem auf der "grünen Wiese". Die Verkaufsfläche wuchs somit in einem unbekannten Ausmaß, vor allem in den peripheren Lagen der Städte.

Bis etwa 1995 wurden weiterhin periphere Standorte bevorzugt. Erst danach begann deutschlandweit, und damit auch in Thüringen, ein Umdenken. Die Innenstädte rückten in den Blickpunkt von Projektentwicklern und Investoren.

Der traditionelle Handel steht jedoch vor neuen Herausforderungen. Onlinehändler etablieren sich rasant. Den Kunden steht eine nahezu grenzenlose Produktvielfalt zur Verfügung, die bequem von zu Hause aus gekauft werden kann. Für die Einzelhandelsentwicklung ist die Bevölkerungsentwicklung bzw. -prognose von entscheidender Bedeutung. Insofern verliert die Nordregion überproportional bei der Bevölkerungsentwicklung bis 2030; lediglich für die Stadt Nordhausen wird ein leichter Einwohnerzuwachs prognostiziert.

Die niedrigste Arbeitslosigkeit seit Jahren wirkt sich natürlich auch auf den privaten Konsum und damit den Einzelhandel im Landkreis positiv aus. Beim einzelhandelsreleventen Kaufkraftindex (beschreibt die potenziell zur Verfügung stehende einzelhandelsrelevante Kaufkraft einer Region bezogen auf den bundesdeutschen Durchschnitt (= 100)) von 86,7 Prozent liegt der Landkreis Nordhausen aber unter dem Durchschnitt des Kammerbezirks 89,4 Prozent und Thüringens 90,3 Prozent. Das heißt, dass die Einwohner im Landkreis weniger Kaufkraft für den Einzelhandel zur Verfügung haben als in anderen Landkreisen.

Auch bei der Einzelhandelszentralität, die Auskunft über die Attraktivität eines Handelsstandortes für die Käufer gibt, liegt der Landkreis Nordhausen mit 80,2 unter dem Thüringendurchschnitt von 92,4. Hier haben die Städte Erfurt mit 112,8 und Eisenach mit 135,9 deutlich die Nase vorn. Bei einer Zentralitätskennziffer (Bundesdurchschnitt = 100) über 100 erfolgt ein Kaufkraftzufluss aus dem Umland.

Die Gesamtverkaufsflächen im Thüringer Einzelhandel haben seit 1990 rasant zugenommen. Pro Einwohner wird der bundesdeutsche Durchschnitt von 1,49 m² im Kammerbezirk Erfurt mit 1,86 m² inzwischen weit übertroffen. Der Landkreis Nordhausen liegt mit 1,88 m² pro Einwohner bei den Landkreisen des Kammerbezirkes an der Spitze. Allein von 2001 bis 2010 erfolgte hier ein Verkaufsflächenzuwachs von 9,8 Prozent.

Eine hohe Verkaufsfläche führt aber nicht automatisch zu hohen Quadratmeterumsätzen. Die Flächenproduktivität liegt im Landkreis Nordhausen mit 1 846 Euro/m² im Vergleich mit anderen Landkreisen am niedrigsten und weit unter Thüringendurchschnitt 2 332 Euro/m².

Der demografische Wandel macht auch vor dem Einzelhandel nicht Halt. In zahlreichen, zumeist den kleinsten Kommunen, ist kein nennenswerter Einzelhandel mehr angesiedelt. Die Versorgung der Bevölkerung erfolgt lediglich noch durch kleine Ladeneinheiten (Bäcker, Fleischer, täglicher Bedarf) oder mobile Einzelhändler. Von einem breiten Sortiment kann hier nicht mehr die Rede sein.

Für die breitere Versorgung, über Waren des täglichen Bedarfs hinaus, wächst daher die Bedeutung der zentralen Orte. Dies sollten auch die Planer der Verkehrskonzepte bedenken. Der Einzelhandel und damit auch die Händler müssen sich ständig neu erfinden, um dem wirtschaftlichen Strukturwandel und verändertem Verbraucherverhalten Rechnung zu tragen.
Autor: nnz

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Kommentare
98maschr
26.01.2012, 20:35 Uhr
Und trotzdem bauen wir noch ein Kaufhaus...
Ich würde mir wünschen, daß Stadtrat, OB und Baudezernentin sich diesen Artikel mal zu Herzen nehmen würden und das Sinnlosprojekt im Nordhäuser Herzen endlich ad acta legen würden. Jeder halbwegs intelligente Mensch müßte doch 1 und 1 zusammenzählen können und entsprechende Konsequenzen hieraus ziehen können... Aber iwo. Lieber indirekt das Industriegebiet Goldene Aue gleichzeitig kaputtdiskutieren. Wozu langfriste Wertschöpfung schaffen mittels produzierendem Gewerbe.

Komischerweise gehen die Gewerkschaften hierbei nicht auf die Barrikaden.
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