Fr, 17:31 Uhr
05.09.2003
Der Steppenwolf im Stadtarchiv
Nordhausen (nnz). Seit kurzem ist das Stadtarchiv im Besitz von zwei Briefen sowie mehrerer gedruckter Texte mit eigenhändiger Widmung des bedeutenden Autors und Literatur-Nobelpreisträgers Hermann Hesse. Mehr über die seltenen Stücke des Steppenwolf-Autors in Ihrer nnz.
Wir haben diese Dokumente von Hilde Auth-Jerusalem erworben, die mit Hesse seit Ende der 40er Jahre im Briefwechsel stand, erklärte jetzt Stadtarchivar Dr. Peter Kuhlbrodt. Hilde Auth wurde am 27.1.1911 in Friedberg / Hessen geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie nach Nordhausen. Sie heiratete den Lehrer, Kunstmaler und Sammler Hermann Jerusalem. Als dieser Lehrer und Organist in Sophienhof im Harz wurde, folgte sie ihm in diesen einsamen Harzort. Neben der schulischen Arbeit widmeten sie sich künstlerischen Tätigkeiten. Hermann Jerusalem malte, beide waren schriftstellerisch tätig.
Hermann Jerusalem, wurde im 2. Weltkrieg als Soldat eingezogen. Er fiel bereits im November 1939, wurde aber zwei Jahre als vermisst gemeldet. Seine Frau hoffte, dass er noch lebte, und sie wollte an seiner Stelle die Schule in Sophienhof weiterführen. Sie ließ sich um 1941/42 in Würzburg als Lehrerin ausbilden und erreichte es bei Schulrat Dr. Paul Koch, dass sie in Sophienhof unterrichten durfte. Der Nordhäuser Schulrat soll ihren Unterricht bei Gelegenheit einer Hospitation sehr gelobt haben. Auch nach dem Krieg durfte sie zunächst in Sophienhof weiter unterrichten. Doch Konflikte zwischen den neuen Machthabern und der aus "bürgerlichem" Hause stammenden Lehrerin blieben nicht aus. Anfang der 50er Jahre wurde Hilde Auth-Jerusalem nach Nordhausen an die Diesterwegschule strafversetzt. In diese Zeit fällt ihre erste Briefbekanntschaft mit Hermann Hesse.
I
Ihre Schwierigkeiten und Differenzen mit der neuen Schulbehörde erreichten 1952 den Höhepunkt, als sie ihre Prüfung als Deutsch-Lehrerin nicht bestehen sollte und ihre Examensarbeit plötzlich verschwunden war. Sie wendet sich an Hermann Hesse, der ihr antwortet: "Aber ich bestätige Ihnen gerne, dass ich Ihre sprachliche Begabung sowohl aus Briefen wie aus dichterischen Manuskripten kennen und schätzen gelernt habe. Sie können wirklich Deutsch und haben wirklich ein echtes Gefühl für die Werte und Ausdrucksmöglichkeiten unserer Sprache. Und das ist selten."
1958 flüchtete Hilde Auth-Jerusalem in die Bundesrepublik. Hermann Hesse schreibt ihr im August 1958 in das Flüchtlingslager Homburg/Saar: "Sehr viele schon von meinen Lesern und Briefschreibern haben den Sprung nach dem Westen gewagt. Obwohl dieser Westen keine freundliche Oase sondern eine andre Art von Wüste ist, habe ich doch diesen Sprung in jedem Fall gebilligt und mich über ihn gefreut."
Beide Briefe von 1952 und 1958 befinden sich jetzt im Besitz des Stadtarchivs. Bis zu seinem Tode 1962 blieb Hilde Auth-Jerusalem mit Hermann Hesse in brieflicher Verbindung. Sie arbeitete in Saarbrücken als Deutsch-Lehrerin und sprach anlässlich mehrerer Ausstellungen von Aquarellen Hermann und Bruno Hesses einführende Worte, z.B. 1979 in Wiesbaden, 1981 in Alzey, 1975, 1978, 1980 und 1987 in Saarbrücken. Hilde Auth-Jerusalem stirbt am 4. Mai 1999.
Autor: nnz
Wir haben diese Dokumente von Hilde Auth-Jerusalem erworben, die mit Hesse seit Ende der 40er Jahre im Briefwechsel stand, erklärte jetzt Stadtarchivar Dr. Peter Kuhlbrodt. Hilde Auth wurde am 27.1.1911 in Friedberg / Hessen geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie nach Nordhausen. Sie heiratete den Lehrer, Kunstmaler und Sammler Hermann Jerusalem. Als dieser Lehrer und Organist in Sophienhof im Harz wurde, folgte sie ihm in diesen einsamen Harzort. Neben der schulischen Arbeit widmeten sie sich künstlerischen Tätigkeiten. Hermann Jerusalem malte, beide waren schriftstellerisch tätig. Hermann Jerusalem, wurde im 2. Weltkrieg als Soldat eingezogen. Er fiel bereits im November 1939, wurde aber zwei Jahre als vermisst gemeldet. Seine Frau hoffte, dass er noch lebte, und sie wollte an seiner Stelle die Schule in Sophienhof weiterführen. Sie ließ sich um 1941/42 in Würzburg als Lehrerin ausbilden und erreichte es bei Schulrat Dr. Paul Koch, dass sie in Sophienhof unterrichten durfte. Der Nordhäuser Schulrat soll ihren Unterricht bei Gelegenheit einer Hospitation sehr gelobt haben. Auch nach dem Krieg durfte sie zunächst in Sophienhof weiter unterrichten. Doch Konflikte zwischen den neuen Machthabern und der aus "bürgerlichem" Hause stammenden Lehrerin blieben nicht aus. Anfang der 50er Jahre wurde Hilde Auth-Jerusalem nach Nordhausen an die Diesterwegschule strafversetzt. In diese Zeit fällt ihre erste Briefbekanntschaft mit Hermann Hesse.
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Ihre Schwierigkeiten und Differenzen mit der neuen Schulbehörde erreichten 1952 den Höhepunkt, als sie ihre Prüfung als Deutsch-Lehrerin nicht bestehen sollte und ihre Examensarbeit plötzlich verschwunden war. Sie wendet sich an Hermann Hesse, der ihr antwortet: "Aber ich bestätige Ihnen gerne, dass ich Ihre sprachliche Begabung sowohl aus Briefen wie aus dichterischen Manuskripten kennen und schätzen gelernt habe. Sie können wirklich Deutsch und haben wirklich ein echtes Gefühl für die Werte und Ausdrucksmöglichkeiten unserer Sprache. Und das ist selten."1958 flüchtete Hilde Auth-Jerusalem in die Bundesrepublik. Hermann Hesse schreibt ihr im August 1958 in das Flüchtlingslager Homburg/Saar: "Sehr viele schon von meinen Lesern und Briefschreibern haben den Sprung nach dem Westen gewagt. Obwohl dieser Westen keine freundliche Oase sondern eine andre Art von Wüste ist, habe ich doch diesen Sprung in jedem Fall gebilligt und mich über ihn gefreut."
Beide Briefe von 1952 und 1958 befinden sich jetzt im Besitz des Stadtarchivs. Bis zu seinem Tode 1962 blieb Hilde Auth-Jerusalem mit Hermann Hesse in brieflicher Verbindung. Sie arbeitete in Saarbrücken als Deutsch-Lehrerin und sprach anlässlich mehrerer Ausstellungen von Aquarellen Hermann und Bruno Hesses einführende Worte, z.B. 1979 in Wiesbaden, 1981 in Alzey, 1975, 1978, 1980 und 1987 in Saarbrücken. Hilde Auth-Jerusalem stirbt am 4. Mai 1999.


