Sa, 08:09 Uhr
27.09.2003
Reicher als alle Fiktion
Nordhausen (nnz). Herbert Gerhardt hat mal wieder tief in seine Sammlung gegriffen und einige der schönsten Kinoplakate hervorgeholt. Was "Die Liebe in den Zeiten des Landfilmes" damit zu tun hat, das erfuhr nnz gestern abend im Tabakspeicher.
Eine neue Sonderausstellung wurde auf ganz besondere Weise eröffnet, mit einer Lesung des bekannten "Zeit" Autors Christoph Diekmann, der aus seinem 2002 erschienenen Buch "Die Liebe in den Zeiten des Landfilmes - Eigens erlebte Geschichten" einige Episoden vortrug. Bei den Zuhörern kam seine gelebte DDR Geschichte sehr gut an, sie erkannten sich selbst wieder, die eigenen Peinlichkeiten der Jugend wurden entdeckt und häufig mit einem Lachen quittiert. Der 1956 geborene Publizist, selbst Landfilmvorführer gewesen, setzte sich kritisch mit der damaligen wie der heutigen Zeit auseinander. Inzwischen sei sein Interesse für Kino stark gesunken, meinte er, denn alles sei bereits gedreht worden.
Vielleicht läge seine mangelnde Begeisterung auch an seinem Alter, aber wer mal kritisch das heutige Programm durchsieht wird feststellen, daß das nicht allein der Grund sein kann. In 10 Jahren, so Diekmann, sei er wohl reif für den guten Tierfilm. Deutschland sei fremdbebildert, zitierte er den Regisseur Wim Wenders, und wer will sich schon gern fremdbestimmen lassen. Das birgt schließlich auch Risiken, den Verlust der eigenen Identität zum Beispiel. Für "Westler" seien seine Vorlesungen Information, für Ostler das selbst Durchlebte, sagt der Autor. Schade eigentlich nur, daß nur wenig junge Leute Interesse an der Lesung hatten, doch Jugend ist nun mal Auflehnung, vor allem gegen die Geschichte der eigenen Eltern.
Nach einer Stunde Vortrag durfte Christoph Diekmann dann zeigen, daß er die Kunst des Filmvorführens noch nicht verlernt hatte. In dem kleinen Kinosaal des Tabakspeichers gab es einen alten "Augenzeugen" aus der DDR Kino-Wochenschau zu sehen. Früher hätte er sich darüber geärgert sowas ansehen zu müssen, jetzt fand er es durchaus interessant, meinte Herbert Gerhardt, der ebenfalls in seiner Jugend Filme vorführte. Von seinen Erlebnissen erzählte er zur Eröffnung der neuen Plakatausstellung, die noch nicht die letzte sein soll. In seinem Archiv lagern noch genug papierne Zeitzeugen. Sein nächstes Projekt soll hier schon mal verraten werden: Erotik auf DDR-Kinoplakaten. Sex lockte schon immer, vielleicht auch bald in ein Museum. Aber erstmal läuft die derzeitige Ausstellung und zwar noch bis zum 16. November täglich außer Montag von 10-17 Uhr.
Autor: wf
Eine neue Sonderausstellung wurde auf ganz besondere Weise eröffnet, mit einer Lesung des bekannten "Zeit" Autors Christoph Diekmann, der aus seinem 2002 erschienenen Buch "Die Liebe in den Zeiten des Landfilmes - Eigens erlebte Geschichten" einige Episoden vortrug. Bei den Zuhörern kam seine gelebte DDR Geschichte sehr gut an, sie erkannten sich selbst wieder, die eigenen Peinlichkeiten der Jugend wurden entdeckt und häufig mit einem Lachen quittiert. Der 1956 geborene Publizist, selbst Landfilmvorführer gewesen, setzte sich kritisch mit der damaligen wie der heutigen Zeit auseinander. Inzwischen sei sein Interesse für Kino stark gesunken, meinte er, denn alles sei bereits gedreht worden. Vielleicht läge seine mangelnde Begeisterung auch an seinem Alter, aber wer mal kritisch das heutige Programm durchsieht wird feststellen, daß das nicht allein der Grund sein kann. In 10 Jahren, so Diekmann, sei er wohl reif für den guten Tierfilm. Deutschland sei fremdbebildert, zitierte er den Regisseur Wim Wenders, und wer will sich schon gern fremdbestimmen lassen. Das birgt schließlich auch Risiken, den Verlust der eigenen Identität zum Beispiel. Für "Westler" seien seine Vorlesungen Information, für Ostler das selbst Durchlebte, sagt der Autor. Schade eigentlich nur, daß nur wenig junge Leute Interesse an der Lesung hatten, doch Jugend ist nun mal Auflehnung, vor allem gegen die Geschichte der eigenen Eltern.
Nach einer Stunde Vortrag durfte Christoph Diekmann dann zeigen, daß er die Kunst des Filmvorführens noch nicht verlernt hatte. In dem kleinen Kinosaal des Tabakspeichers gab es einen alten "Augenzeugen" aus der DDR Kino-Wochenschau zu sehen. Früher hätte er sich darüber geärgert sowas ansehen zu müssen, jetzt fand er es durchaus interessant, meinte Herbert Gerhardt, der ebenfalls in seiner Jugend Filme vorführte. Von seinen Erlebnissen erzählte er zur Eröffnung der neuen Plakatausstellung, die noch nicht die letzte sein soll. In seinem Archiv lagern noch genug papierne Zeitzeugen. Sein nächstes Projekt soll hier schon mal verraten werden: Erotik auf DDR-Kinoplakaten. Sex lockte schon immer, vielleicht auch bald in ein Museum. Aber erstmal läuft die derzeitige Ausstellung und zwar noch bis zum 16. November täglich außer Montag von 10-17 Uhr. 

