Fr, 07:30 Uhr
30.09.2011
Ameisen werden gezählt
An warmen Sommertagen krabbeln sie zu Tausenden im Wald entlang eigens angelegter Straßen auf der Suche nach Nahrung und Baumaterial umher. Die Rede ist von Waldameisen, deren Nester der aufmerksame Wanderer am Wegesrand leicht entdecken kann. Und die sollen jetzt gezählt werden...
Ameisenschützer Helmut Höner und Nationalpark-Zoologe Andreas Marten beim Vermessen eines Nestes der Kahlrückigen Waldameise im Nationalparkrevier Oderhaus; Foto: Gunnar Dachsel
Dabei können die Haufen der hügelbauenden Waldameisen beeindruckende Größen erreichen. Diese Nester, deren weitaus größerer Teil sogar noch unter der Erde liegt, beherbergen viele zigtausend Arbeiterinnen, die sich um das Wohlergehen des Ameisenstaates kümmern. Sie halten das Nest in Schuss, sorgen für das richtige Klima im Nestinneren, schaffen Nahrung für die Brut, die eierlegenden Königinnen und andere Arbeiterinnen heran und verteidigen das Nest verbissen und unter Einsatz von Ameisensäure gegen Eindringlinge jeglicher Art.
Waldameisen sind ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Wald und sind auf vielfältige Weise in diesem vernetzt. Sie erbeuten enorme Mengen an Insekten und anderen Tieren, fördern die Produktion von Honigtau durch Blatt- und Rindenläuse, tragen zur Verbreitung von Pflanzensamen bei, bieten in ihren Nestern anderen Insekten Lebensraum, sind selbst Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tiere, wie z.B. Spechte oder Auerhühner und tragen durch ihren Nestbau zur Bodenbildung bei.
Derzeit findet im Nationalpark Harz durch den Zoologen Andreas Marten eine Erfassung der hügelbauenden Waldameisen statt. Ziel ist es, einen ersten Gesamtüberblick über das Vorkommen und die Verteilung der Waldameisen im Nationalpark zu erhalten und damit eine Basis zu schaffen für die Beobachtung der weiteren Entwicklung gerade auch in Hinblick auf die Umwandlung der forstwirtschaftlich geprägten Wälder in Naturwälder.
Unterstützt wird Herr Marten bei seiner Arbeit neben Nationalparkmitarbeitern und Praktikanten auch durch Helmut Höner aus Gieboldehausen, einem seit vielen Jahren engagierten Ameisenheger der Ameisenschutzwarte Niedersachsen. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurden durch Herrn Höner im heutigen Nationalparkrevier Oderhaus einige Nester der Kahlrückigen Waldameise angesiedelt. Heute lassen sich in diesem Gebiet nahezu hundert Ameisenhügel zählen, was den Erfolg der damaligen Ansiedlung und die stete Hege durch Herrn Höner eindrucksvoll bestätigt.
Allerdings ist die weitere Entwicklung der Waldameisen im Nationalpark ungewiss, denn deren aktuelles Vorkommen beschränkt sich bisher weitgehend auf die Fichtenforste der mittleren Höhenlagen. Hier würde natürlicherweise vorwiegend Buchenwald wachsen, dessen Entwicklung durch gezielte Maßnahmen des Waldumbaus durch die Nationalparkverwaltung gefördert wird.
Während die Auflichtung dichter Fichtenforste für die sonnenhungrigen Waldameisen zunächst durchaus förderlich ist, könnte aufkommender Laubwald die Waldameisen zunehmend zurückdrängen. Zwar kommen hügelbauende Waldameisen auch in Laub- und Mischwäldern vor, finden hier aber meist weniger Material für den Nestbau und sind auf lichte Waldpartien mit ausreichender Besonnung angewiesen. Umso wichtiger ist es, Wälder zu etablieren, in denen die unterschiedlichen Phasen des Waldwachstums nebeneinander und miteinander verzahnt zu finden sind. In solchen strukturreichen, dynamischen Wäldern haben die hügelbauenden Waldameisen auch weiterhin ihren Platz im Nationalpark.
Autor: nnzAmeisenschützer Helmut Höner und Nationalpark-Zoologe Andreas Marten beim Vermessen eines Nestes der Kahlrückigen Waldameise im Nationalparkrevier Oderhaus; Foto: Gunnar Dachsel
Dabei können die Haufen der hügelbauenden Waldameisen beeindruckende Größen erreichen. Diese Nester, deren weitaus größerer Teil sogar noch unter der Erde liegt, beherbergen viele zigtausend Arbeiterinnen, die sich um das Wohlergehen des Ameisenstaates kümmern. Sie halten das Nest in Schuss, sorgen für das richtige Klima im Nestinneren, schaffen Nahrung für die Brut, die eierlegenden Königinnen und andere Arbeiterinnen heran und verteidigen das Nest verbissen und unter Einsatz von Ameisensäure gegen Eindringlinge jeglicher Art.
Waldameisen sind ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Wald und sind auf vielfältige Weise in diesem vernetzt. Sie erbeuten enorme Mengen an Insekten und anderen Tieren, fördern die Produktion von Honigtau durch Blatt- und Rindenläuse, tragen zur Verbreitung von Pflanzensamen bei, bieten in ihren Nestern anderen Insekten Lebensraum, sind selbst Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tiere, wie z.B. Spechte oder Auerhühner und tragen durch ihren Nestbau zur Bodenbildung bei.
Derzeit findet im Nationalpark Harz durch den Zoologen Andreas Marten eine Erfassung der hügelbauenden Waldameisen statt. Ziel ist es, einen ersten Gesamtüberblick über das Vorkommen und die Verteilung der Waldameisen im Nationalpark zu erhalten und damit eine Basis zu schaffen für die Beobachtung der weiteren Entwicklung gerade auch in Hinblick auf die Umwandlung der forstwirtschaftlich geprägten Wälder in Naturwälder.
Unterstützt wird Herr Marten bei seiner Arbeit neben Nationalparkmitarbeitern und Praktikanten auch durch Helmut Höner aus Gieboldehausen, einem seit vielen Jahren engagierten Ameisenheger der Ameisenschutzwarte Niedersachsen. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurden durch Herrn Höner im heutigen Nationalparkrevier Oderhaus einige Nester der Kahlrückigen Waldameise angesiedelt. Heute lassen sich in diesem Gebiet nahezu hundert Ameisenhügel zählen, was den Erfolg der damaligen Ansiedlung und die stete Hege durch Herrn Höner eindrucksvoll bestätigt.
Allerdings ist die weitere Entwicklung der Waldameisen im Nationalpark ungewiss, denn deren aktuelles Vorkommen beschränkt sich bisher weitgehend auf die Fichtenforste der mittleren Höhenlagen. Hier würde natürlicherweise vorwiegend Buchenwald wachsen, dessen Entwicklung durch gezielte Maßnahmen des Waldumbaus durch die Nationalparkverwaltung gefördert wird.
Während die Auflichtung dichter Fichtenforste für die sonnenhungrigen Waldameisen zunächst durchaus förderlich ist, könnte aufkommender Laubwald die Waldameisen zunehmend zurückdrängen. Zwar kommen hügelbauende Waldameisen auch in Laub- und Mischwäldern vor, finden hier aber meist weniger Material für den Nestbau und sind auf lichte Waldpartien mit ausreichender Besonnung angewiesen. Umso wichtiger ist es, Wälder zu etablieren, in denen die unterschiedlichen Phasen des Waldwachstums nebeneinander und miteinander verzahnt zu finden sind. In solchen strukturreichen, dynamischen Wäldern haben die hügelbauenden Waldameisen auch weiterhin ihren Platz im Nationalpark.


