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Fr, 14:42 Uhr
04.11.2011

"Schwer, nicht mithelfen zu können“

Sein Platz in der Kabine ist seit Saisonbeginn unberührt. Auf dem Mannschaftsfoto fehlt er ebenfalls. Der Fußball-Verbandsligist FSV Wacker 90 Nordhausen muss seit einigen Monaten ohne seine Nummer acht auskommen. Stephan Hoffmann wurde in den Kosovo abgerufen. Sandra Arm sprach mit dem 23-jährigen Bundeswehrsoldaten über seinen Einsatz, die größte Herausforderung und Heimatgefühle…

Stephan Hoffmann (Foto: Wacker Nordhausen) Stephan Hoffmann (Foto: Wacker Nordhausen)
Was hat dich bewogen, dich freiwillig für den Einsatz im Kosovo zu melden?

Hoffmann: Freiwillig würde ich nicht sagen. Ich war im vergangenen Jahr schon für einen Einsatz vorgesehen. In dieser Zeit war es aber so ruhig, dass wir nicht abgerufen wurden. Aufgrund der Unruhen in diesem Jahr wurden wir nun zur Unterstützung angefordert.

Wo bist du dort genau?

Hoffmann: Ich bin im Norden des Kosovos, nahe Mitrovica, eingesetzt. Dort ist der serbische Anteil der kosovarischen Bevölkerung sehr hoch. Wir operieren in der Nähe der serbischen Ortschaften.

Wie lange wurdest du auf diesen Einsatz vorbereitet?

Hoffmann: Meine Ausbildung für den vorgesehenen Einsatz im vergangenen Jahr dauerte ungefähr 16 Monate. Ich denke, dass wir gut für unsere Aufgaben vorbereitet wurden.

Seit wann bist du bereits im Kosovo und wie lange wird dein Einsatz noch dauern?

Hoffmann: Ich bin seit dem 7. August im Kosovo und der genaue Abflugtermin steht noch nicht fest. Es hängt von der Lage im Einsatzgebiet ab, wann ich wieder nach Hause fliege.

Welche Rolle spielen Angst und Nervosität?

Hoffmann: Ein gewisses Maß an Angst und Nervosität gehört in manchen Situationen dazu, sonst wird man einfach zu übermütig und vergisst, was alles passieren kann. Es ist hier bei weitem nicht so schlimm wie in Afghanistan. Trotzdem kann das Geschehen sehr schnell eskalieren. Was mich betrifft, würde ich sagen, dass Angst und Nervosität etwa 15 bis 20 Prozent ausmachen. Durch die Ausbildung sind wir auf fast alle Möglichkeiten des Geschehens vorbereitet und wissen instinktiv, was wir zu tun haben.

Was ist für dich die größte Herausforderung?

Hoffmann: Eine der größten Herausforderungen ist für mich, mein Temperament unter Kontrolle zu halten - meine Teamkollegen wissen, was ich meine - wenn wir von manchen Personen beleidigt werden.

Hast du persönliche Gegenstände mitgenommen?

Hoffmann: Das ist nicht viel, da wir eigentlich Mitte September wieder nach Hause fliegen sollten. Ich habe Fotos meiner Familie, meine Handys und den Laptop mitgenommen.

Gibt es etwas, was du aus der Heimat vermisst?

Hoffmann: Ja, natürlich. Das ist zum einen Omas Küche. Hier merke ich erst, was es heißt, von ihr bekocht zu werden. Das liegt nicht daran, dass die Franzosen, ich bin in einem französischen Camp untergebracht, nicht kochen können. Meine Oma kocht mit Liebe und das fehlt mir. Als nächstes fehlt mir Opas "Kritik" an meinen fehlenden Fußballkünsten. Meine Eltern vermisse ich am meisten. Ich bin froh, sie zu haben und das wird einem erst bewusst, wenn man von ihnen getrennt ist. Meine Mutter schickt mir immer Pakete, die mir das Leben versüßen. Natürlich darf ich meine Freunde und die ganze Truppe von Wacker nicht vergessen.

Was machst du in der Erholungszeit?

Hoffmann: Nicht viel. Ich liege im Container, schaue Filme oder höre Musik. Gelegentlich komme ich auch mal zum Sport.

Wie verfolgst du das Geschehen in der Heimat?

Hoffmann: Ich erhalte zum einen Informationen, wenn ich mit der Familie telefoniere und zum anderen über das Internet.

Wie ist es für dich, die Mannschaft gegenwärtig nur als „Fan“ aus der Ferne zu unterstützen?

Hoffmann: Ich freue mich, dass die Mannschaft so erfolgreich ist und die Punkte mit nach Nordhausen holt. Natürlich ist es für mich schwer, nicht mithelfen zu können und kein Teil dieser Mannschaft zu sein. Ich hoffe, dass sich dieser Zustand schnellstmöglich ändert.

Die Mannschaft steht auf Platz eins und ist noch ungeschlagen. Ganz ehrlich, hättest du damit gerechnet?

Hoffmann: Ich hatte es gehofft. Mit dem Potenzial, was die Mannschaft aufweist, wäre alles andere auch etwas enttäuschend für mich und ich müsste mir einiges anhören. Ich bin nämlich mit etlichen Leuten aus Sondershausen zusammen.

Was gibst du dem Team, es stehen noch vier Spiele bis zur Winterpause auf dem Plan, mit auf den Weg?

Hoffmann: Spielt immer am Limit eurer Möglichkeiten und gebt alles. Man versteht erst, was es heißt, auf dem Platz stehen zu dürfen, wenn es einem vergönnt ist. Mein bester Freund sagt mir immer: "Man kann nicht immer gut spielen, aber man kann immer kämpfen!"

Du kehrst voraussichtlich im Februar nach Deutschland zurück. Auf wen oder was freust du dich am meisten?

Hoffmann: Ich freue mich auf meine Familie, die Freunde und die gute deutsche Küche von meiner Oma. Der Rest wird sich dann ergeben.
Autor: nnz

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