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Sa, 15:17 Uhr
22.10.2011

nnz/kn-Tipp: Kein Beleg

Salzarme Kost soll Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und die Gefahr mindern, an einer solchen Erkrankung zu sterben. Renommierte amerikanische Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass es keine wissenschaftlichen Belege für einen solchen Zusammenhang gibt...


Im Rahmen einer Cochrane-Analyse konnten die Wissenschaftler um Professor Dr. Rod S. Taylor von der Universität von Exeter bereits vorliegende Daten aus kontrollierten, medizinisch fundierten Studien zum möglichen Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen analysieren.

Kein Beleg für gesundheitliche Vorteile salzarmer Kost

Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass es weder bei den untersuchten Menschen mit normalem Blutdruck noch bei solchen mit erhöhten Blutdruckwerten einen klaren Beleg dafür gab, dass sie von einer salzarmen Ernährung profitieren. Im Gegenteil: Bei Menschen mit bestehender Herzschwäche war das Sterblichkeitsrisiko im Falle einer Salzbeschränkung bei der Nahrungsaufnahme sogar eindeutig erhöht. Die Analyse, die im angesehenen Fachblatt "American Journal of Hypertension" veröffentlicht wurde, basiert auf den Daten von sieben gut kontrollierten Studien mit insgesamt knapp 6.500 Teilnehmern.

Informative Broschüre zum Thema Salz und Blutdruck

In allen Studien wurde untersucht, ob sich durch eine Salzbeschränkung bei der Nahrungsaufnahme über mindestens sechs Monate die allgemeine Sterblichkeit beziehungsweise speziell die Sterblichkeit infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung senken lasse. Das Ergebnis der Analyse widerspricht den Behauptungen von Salzkritikern: Es ergaben sich - selbst bei Bluthochdruckpatienten - keine Hinweise darauf, dass eine salzarme Ernährung Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugt.

Auf www.vks-kalisalz.de gibt es die Broschüre "Salz und Blutdruck - Zusammenhänge überschätzt" mit vielen Informationen. Demnach werde in der Diskussion oft ausgeblendet, dass Salz lebensnotwendig sei. Ohne Salz könne der Flüssigkeitshaushalt des Körpers nicht aufrechterhalten werden. Der Organismus brauche Salz für seine Stoffwechselvorgänge.

Daten & Fakten

Die Daten der vorliegenden Cochrane-Analyse gehen in die gleiche Richtung wie die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie einer Gruppe um Professor Dr. Jan Staessen aus Leuwen, die ebenfalls vermeintliche negative Konsequenzen des üblichen Salzkonsums widerlegen konnten.

In dieser Untersuchung hatten die Wissenschaftler sogar festgestellt, dass die Gefahr, an einer Herz-Kreislauf-Komplikation zu versterben, bei den Personen am höchsten ist, die sich besonders salzarm ernähren.
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Kommentare

22.10.2011, 17.34 Uhr
dialyse_ndh | Salzkonsum, Lobbyismus und "Information"
Diese Art der „Information“ ist aus meiner täglichen Erfahrung heraus absolut problematisch und der Artikel „NNZ/KN Tipp: Kein Beleg“ soll daher nicht unreflektiert bleiben: Ich möchte im folgenden den Inhalt dieses Artikels kommentieren und Stellung zu den zitierten Cochrane-Analysen nehmen:

1. Selbstverständlich stellen Salze einen unabdingbaren Baustein des Lebens dar. Die Regulation des Salzhaushaltes erfolgt in der Niere und hat Bedeutung für zahlreiche Mechanismen der Kreislaufregulation.
2. Für die Aufrechterhaltung dieser Regulationsmechanismen ist eine tägliche Zufuhr von 2g Salz pro Tag ausreichend.
3. Die durchschnittliche Salzaufnahme liegt in Mitteleuropa bei ca. 8g-12g/ Tag. Warum ist das so? Salz ist in zahlreichen Lebensmitteln wie Brot, Fleisch, Wurst, Käse, in Fertiggerichten usw. vorhanden. Es wird verwendet für die Haltbarmachung von Lebensmitteln und als Geschmacksverstärker (wenn das Essen schon nach nichts schmeckt, dann wenigstens nach Salz- es ist immerhin der billigste Geschmacksverstärker, den es gibt). Im Restaurant wird gern kräftig gesalzt, damit reichlich Getränke bestellt werden. Salz stellt also einen Wirtschaftsfaktor dar. Nicht zuletzt hat die Nahrungsmittelindustrie erst kürzlich wieder eine effektive generelle einheitliche Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel verhindert. Eine Salzaufnahme von <4g/ Tag ist daher durch unsere Ernährung praktisch kaum erreichbar.
4. Der Zusammenhang zwischen salzreicher Ernährung und dem Risiko von Herz-/ Kreislauf-Erkrankungen ist seit mehreren Jahrzehnten in ungezählten klinischen und experimentellen Studien untersucht und sehr gut belegt.
5. Die Frage ist berechtigterweise, ob eine Reduktion der Salzaufnahme anhand „harter“ klinischer Endpunkte wie Versterben, Auftreten von Herz-/ Kreislauferkrankungen u.ä. zu einer Reduktion des Risikos führt. Dies ist statistisch schwer nachzuweisen und die Ergebnisse der aufgeführten Cochrane-Analysen zeigen, daß dieser Beweis (zumindest momentan) nicht zu führen ist.
Nun muß man aber wissen, daß es methodisch in einer Studie z.B. sehr schwierig ist zu überprüfen, ob tatsächlich weniger Salz aufgenommen wird. Man kann entweder dies entweder durch eine streng definierte Diät erreichen oder relativ ungenau durch Messung der Natriumausscheidung im Sammelurin. Auch Blutdruckmessungen sind sehr ungenau, so mancher, der beim Arzt den Blutdruck gemessen bekommt, wird feststellen, dass er andere Werte als zu Hause hat. Der Goldstandard, nämlich die 24-Stunden-Blutdruckmessung, wird in solchen Studien meist nicht angewandt.

Somit lassen diese Studien lediglich den Schluß zu, dass der Effekt der salzreduzierten Kost bisher nicht beweisbar ist. Dies liegt möglicherweise an diesen methodischen Problemen.
Aus diesen Analysen zu schließen, dass eine kontinuierliche salzreiche Kost, wie wir sie in Mitteleuropa haben, ungefährlich sei, wäre eine sträfliche Simplifizierung dieser Zusammenhänge.

In unserer Sprechstunde beschäftigen wir uns tagtäglich mit zahlreichen Bluthochdruckpatienten. Viele Patienten stellen die Frage, warum der Blutdruck hoch sei. In der Regel kann man diese Frage meist nicht beantworten. Es ist jedoch wissenschaftlich gut untersucht, dass unsere Ernährungsgewohnheiten von der Kindheit an wesentlichen Einfluß auf die Ausprägung zahlreicher Wohlstandserkrankungen haben. Der (unbewußt hohe –und kaum vermeidbare-) Salzkonsum zählt mit Sicherheit dazu. Durch Lebenstiländerung wäre die Einnahme zahlreicher teurer Medikamente zu vermeiden. Es ist absurd und bezeichnend, daß diese kleinen und „preiswerten“ Maßnahmen in unserem Gesundheitswesen kaum gefördert werden.

Der oben dargestellte Artikel sollte als das gekennzeichnet werden, was er ist: Eine Werbung des Lobbyverbandes der Kali- und Salzindustrie, welche natürlich Interesse an einem regen Salzkonsum in der Bevölkerung hat. Es ist zu vermuten, dass auch eine „Online-Zeitung“ wie die nnz für die Platzierung solcher „Tipps“ Geld bekommt.


Dr. med. Christian Marx
Facharzt f. Innere Medizin, Nephrologie
Nephrologische Gemeinschaftspraxis und Dialysezentrum Nordhausen
Wallrothstr. 5
99734 Nordhausen

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22.10.2011, 22.31 Uhr
Bodo Schwarzberg | Dr. Marx zum Salzkonsum: sehr gelungener Beitrag!
Zum einen begrüße ich es sehr, dass sich ein Arzt mit einem so inhaltsreichen, fachlich kritischen Beitrag in der nnz zu Wort gemeldet hat, der zur weiteren Erhöhung des Niveaus der Online-Zeitung führt. Stellenweise herrscht daran hier noch ein großer Mangel, was aber sicher auch mit den Grundeinstellungen und Möglichkeiten der Schreiber zu tun hat.

Ich bin ganz der Meinung von Herrn Dr. Marx. Zum einen habe ich schon einmal die NNZ/KN-Ernährungstipps vor kurzem kritisiert, da sie sich mit nur ein wenig physiologischem Grundwissen oftmals als fragwürdig, im Einzelfall als gefährlich und möglicherweise als verlängerter Arm einschlägiger Wirtschaftszweige erweisen. Bei meiner letzten Kritik ging es um das Element Zink, dessen zusätzliche Einnahme vollkommen ungerechtfertigter Weise beworben wurde.

Herr Dr. Marx spricht ein grundlegendes Problem (natur-)wissenschaftlicher Studien an, und das sind die jeweils angesetzten Randbedingungen für derartige Untersuchungen. Solange diese international nicht definiert sind, ist Gefälligkeitsstudien ebenso Tür und Tor geöffnet, wie Geldschmierereien aller Art, die gewiss auch vor hochkarätigen Fachzeitschriften nicht halt machen. Bekannt ist, und ich habe dies in Interviews mit Ärzten bestätigt bekommen, die Korrumpierung dieser Berufsgruppe, damit sie bestimmte Medikamente verschreiben. Herr Dr. Marx hat dies gewiss auch schon zu spüren bekommen.

Da sich dieser Sumpf durch die ganze medizinische und Apothekerwelt zieht, fordere ich die nnz auf, derartige Beiträge vor der Veröffentlichung zumindest genau (fachlich) zu prüfen. Besser aber wäre es, sich auf zweifelsfreie Tipps zu beschränken, die insbesondere die auch von Dr. Marx angesprochene Lebensführung beinhalten. Mit Beiträgen über die angeblichen Vorzüge von Natriumchlorid in hoher Dosierung oder anderer künstlich zugeführter Mineralstoffe, werden die gegenüber ihrer Gesundheit vielfach schon passiv genug eingestellten, vielfach übergewichtigen und diabetischen Mitteleuropäer zu noch mehr Passivität erzogen, bzw. diese wird zur Möglichkeit, gesund zu leben (!), erklärt.

Wer die Gefahren von Kochsalz für die Gesundheit verharmlost, fördert auf einen Schlag die Profite eines Großteils der Ernährungs-, sprich Fastfood-Wirtschaft, dient aber gewiss nicht der Mehrheit der Bevölkerung.

Herr Dr. Marx dürfte so manchen Leidensweg kennen, der mit Nierenfunktionsstörungen bis hin zur Dialyse-Notwendigkeit zu tun hat, und die mit der Einnahme von Kochsalz eine Menge zu tun haben kann.

Allein die Tatsache, dass sich hier ein Internist äußert, der tagtäglich mit Hypertonie-Patienten zu tun hat, sollte der nnz-Redaktion zu denken geben.

Da ich stets zu jenen gehöre, sehr geehrter Herr Greiner, die nicht nur, wie die meisten hier, meckert, sondern selbst etwas tut oder zumindest Vorschläge macht, möchte ich das auch in diesem Fall tun: Ich bitte Sie um Beiträge zum Thema Gesundheit, in deren Hintergrund nicht der Gewinn einzelner Konzerne, sondern die kostengünstigen und oft genug kostenlosen Maßnahmen stehen, die jeder Bürger selbst umsetzen kann: Statt also z.B. "Nahrungsergänzungsmittel" zu bewerben, sollten die Empfehlungen möglichst unverfänglicher, tatsächlich unabhängiger Institute zur gesunden Ernährung und zur köperlichen Bewegung publiziert werden: Möglichkeiten z.B. zur täglichen Rückengymnastik, die so manchem vor schlimmen Leidensgeschichten bewahren könnten (nachgewiesen), zu den Effekten täglicher Bewegung (ohne Werbung für irgendwelche kostenpflichtigen "Konzepte") und zur gezielten Auswahl ökologisch und medizinisch sinnvoller Nahrungsmittel beim täglichen Einkauf. Gelegentlich gab es ja dazu schon Ansätze in der nnz, z.B. bei Veröffentlichungen der mit Sicherheit werbefreien Stiftung Warentest. Auch das ebenso unverfängliche Ökotest-Magazin lege ich der nnz-Redaktion nahe.

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23.10.2011, 08.45 Uhr
Wolfi65 | Kein Salz mehr?
Was ist denn das Nächste? Keinen Zucker mehr essen oder nicht mehr so viel Cola trinken? Dann wäre da noch der Alkohol.

Man kann den Menschen eigentlich alles im Dienste der Gesundheit verbieten. Als gefährlicher einzustufen sind doch die Berge von verschriebenen Medizin-Präparaten.

Des Öfteren versteckt sich dort auch noch Psychopharmaka, welche den Betroffenen Patienten den eigenen Willen nehmen.
Wer keine Familienangehörige mehr hat, ist manchmal dem behandelnen Arzt in dieser Sache ausgeliefert.

Zum Schluss ist der/die Patient/in so down, dass der normale Alltag allein nicht mehr bewältig werden kann und es bleibt nur noch der Gang ins Pflege- oder Altersheim.

So ein Ende wünsche ich Niemanden. Dann doch lieber Zuhause im Sessel für immer einschlafen.

PS: Herr Schwarzberg. Es gibt viele ältere und vor allen Dingen sehr kranke Leute, welche gar nicht mehr in der Lage sind, Ihren Bewegungs- und Wandersport durchzuführen.

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23.10.2011, 12.00 Uhr
Wolfi65 | Nachtrag
Wer an der Uni von Exeter studiert, der muss sich wahrscheinlich den Salzstreuer von zu Hause mitbringen.:-) Ja, ich weiss, das war wieder kein Beitrag!
Schönen Sonntag noch...

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23.10.2011, 14.38 Uhr
->EchterNordhäuser<- | ÖKO-TEST? Nein Danke!
>ÖKO-TEST< und unabhängig?! Daran glauben auch nur Sie, sehr geehrter Herr Schwarzberg. Vielleicht sollten Sie Sich einmal etwas genauer mit >ÖKO-TEST< auseinandersetzen. Ich empfehle jedem sich selbst ein Urteil über >ÖKO-TEST< und deren Tests/Beurteilungen zu bilden.

Interessant wird das ganze gerade im Hinblick auf getestete Produkte und z.Bsp. deren Zuckeranteil. Achja und zum Schluss noch von deren Webseite: "Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass ÖKO-TEST Produkte und Dienstleistungen vor allem auf ihre Umweltverträglichkeit untersucht. "

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