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So, 14:42 Uhr
22.01.2012

Doppelgänger im Theater

Der antike Stoff vom geprellten Amphitryon, dessen Weib Alkmene vom liebeshungrigen Göttervater in der Gestalt des Amphitryon beglückt wird, war immer wieder eine gute iterarische Vorlage. Auch für Dramatiker aller Epochen. So hat sich kein Geringerer als Moliére einst damit beschäftigt und in dessen Gefolge dann auch der innerlich zerrissene Heinrich v. Kleist, für den die Geschichte wohl auch deshalb interessant war, weil die Götter sich einmischen in menschliches Tun und die Frage nach der Selbstbestimmung des Daseins so schön verhandelt werden kann.

Es ist nicht leicht, wenn man sich selbst begegnet. Noch schwieriger aber ist es, jemand anderem von dieser Begegnung mit sich selbst zu erzählen. Der Diener Sosias muss das tun und sein Herr Amphitryon hält ihn für verblödet. Kurz darauf erfährt der Fürst der Thebaner allerdings, dass er eben erst das Nachtlager seiner Gattin Alkmene verlassen hat, obwohl er doch schnurstracks aus der Schlacht kommt. Der Verwirungen und Zweifel gibt es in der Folge viele und die beiden Paare Alkmene und Amphitryon sowie Sosias und seine Gemahlin Chairs werden auf eine harte Probe gestellt.

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Der Feldherr und sein göttliches Double: Hans Burkia als Amphitryon mit Schwert und Markus Seidensticker als betrügerischem Jupiter

Wie das die Rudolstädter Schauspieler darstellen, mit welchem Witz und Charme sie ihren Rollen Ausdruck verleihen, das nötigt höchsten Respekt und uneingeschränktes Lob ab. Ute Schmidt als hin- und hergerissene Alkmene gibt eine hinreißende Geliebte, die ihre Rechte einzuklagen weiß. Hans Burkia verfällt vom stolzen Feldherrn zum verzweifelten Hahnrei. Horst Damm staunt als Sosias so hingebungsvoll und naiv über seinen Doppelgänger, dass es unser Mitleid erregt und Verena Blankenburg als bodenständig resolute Charis lehrt selbst den Göttern das Fürchten.

Hier ist es Markus Seidensticker als eitel-selbstgefälliger Jupiter, der alle Facetten von der Verführung bis zur Drohung genüsslich auskostet und sein zynisch-dekadenter Bote Merkur (glänzend interpretiert von Marcus Ostberg) setzt dem wilden Treiben seines Herrn frisch und frech die Krone auf, indem er in Sosias Rolle schlüpft.

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Sosias hat's nicht leicht mit seinem Weib: Horst Damm mit Verena Blnakenburg als resoluter Charis

Kleists Amphitryon wird mit solchen Komödianten und einer so dezenten, dem Autor vertrauenden Regie (Jens Schmidl) in einem spartanischen, aber wirkungsvollen Bühnenbild (Gitti Scherer) zu einem unterhaltsamen Theaterabend, der in guter Erinnerung bleiben wird. Und Alkmenes unvermeidliches, Kleistsches "Ach" am Ende ist ein schöner, ironischer Schlusspunkt, der das Publikum zu herzlichem Applaus einlädt. Den hat es am Freitagabend dann auch gegeben – berechtigt!

OLAF SCHULZE
Autor: nnz/kn

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