Gauck im Geldhaus
Joachim Gauck las am Abend in der Kreissparkasse Nordhausen aus seinem Buch Winter im Sommer – Frühling im Herbst. Es war eine Bestandsaufahme seines Lebens und eines historischen Abschnitts der Deutschen...
Gauck in der Nordhäuser Kreissparkasse (Foto: privat)
Der politische und sehr persönliche Rückblick eines friedlichen Revolutionärs. Eine Schlüsselfigur der jüngsten deutschen Geschichte erinnert sich: In seinem Buch Winter im Sommer – Frühling im Herbst hat Gauck Erinnerungen aus seinem eigenen Leben aufgeschrieben. Beinahe scheint es so, als sei ihm das Bild, das die Öffentlichkeit von dem 70-Jährigen bisher hat, nicht genug.
Das jüngste Bild des Bundespräsidentschafts-Kandidaten ist ja gerade noch frisch, davor ist er eben hauptsächlich dafür bekannt, dass eine Behörde nach ihm benannt wurde, die sich mit der Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen der DDR beschäftigte. Und als evangelischer Pfarrer, der sich rund um die Wende im Jahr 1989 wortgewaltig ins Gespräch brachte. Deshalb macht Gauck den privaten Menschen im Buch öffentlich.
Er erzählte von seiner Kindheit in Wustrow in Mecklenburg. Sein Vater war Kriegsgefangener, arbeitete nach seiner Rückkehr als Arbeitsschutzinspektor für Schifffahrt auf einer Rostocker Werft. Joachim Gauck ist elf Jahre alt, als der Vater zu zweimal 25 Jahren Freiheitsentzug wegen angeblicher Spionage und antisowjetischer Hetze verurteilt und zum Holzfällen in ein sibirisches Arbeitslager geschickt wird – ohne dass die Familie erfährt, wo er ist.
Erst nach zweieinhalb Jahren gibt es erste Lebenszeichen, 1955 kommt der Vater heim, nachdem Bundeskanzler Konrad Adenauer diplomatische Beziehungen der Bundesrepublik mit der Sowjetunion aufgenommen und die Freilassung zahlreicher deutscher Kriegsgefangenen erreicht hat. Joachim Gauck prägen die Erfahrungen in der Jugend, er wächst mit einem gut begründeten Antikommunismus auf.
Die persönliche Geschichte schildert viel über deutsche Befindlichkeiten, aus West-Sicht einerseits kaum Nachvollziehbares wie das Verhalten des Vaters, der sich weigert, früh aus dem Osten Deutschlands nach Hamburg zu ziehen mit der Begründung Honecker kann ja ins Saarland gehen, wir bleiben. Aber auch sehr viel Berührendes wie den Schmerz, als er mit seiner Frau 1987 miterleben, dass ihre beiden Söhne aus der DDR ausreisen, um in der Bundesrepublik Karriere zu machen.
In ihrer Heimat hatten sie von Staats wegen noch nicht einmal die Oberschule besuchen und Abitur machen dürfen. Das Kapitel Bleiben oder Gehen sei ihm beim Schreiben emotional sehr schwer gefallen, da gab es Situationen als mehr Wasser auf dem Papier war als Buchstaben. Und das Wasser kam aus meinen Augen.
Die bekanntesten Stationen in der Stasiunterlagen-Behörde und als Pfarrer reißt Gauck in seiner Lesung vergleichsweise kurz an, erzählt mehr vom Leben in der DDR, der Freude über die Wiedervereinigung 1989 und die Zeit danach.
Autor: nnz
Kommentare
Retupmoc
27.09.2011, 10:57 Uhr
Geschichtsstunde
Wenn man das so liest wurde Herr Gauck verfolgt und drangsaliert. Nicht einmal die Oberschule durfte er besuchen, nur weil er nicht staatstreu war. Ja so war die DDR - wer nicht mit den Wölfen heulte wurde eiskalt abserviert.
Wieso wurde dann die glühende Kämpferin gegen den Sozialismus und die DDR-Staatsführung, Frau Angela Merkel, sogar zum Auslandsstudium und zu Westreisen zugelassen?
TeeEff
27.09.2011, 11:24 Uhr
Komisch...
hat er doch Theologie studiert und auch dafür war das Abitur, sprich der Besuch der Oberschule, notwendig...
TeeEff
27.09.2011, 11:33 Uhr
Andere Quellen...
sagen das Gaucks Vater war während der Zeit des Faschismus Marineoffizier, in britischer Kriegsgefangenschaft und später DDR-Schiffskapitän und Sicherheitsinspektor.
1951 wurde er von einem sowjetischen Gericht aufgrund gefundener Unterlagen und zahlreicher Zeugenaussagen verurteilt, weil er während der Zeit des Faschismus an der Erschießung politischer Gefangener teilgenommen hatte...
(Ein Überlebender hatte ihn bei seiner neuen Tätigkeit wiedererkannt, was dann zur Festnahme durch die sowjetischen Sicherheitskräfte führte)
jule julitschka
27.09.2011, 21:30 Uhr
Ich
frage mich ernsthaft TeeEff und rwe62 warum Ihr gestern nicht den Herrn Gauck selbst gefragt habt, ob denn das in seinem Buch oder das was Ihr da so aus Euren Quellen habt stimmt. Das wäre für mich Stärke und Ehrlichkeit und nicht so ein feiges Gesülze in Euren Kommentaren.
Aber man muss ja mindestens einmal in der Woche etwas gegen was auch immer hier loswerden. Schade, dass Ihr keine andere Möglichkeit habt Euch Erfolgserlebnisse zu verschaffen.
Hätte es nicht solche Leute wie Herrn Gauck gegeben würdet Ihr doch immer noch mit Block und Bleistift da sitzen und an eine nnz wäre nie zu denken gewesen. Denn Meinungsfreiheit gäbe es dann auch nicht.
Retupmoc
28.09.2011, 08:00 Uhr
Sorry liebe NNZ ( kein Chat ),
aber ich darf der Jule Julitschka bitte mal antworten?
1. Liebe Jule, machen Sie sich doch bitte einmal die Mühe und lesen Sie die Kommentare wenigstens, bevor Sie antworten. Wo bitte in meinem Kommentar habe ich etwas gegen Herrn Gauck gesagt? Ich habe lediglich in diesem Zusammenhang die Frage gestellt, wieso Frau Merkel als Gegnerin des Sozialismus studieren und reisen durfte. Selbst wenn ich Herrn Gauck dazu befragt hätte, der hätte keine konkrete Antwort dazu geben können.
2. Liebe Jule, gibt es noch Menschen die arbeiten gehen (ja auch um diese Zeit) oder einem Ehrenamt nachgehen, wie ich an diesem Tag. Das geht dann leider vor.
3. Liebe Jule, Herr Gauck war allerdings kaum derjenige, der die Grenzen geöffnet hat. Eher schon ich, denn ich habe shon beim Neuen Forum mitgemacht, als die Staatsmacht noch geballt vor der Frauenbergkirche stand. Haben Sie das auch?
h3631
28.09.2011, 14:46 Uhr
kein Chat,nur eine Feststellung
rwe62,lass doch mal die Hose runter und gib Deinen Klarnamen preis. Kann sein, dass ich und andere Dich kennen. Da fällt die Einordnung Deiner Kommentare leichter.
Bodo Schwarzberg
28.09.2011, 22:02 Uhr
zu Gauck: traurige Kommentare
Die bisherigen Kommentare ähneln sich alle: Sie beziehen sich alle auf winzige Details, die aber mit der Gesamtbedeutung von Gauck und der seines Engagements kaum etwas zu tun haben. Warum aber wird seine Anwesenheit in Nordhausen nicht genutzt, ihn und seinen Einsatz in einen größeren Zusammenhang zu stellen?
Wie ich schon oft schrieb: Es gibt nicht immer nur ein Ja ODER ein Nein zu einer Person oder einen Sachverhalt, oder ein Schwarz ODER ein Weiß. Es ist sehr einfach, eine Person bis ins Bodenlose zu kritisieren oder im Gegenteil sie in den Himmel empor zu heben. Zwischen diesen beiden Polen zu differenzieren, ist viel schwieriger, es käme aber der Realität bedeutend näher.
Vor allem aber finde ich es regelrecht feige, über einen Mann wie Gauck herzuziehen, der natürlich als Prominenter im Licht der Öffentlichkeit steht und alles ertragen muss, während die ihn zerfetzenden Kommentatoren nicht einmal bereit sind, ihr nnz-Pseudonym abzulegen. Das gilt vor allem für jene der Vorkommentatoren, die die freie Meinungsäußerung hier gelobt haben. So frei scheinen Sie sich ja nicht zu fühlen, wenn Sie glauben, sich verstecken zu müssen. Vor allem der letzte Kommentar vor meinem spricht da Bände!
Natürlich sind Leute wie Gauck umstritten. Das aber ist mit allen so, die sich in der Politik betätigen. Einerseits dürften sehr viele der anonymen Schreiber vor mir froh sein, dass solche Leute wie er eine Menge Nachteile für eine freiere Gesellschaft bereit waren in Kauf zunehmen. Etwas wie Sie , liebe Schreiber, zu kritisieren, ist leicht. Sich aber AKTIV unter der Inkaufnahme eventueller Nachteile gegen oder für etwas einzusetzen, wie Gauck das tat, das werden viele von Ihnen möglicherweise nicht getan haben oder nicht tun wollen.
Andererseits kritisiere ich an Gauck immer seine einseitige Verklärung der DDR als Unrechtsstaat, weil er damit alle 17 Mio. DDR-Bürger zu Menschen erklärt, denen am 9.11.89 erstmals ein Lächeln über die Lippen kam, die sich alle unfrei, unwohl und eingesperrt fühlten. Dies aber, sehr geehrter Herr Gauck, war mitnichten so.
Dieses Urteil kann ich nach 1.500 eigenen Interviews, die meisten davon mit Ossis, ruhigen Gewissens abgeben. Herr Gauck macht den Fehler, die eigene erlittene Verfolgung und jene seiner Familie, auf alle DDR-Bürger zu übertragen und seine eigene Bedeutung ein wenig zu überhöhen. Auch das ist übrigens eine oft zu beobachtende Folge all zu langen Prominententums.
Auch kommt einiges Unwissen in den Kommentaren zum Vorschein: Um Pfarrer zu werden, musste man in der DDR nicht unbedingt das Abitur an einer EOS machen. Dafür gab es andere Möglichkeiten über Einrichtungen der Kirche.
Zweitens: Dass Frau Merkel trotz DDR-Antipathie studieren durfte, ist doch nicht so ungewöhnlich? So weit mir bekannt ist, hat sie sich nicht aktiv gegen den Staat gewandt, sondern sie hat die üblichen Mitgliedschaften, z.B. in der FDJ akzeptiert und sich dort sogar engagiert.
Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die streng gläubig sind, und die auch ihre Kritik am System offen zum Ausdruck brachten. Nach der Erfahrung meiner Interviews für sieben Bücher ist es wohl so, dass die DDR-Behörden sehr wohl zwischen berechenbaren und unberechenbaren Kritikern (="gefährlichen" Gegnern) differenzierten. Wichtig war Glaubwürdigkeit und Transparenz der eigenen Meinung. Kritik war durchaus möglich und nicht zwangsläufig nachteilig, wenn der oder die Betreffende sich ansonsten in die Strukturen der Diktatur einpasste und sich "gesellschaftlich" einbrachte.
Ich selbst hatte zwar auch Probleme mit der Stasi wegen meines Engagements in der Umweltbewegung und habe mich trotz begonnener Promotion immer geweigert in die SED einzutreten. Meine Argumente in den genannten Bereichen wurden solange akzeptiert, wie ich nicht versuchte, aktiv etwas gegen die Strukturen zu unternehmen. Das aber tat ich zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Trotz mancher negativer Erfahrungen mit der DDR in der Folge, sehe ich sie differenziert und keinesfalls einseitig negativ oder positiv. Das wäre zu einfach und würde der Realität nicht gerecht werden.
Übrigens fordere ich Sie, liebe Vorkommentatoren auf, die von Gauck und anderen erkämpfte Freiheit nicht nur zum Lamentieren zu nutzen, sondern zu Aktivitäten, die verhindern, dass unser System diese Welt in den Abgrund führt.
Wir brauchen neue, zeitgemäße Gaucks. Denn die kleine DDR hatte beileibe nicht das zerstörerische Potential wie das unseelige Konglomerat aus Konzernen und Finanzoligarchen einerseits, Tausenden über die ganze Welt gut verteilten, korrupten Politikern sowie Millionen satten und schweigenden oder maximal jammernden Zeitgenossen in den reichen Ländern andererseits.
Harzer_Wolf
29.09.2011, 09:16 Uhr
Die letzten 6 Zeilen
Herr Schwarzberg, vollste Zustimmung meinerseits. Vor allem die letzten 6 Zeilen treffen den Nagel auf den Kopf. Warum fangen Sie nicht an, den "zeitgemäßen Gauck" zu geben. Sie hätten das Potential. Ich würde Sie sogar zum Bürgermeister wählen.
Und mit den Kommentaren haben Sie auch recht, vieles ist zu oberflächlig. Den Vogel schießt dabei @ h3631 ab. Wer fordert das andere den Klarnamen schreiben, sollte es schon einmal selber machen! Ich dachte immer, das die NNZ substanziell sinnlose Beiträge nicht veröffentlicht? Ich bin übrigens immer noch dafür, generell Beiträge nur unter Klarnamen zu veröffentlichen. Mal gespannt allerdings, wieviel Kommis dann noch drin stehen.
Herr Taft
29.09.2011, 12:04 Uhr
gestern und heute...die letzten sechs Zeilen
...ohne dass ich mich durch die ganzen Kommentare gekämpft hätte, bei der Veranstaltung war oder auch nur irgendein Interesse an dem ganzen Thema habe: Mir fallen nur immer wieder Kommentare auf, die das Gestern der DDR mit dem Heute in der Bundesrepublik vergleichen. Viel interessanter wäre es, die hypothetisch heute bestehende DDR mit der BRD zu vergleichen. Ich glaube dann fielen einige Kommentare etwas anders aus. Welche Möglichkeiten hätte die Stasi wohl heute mit all der vorhandenen Internet-Technologie... Ich will nicht daran denken, wie groß das Geschrei (hinter vorgehaltener Hand natürlich) der Kommentatoren wäre, wenn sie ihre Meinung nicht so frei sagen könnten wie sie es heute tun. Wie groß wäre das Gejammer, wenn wir nach einem Stück Butterersatz anstehen müssten (was wahrscheinlich ist, wenn man die negative Wachstumsrate der DDR bis heute extrapoliert). Alles Spekulation - aber denken Sie mal darüber nach, ob das heutige, wirklich nicht perfekte Leben mit all seinen Möglichkeiten nicht um ein Vielfaches lebenswerter ist, als jenes in der DDR.
Im Übrigen waren die Politiker der DDR die korruptesten überhaupt: Wer ein ganzes Volk mit Spielgeld bezahlt, um selbst von den erarbeiteten Devisen zu leben scießt in meinen Augen den Vogel ab...
Harzer_Wolf
29.09.2011, 13:58 Uhr
Gaucks Lehre
Ja, wenn man andauernd von den Medien und Diskussionen wie von und mit Herrn Gauck berieselt wird kann man schon mal die Welt (BRD) rosarot sehen wie @ Nussbaum.
Wenn die DDR so eine Tehnik gehabt hätte? Wenn der Hase nicht... aber der BND hat diese Technik und die setzt er auch ein.
Zugegeben der Produktemangel in der DDR war schon da. Heute früh wollte ich Winterreifen kaufen und in 3! Geschäften gab es für meinen PKW (normaler Kleinwagen) keine oder überteuerte Reifen. Knappheit oder falsche Wirtschaft?
Etwas später im Discounter der mit farbigen Prospekten für Dinge die es erst ab Donnerstag gibt wirbt. Das was ich kaufen wollte ist am Mittag schon alle. Verknappung?
Ob mein Leben lebenswerter ist? Ich (Ü50) muss immer in der Angst leben mal in ALG zu fallen. Ob ich in dem Alter noch ne Stelle bekomme? Kann ich mir dann noch die Butter für 1,50 leisten oder die Reisefreiheit. Oder werde ich bis zu Rente und dann auch am Existenzminimum leben? Solche Sorgen hatte ich früher nicht. Und meine Meinung habe ich auch immer gesagt.
Heute kann ich es auch nicht immer. Wollte am Freitag dem Papst meine Meinung auf dem Domplatz sagen, da durfte ich aber nicht hin. Meinungsfreiheit? Ja aber schön Scheibchenweise! Und bitte mal Schluß damit das die in Wandlitz in Saus und Braus gelebt haben.
Honi hatte kein Schloss wie Ackermann, Stoph keine Villa wie Lafontaine und Krenz keine brasilianischen Traumfrauen auf Kosten des Steuerzahlers. Die Relation sollte man schon beachten. Ulbricht ist sogar mit den normalen Werktätigen im Thüringer Wald! Ski gefahren.
Menschen wie Gauck mit ihrer vorgefassten, sturen Meinung sind die Ursacher dafür, das es nur schwarz oder weiss heisst. Es gibt nicht nur blühende Landschaften in der BRD. Fangen Sie an und schauen sie sich unsere Heimatstadt an: der Stadtführer wird die Steinstraße oder die Frauenbergschulruine nicht auf dem Stadtplan haben. Verständlich. Aber trotzdem sind diese da.
Herr Taft
29.09.2011, 14:42 Uhr
na dann mal los...
in der DDR gab es immer und für jeden Trabbi den passenden Winterreifen...*haumichwech*.
Der BND setzt die Technik ein, wendet sich aber bei Weitem nicht in dem Maße gegen die eigene Bevölkerung, wie die Stasi. Oder haben Sie schonmal gehört, dass Systemkritiker (wie Sie ?) lebenslang weggesperrt wurden ?
Das Lockangebote, wie die von Aldi, Lidl und Konsorten nicht für 80 Mio. deutsche Tütenträger reichen sollte sogar Ihnen klar sein.
Wenn Sie heute Ü50 sind, waren Sie zur Wendezeit Ü30, hatten ihre staatlich subventionierte Arbeitsstelle, vielleicht einen Trabbi und eine Neubauwohnung mit 40 qm (?), in der Sie die Geschnarche des zwei Stockwerke höher wohnenden Nachbarn ungefiltert hören konnten. (Das ist in etwa das, was Sie heute vom ALG finanziert bekommen - zusätzlich zum Computer, zum Fernseher, zur Heizung....)...Angst vor ALG hatten Sie nicht - wären Sie damals der DDR gegenüber derart kritisch gegenüber getreten, wie Sie es dem heutigen System gegenüber tun, hätten Sie sehr wohl Angst haben müssen...
Klar war das Leben in der DDR bequemer, es wurde Ihnen gesagt, was Sie sagen durften, solange Sie sich daran hielten konnten Sie tun und lassen was Sie wollten (übertrieben: auch während der Arbeitszeit...). Niemand engagierte sich ernsthaft außerhalb der betrieblich angeordneten Maßnahmen für irgendetwas, was mit der Gesellschaft zutun hatte - und warum ? Glauben Sie ernsthaft in der DDR konnte ein Brötchen für 5 Pfennige gebacken werden ? Auch Wirtschaft folgt Gesetzen - und diese kann man ideologisch nicht außer Kraft setzen.
Das Herr Ackermann in einer villa wohnt ist schlicht seinem Engagement geschuldet. Der Mann hat es eben besser als andere verstanden sein Können, sein Geschick und seine Begabungen einzusetzen. Vielleicht hat er das eine oder andere Mal auch einfach nur Glück gehabt. Er brauchte dazu keine Horden von "Horch- und Guck" - Soldaten, die heimlich in der Nachbarschaft lebten und sich notierten, welche Lampe gegenüber wann angeschaltet wurde....
Sie vergleichen hier Dinge, die nicht's aber auch garnichts mit einander zutun haben.
Was wollten sie denn dem Pabst sagen ? Wie fürchterlich Sie die Dogmen der Kirche finden ? Schon komisch - die Dogmen der DDR akzeptieren Sie. Hoffentlich haben Sie beim Skilaufen dem Walter ihre Liebe gestanden..., so in der Form:Ich liebe — Ich liebe doch alle — alle Menschen — Na ich liebe doch — Ich setzte mich doch dafür ein. *grins*
Harzer_Wolf
29.09.2011, 16:55 Uhr
Polemiker
Habe ich behauptet das es in der DDR Winterreifen gab? Ich wollte nur mal sagen, das auch hier nicht alles Gold ist was glänzt.
Das Systemkritiker in der DDR lebenslang weggesperrt wurden ist mir neu. Übrigens gibt es schon Unterschiede zwischen Kritikern und Gewalttätern. Das ist Ihnen sicher klar? Zum Beispiel Herr Gauck oder Frau Merkel haben doch das System kritisiert. Wurden die lebenslang weggesperrt? Das es falsche Gerichtsurteile gab, die durch nichts zu entschuldigen sind weiss doch jeder. In den USA wurde grad wieder ein Unschuldiger getötet, per Gerichtsurteil. Wie stehen Sie denn zu dieser Errungenschaft des Goldenen Westens?
Und falsch @ Nussbaum, ich habe in der DDR für mein Geld gearbeitet. Sogar im Einkauf eines großen Betriebes und kenne daher die Mangelwirtschaft. Man musste halt organisieren und improvisieren. Die Neubauwohnung war Altneubau und hatte 58 qm. Und einen Trabbi brauchte ich nicht. Die Arbeitsstelle war am Ort und durch den subventionierten Bus und Bahnverkehr war alles billig zu erreichen. So etwas nennt man heute Klimaschutz.
Niemand engagierte sich? Ich schon. Denn ich war seit 1980 ehrenamtlich tätig. Und ich kenne noch viele andere. Vom Fußballtrainer bis zur FFW. Unsinn was Sie da loslassen. Übrigens habe ich auch nicht die "Dogmen" der DDR akzeptiert, war zum Beispiel nicht in der Partei. Von untergeordnet kann keine Rede sein. Ich hab allerdings auch nicht Honecker raus gerufen. Das kann ich heute auch nicht machen ( also mit ausgetauschtem Namen ).
Und dem Papst wollte ichnur drauf hinweisen, das er mit seiner Politik " Kondome schützen nicht " Millionen Menschen in den Tod treibt. So als ein Argument.
Wir müssen die DDR nicht verherrlichen, und ja es gab eine ganze Reihe von Menschen, die anderen geschadet haben. Nur die Gauksche schwarz/weisss Malerei muss ic auch nicht haben. Der Mann sollte sich auch mal an die eigene Nase fassen.
Herr Taft
30.09.2011, 13:41 Uhr
Unrechtsstaat
Nur weil sich mancheiner mit dem beengten Leben arrangieren konnte, bedeutet das nicht, dass das Umfeld trotzdem unrecht war. Vergleichen Sie den DDR-Bürger mit einem unschuldig zu lebenslanger Haft Verurteilten. Dieser wird sich gezwungener Maßen an die Regeln im Knast anpassen und das Beste daraus machen. Nach ein paar Jahren nach seinem Wohlbefinden befragt wird er antworten, das das Essen schmeckt und die Bibliothek gut ist - dabei vergisst er, dass er außerhalb des Knastes nicht das essen müsste, was ihm vorgesetzt wird - sondern FREI wählen könnte, genauso wie er nicht auf die Auswahl der Knast-Bibliothek angewiesen wäre. Nach ein paar Jahren wird er begnadigt und stellt plötzlich fest, dass er ja Essen und Bücher selbst besorgen und bezahlen muss - er schimpft und will wieder zurück in den Knast...
Das ist keine Polemik, mein Lieber, dass ist Abstraktion. Eine Fähigkeit, die hilft die Dinge aus einer anderen Perspektive als jener der berühmten knieenden Ameise zu sehen...
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