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Sa, 08:52 Uhr
24.09.2011

Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (10)

Seit dem 16. Juli läuft im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Sonderausstellung, die 135 originale Kunstwerke von der Frühromantik über die Hochromantik bis zum Biedermeier zeigt. Um einer Vielzahl von Lesern Lust auf diese Bilderschau zu machen, wird es bis zu deren Ende am 2. Oktober in der nnz „Bilder-Briefe aus dem Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen“ geben...

Ernst Helbig (1802-1866)

Blick über die Johanneskirche in Wernigerode zum Schloß, um 1850
Öl/Lw., 33,5 x 41,5 cm
© Schloss Wernigerode GmbH


Bild (Foto: privat) Bild (Foto: privat)

Ernst Carl Ludwig Helbig wurde am 10. Februar 1802 in Stolberg/Südharz geboren. Sein Vater war Hofgärtner. Heute nennt sich der Ort Fachwerkstadt, Historische Europastadt und Thomas-Müntzer-Stadt. Wegen seiner Form wurde das idyllisch gelegene Städtchen von Martin Luther mit einem fliegenden Vogel verglichen.

Das imposante Schloss der Grafen von Stolberg wurde 2002 durch Vermittlung des Landes Sachsen-Anhalt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Bonn übernommen und wird in einem Modellfall schrittweise saniert und ist in Teilen schon zu besichtigen.

Die Eindrücke der Harzlandschaft prägten sich dem Heranwachsenden Ernst fest ein. Als er seine mehrjährige Kunstausbildung in Dresden beendet hatte, kam Helbig in den Harz zurück, fand dort seine Motive. Allerdings siedelte er sich nicht im Südharz an, sondern auf der nördlichen Gegenseite. Halberstadt, Wernigerode, Nöschenrode waren seine Wohnorte. Er fühlte sich als Maler der Landschaft, die Menschendarstellung war ihm kaum Bedürfnis.

Der Titel des Kataloges zur Ausstellung anlässlich seines 200. Geburtstages in Wernigerode 2002, „Ernst Helbig - Spuren eines Malers“, weist darauf hin, dass es über das Leben und Schaffen zwar einzelne Hinweise gibt, aber Schwierigkeiten bestehen, den Lebensweg im Detail zu erforschen und das Werk zu überschauen. Die bisher unveröffentlichten Briefe Ernst Helbigs an den Grafen Henrich zu Stolberg-Wernigerode und weitere aufgefundene Dokumente zu seiner Biographie wurden zum ersten Mal publiziert, genauso zahlreiche Gemälde erstmals abgebildet.

Was weiß man über ihn? Nach der Schulzeit erlernte der Heranwachsende wahrscheinlich im nahegelegenen Rottleberode den Beruf eines Kunstgärtners. Man geht davon aus, dass Helbig 1823/24 nach Dresden ging. Carl August Richter, Vater von Ludwig Richter, der an der Königlichen Dresdner Akademie das Landschaftsfach unterrichtete, wurde auf ihn auf-merksam, da er sich als Autodidakt eifrig im Zeichnen übte. Im Januar 1825 trat Helbig offiziell in die Kunstakademie im Fach Landschaftsunterricht ein.

Der Studierende nutzte vor allem auch die Möglichkeit, im Atelier bei Professor Johan Christian Dahl Unterricht zu nehmen. Der aus Norwegen stammende Maler unterschied sich in seiner Lehrtätigkeit von den meisten anderen in Dresden Lehrenden. Für ihn war das Kopieren nur in der Anfangsphase nützlich. Der Studierende musste die Möglichkeit haben, eigene Erfahrungen zu sammeln. Er sollte nicht Jünger einer Schule, sondern Jünger der Natur werden. Er widmete sich möglichst jedem individuell und gab die Gelegenheit, sich im Freien auszuprobieren. Dahl wohnte im selben Haus wie Caspar David Friedrich. So ist klar, dass auch dieser Einfluss auf Helbigs Malerei nahm.

Wahrscheinlich 1830 ging dieser in den Harz zurück. Es gibt ein Bild aus dem Ilsetal mit dieser Jahreszahl und einen Eintrag ins Brockenbuch vom 3. Oktober des Jahres.

Nun ging es für ihn darum, als Künstler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber er blieb ohne feste Anstellung. In der Zeit bis 1834 entstanden Gemälde und Lithographien der Orte Halberstadt, Ilsenburg, Wernigerode und Quedlinburg sowie deren Umgebung. Seine 1832 geschaffenen Gemälde „Klusfelsen bei Halberstadt“ und „Ilsenburg im Gewitter“ stellen des Malers intensive Beziehung zur Natur dar. Die nächsten Wohnorte Helbigs wurden Wernigerode und das unmittelbar benachbarte Nöschenrode. Dort wohnte er fast zwanzig Jahre in der Schönen Ecke 33, später 34. Es entstanden hier über 50 Gemälde. Die Ernst-Helbig-Brücke weist auf den Künstler hin.

Immer wieder musste er sich an den regierenden Grafen Henrich zu Stolberg-Wernigerode mit Bitten um Unterstützung wenden, wie es 14 überlieferte Briefe dokumentieren.

Sein Ölgemälde „Blick über die Johanneskirche in Wernigerode zum Schloß“, um 1850 entstanden, zeigt seine Sehnsucht nach Harmonie und sein Einigsein mit dem Landschaftlichen.

Er entwickelte in seinen Bildern ein feines Empfinden für das Atmosphärische, versenkte sich in die Natur und hatte in ihr, frei nach Joseph von Eichendorff, andächtige Aufenthalte, die sich in seinen besten Bildern widerspiegeln.

1856 erkrankte der Künstler schwer. Beginnende und fortschreitende Gliederlähmung und ein zunehmendes Augenleiden erschwerten sein künstlerisches Tun. Trotzdem oder gerade deswegen entstand 1859 das beeindruckende Gemälde „Kreuz in romantischer Landschaft“. Das Werk wirkt wie eine Hommage an Caspar David Friedrich, der, als Helbig das Bild malte, bereits vergessen war.

Auch an seinen Geburtsort erinnert eines der letzten Gemälde. „Schloß Stolberg im Mondschein“, 1861 gemalt. Im Südharz hielt sich Helbig gleichfalls auf. Er malte die Kirche von Rothesütte zweimal, er malte in Ellrich und Umgebung.

Die schwere Erkrankung war dann im gleichen Jahr die Ursache für seine Aufnahme in das Johanniter-Siechenhaus in Mansfeld, wo er 1866, gleichfalls bereits vergessen, starb.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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