Do, 12:35 Uhr
22.09.2011
Im Dialog mit Hermann Hesse
Am 24. September 2011 findet in der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode ab 14.30 Uhr die Veranstaltung Im Dialog mit Hermann Hesse statt. Hesse, einer der bekanntesten deutschsprachigen Autoren, steht im Mittelpunkt dieses Nachmittags.
Vorbemerkung: Am 14. Januar 2012 jährt sich zum 100. Male der Geburtstag des Schriftstellers und Dichters aus Nordhausen am Harz, Rudolf Hagelstange. Aus diesem Anlass erscheint ein Lesebuch mit einer repräsentativen Auswahl seiner Texte. Im Kunsthaus Meyenburg wird ihm zur Ehre Anfang Januar nächsten Jahres eine Ausstellung gestaltet.
Schüler und Schülerinnen der Staatlichen Regelschule Hainleite in Wolkramshausen sind mit ihm im Dialog, indem sie, ausgehend von seinen Gedichten, neue Texte entwickelten und diese in Beziehung zu ihnen setzen. Daraus entstand eine theatrale Lesung.
Aus Anlass dieser Darbietung in Limlingerode werden hier Auszüge aus einem Essay Hagelstanges über Hesse zitiert, das am Sonntag, 30. Juni 1957, in Der Tagesspiegel erschien.
Der Glasperlenspieler von Montagnola – Hermann Hesse zum achtzigsten Geburtstag am 2. Juli / von Rudolf Hagelstange
Der alte Steppenwolf wird achtzig Jahre und wenn er auch in vielen Masken und Verkleidungen unser Jahrhundert durchstreift hat und seit bald vier Jahrzehnten in Montagnola, oberhalb des Luganer Sees, eine schöne Höhle bezogen hat, so wird er für viele Leser am fasslichsten und lebendigsten in der Gestalt des angeblichen Untermieters Harry Haller gegenwärtig sein, der sich selbst einen Steppenwolf nannte ....Dieser Steppenwolf ist nur eine der zahlreichen Selbstdarstellungen, zu denen sich dieser Dichter so unablässig aufgefordert sah, so dass man der Versuchung nachgeben könnte, sein ganzes Werk als einen riesigen Entwicklungsroman anzusehen ...
Etwas von jenem uralten Gerichtstag halten über sich selbst geht durch alle seine Bücher, das auf Entwicklung, Reinigung, Wiedergeburt aus ist ... Hermann Hesse ... entdeckt sich als unser Bruder und Mitbetroffener in der Krankheit, im Wahnsinn, in der Verwirrung, im Traum. Bei Hesse wird nicht vorgelebt, sondern mitgelitten. Wenn Erziehung scheitert, so muss Selbsterziehung an ihre Stelle treten ...
Der junge Hesse ist Romantiker von Geblüt. Er schreibt ‚Romantische Lieder’, als hätte es nie ein Ende der Romantik gegeben.. Noch einmal klingt Harfenton auf, Eichendorffsche Brunnen rauschen im Schwäbischen, Novalis und Mörike blicken über die Schulter. Aber zugleich gewinnt Goethe Gewalt über ihn. Er entdeckt den großen Jean Paul und die Kritik am romantischen, allzu romantischen Selbstgenügen setzt ein. Selbstironie meldet sich ...
Was noch an ‚Romantik’ bleibt, ist unabdingbarer Bestandteil Hesseschen Wesens, ein Zug von Märchenhaftigkeit und Phantastik, der sich wunderlich genug ausnimmt in dieser zerfleischenden Selbstdarstellung, die wie ein Naturgesetz ihr Recht fordert ... Zwischen den Polen schmerzhaftester Wirklichkeit einerseits und sinnbeglückender Traumhaftigkeit andererseits ist das Seil gespannt, auf dem dieser Mann Hölle und Himmel durchwandert ...
Wenn Hesse von Frauen, vom Eros berichtet, beginn es zu duften und zu sprühen. Da streiten noch Sein und Nichtsein miteinander, und den Rang, den die Geliebte einnimmt, zeichnet zugleich den Liebenden aus ...
Man soll ihm die Steintafel an seinem Hause ‚Bitte keine Besuche’ nicht verübeln. Er ist ein Steppenwolf von Natur und Geist ... Er hat uns manches verübelt, was wir uns selbst lange nicht genug übel nahmen. Wir haben mit Wölfen geheult, die wir hätten zerreißen sollen. Es wäre uns allen besser bekommen, hätten wir mit dem Steppenwolf geheult.
Autor: nnzVorbemerkung: Am 14. Januar 2012 jährt sich zum 100. Male der Geburtstag des Schriftstellers und Dichters aus Nordhausen am Harz, Rudolf Hagelstange. Aus diesem Anlass erscheint ein Lesebuch mit einer repräsentativen Auswahl seiner Texte. Im Kunsthaus Meyenburg wird ihm zur Ehre Anfang Januar nächsten Jahres eine Ausstellung gestaltet.
Schüler und Schülerinnen der Staatlichen Regelschule Hainleite in Wolkramshausen sind mit ihm im Dialog, indem sie, ausgehend von seinen Gedichten, neue Texte entwickelten und diese in Beziehung zu ihnen setzen. Daraus entstand eine theatrale Lesung.
Aus Anlass dieser Darbietung in Limlingerode werden hier Auszüge aus einem Essay Hagelstanges über Hesse zitiert, das am Sonntag, 30. Juni 1957, in Der Tagesspiegel erschien.
Der Glasperlenspieler von Montagnola – Hermann Hesse zum achtzigsten Geburtstag am 2. Juli / von Rudolf Hagelstange
Der alte Steppenwolf wird achtzig Jahre und wenn er auch in vielen Masken und Verkleidungen unser Jahrhundert durchstreift hat und seit bald vier Jahrzehnten in Montagnola, oberhalb des Luganer Sees, eine schöne Höhle bezogen hat, so wird er für viele Leser am fasslichsten und lebendigsten in der Gestalt des angeblichen Untermieters Harry Haller gegenwärtig sein, der sich selbst einen Steppenwolf nannte ....Dieser Steppenwolf ist nur eine der zahlreichen Selbstdarstellungen, zu denen sich dieser Dichter so unablässig aufgefordert sah, so dass man der Versuchung nachgeben könnte, sein ganzes Werk als einen riesigen Entwicklungsroman anzusehen ...
Etwas von jenem uralten Gerichtstag halten über sich selbst geht durch alle seine Bücher, das auf Entwicklung, Reinigung, Wiedergeburt aus ist ... Hermann Hesse ... entdeckt sich als unser Bruder und Mitbetroffener in der Krankheit, im Wahnsinn, in der Verwirrung, im Traum. Bei Hesse wird nicht vorgelebt, sondern mitgelitten. Wenn Erziehung scheitert, so muss Selbsterziehung an ihre Stelle treten ...
Der junge Hesse ist Romantiker von Geblüt. Er schreibt ‚Romantische Lieder’, als hätte es nie ein Ende der Romantik gegeben.. Noch einmal klingt Harfenton auf, Eichendorffsche Brunnen rauschen im Schwäbischen, Novalis und Mörike blicken über die Schulter. Aber zugleich gewinnt Goethe Gewalt über ihn. Er entdeckt den großen Jean Paul und die Kritik am romantischen, allzu romantischen Selbstgenügen setzt ein. Selbstironie meldet sich ...
Was noch an ‚Romantik’ bleibt, ist unabdingbarer Bestandteil Hesseschen Wesens, ein Zug von Märchenhaftigkeit und Phantastik, der sich wunderlich genug ausnimmt in dieser zerfleischenden Selbstdarstellung, die wie ein Naturgesetz ihr Recht fordert ... Zwischen den Polen schmerzhaftester Wirklichkeit einerseits und sinnbeglückender Traumhaftigkeit andererseits ist das Seil gespannt, auf dem dieser Mann Hölle und Himmel durchwandert ...
Wenn Hesse von Frauen, vom Eros berichtet, beginn es zu duften und zu sprühen. Da streiten noch Sein und Nichtsein miteinander, und den Rang, den die Geliebte einnimmt, zeichnet zugleich den Liebenden aus ...
Man soll ihm die Steintafel an seinem Hause ‚Bitte keine Besuche’ nicht verübeln. Er ist ein Steppenwolf von Natur und Geist ... Er hat uns manches verübelt, was wir uns selbst lange nicht genug übel nahmen. Wir haben mit Wölfen geheult, die wir hätten zerreißen sollen. Es wäre uns allen besser bekommen, hätten wir mit dem Steppenwolf geheult.

