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Do, 09:51 Uhr
11.09.2003

nnz-Forum: 30 Jahre danach

Nordhausen (nnz). Mit dem 11. September ist seit zwei Jahren einer der schrecklichsten Terroranschläge der Menschheit verbunden. Für viele Menschen hat aber auch der 11.9.1973 eine Bedeutung. Dazu eine Erinnerung eines nnz-Lesers.


Der 11. September - dieses Datum löst eine Welle von Erinnerungen aus. Der Anschlag auf die WTC Türme in New York, aber auch viele Bürgerinnen und Bürger, nicht nur aus der Südharzregion, verbinden mit diesem Datum vor allem der Putsch gegen die sozialistische Regierung der Unidad Popular in Chile im Jahr 1973. Dieser Putsch war das gewalttätige Unterfangen, die regierungstragende Unidad Popular, ein breites gesellschaftliches Bündnis von kommunistischen, sozialistischen und christlichen Parteien und Volksorganisationen, zu vernichten. Der chilenische 11. September bedeutet die Erinnerung an über 20.000 Ermordete, mehr als 50.000 Gefolterte und rund 1 Million Exilierte. Aber er bedeutet auch die Erinnerung an das politische Projekt der Regierung Allende, die sich gegen Ausbeutung und Entrechtung stellte und den Weg zu einem demokratischsozialistischen Gesellschaftsmodell beschritt.

„Die Geschichte gehört uns, es sind die Völker die sie machen.“ Dr. Salvador Allende, 11.September 1973 (letzte Rundfunkansprache von Dr. Allende nach Beginn der Bombardierung des Präsidentenpalastes durch die Putschisten)

Am 11.September 1973 wurde ein Volk in die Knechtschaft zurückgeworfen, das einen Augenblick den befreienden Hauch von sozialer Gerechtigkeit und mehr Demokratie spürte. Eine Regierung wurde gestürzt, die in drei Jahren das vollbracht hat, was ihre Vorgänger in Jahrhunderten nicht vermochten. Die Chiles Kindern Milch, Chiles Jugend Bildung, Chiles Bauern Land, Chiles Arbeitslosen Arbeit, Chiles Volk sein Kupfer, Chiles Obdachlosen Wohnung gab.

In ihrer Regierungszeit setzte die Unidad Popular radikale soziale Reformen durch. Um die enorm hohe Kindersterblichkeit zu senken bekam jedes Kind täglich kostenlos einen halben Liter Milch, in den Schulen sicherte man eine kostenlose Pausenversorgung. Der kostenlose Schulbesuch wurde Wirklichkeit.
Die Mindestlöhne der Arbeiter wurden um 60% erhöht. Ein für Arbeiter kostenloses Gesundheitssystem wurde geschaffen. Das weite Land der wenigen Großgrundbesitzer wurde an die Bauern gerecht verteilt. Die Mitbestimmung der Arbeiter in den Betrieben wurde realisiert. Maßgebliche Unterstützung bekam die Regierung Allende auch aus dem Ausland, vor allem die Sowjetunion, die DDR, Polen oder Kuba leisteten aktive Wirtschafthilfe, zum Beispiel durch Entsendung von Fachleuten für den Bau neuer Fabriken. Solidarisch gegenüber Chile verhielten sich auch die sozialdemokratisch regierten Länder Skandinaviens.

Hingegen war für das internationale Großkapital die Volksfrontregierung Allendes ein Dorn im Auge, sofort nach dem Wahlsieg der Unidad Popular verhängte die USA eine weltweite Wirtschaftsblockade gegen Chile. Hand in Hand planten der amerikanische Nachrichtendienst CIA und internationale Großkonzerne den Umsturz in Chile.

Im Morgengrauen des 11. September 1973 beginnt der Putsch des chilenischen Militärs unter Führung des General Pinochet gegen die rechtmäßige Regierung, tatkräftige Unterstützung bekamen die Putschisten von den USA. Nachdem Allende das Ultimatum der Militärs ablehnt die Regierung zu verlassen, beginnt die Bombardierung des Präsidentenpalastes, hier wird Dr. Allende dann von den Putschisten ermordet. Im ganzen Land beginnt nach vorbereiteten „Schwarzen Listen“, die Jagd nach politischen Gegnern. Verhaftungen und Erschießungen stehen auf der Tagesordnung.

Unzählige Menschen wurden in Bergwerken, auf Kriegsschiffen oder im Stadion von Santiago unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt, brutale Folter und Missbrauch waren gängiges Ritual des Terrors. Auch der große chilenische Sänger, Regisseur und Gitarrist Victor Jara wird hier bestialisch ermordet, nachdem die Putschisten ihm zuvor beide Hände grausam verstümmelt hatten. Den „Säuberungen“ fielen schätzungsweise 20.000 Menschen zum Opfer, mehr als 50.000 wurden inhaftiert. Von der Militärjunta unter Pinochet wurde das Parlament aufgelöst, Parteien und Gewerkschaften verboten, und die Pressefreiheit liquidiert.

In vielen Ländern protestierte man gegen den Putsch in Chile und organisierte Solidaritätsmaßnahmen, der sozialdemokratische schwedische Ministerpräsident Olof Palme rief zum Beispiel die Arbeiter Schwedens dazu auf allseitige Hilfe für Chile zu erweisen. Viele Flüchtlinge aus Chile bekamen Asyl in der DDR und auch in der Bundesrepublik.

An diesen Putsch erinnert am 13.09. 2003 die PDS mit einer Gedenkkundgebung und anschließender Wanderung durch den Kohnstein. Die Veranstaltung beginnt um 11:00 Uhr auf dem Parklpatz vor dem ehemaligen Gasthaus „Gambrinus“ im Stadtpark. Die Wanderung dauert ca. 2 Stunden, sie endet auf dem Osterfeuerplatz in Herreden. Die PDS Herreden sowie der Kreisverband der PDS Nordhausen rufen alle Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis Nordhausen, unabhänig ihrer politischen Meinung oder Parteibuch auf, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, im ehrenden Gedenken an dem ermordeten Präsidenten der Republik Chile, Dr. Salvador Allende und im Gedenken an den Opfern des faschistischen Militärputsches vom 11.09.1973 in Chile.
Michael Samel, PDS-Stadtrat in Nordhausen

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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