Do, 08:46 Uhr
22.09.2011
Enziane – Edelsteine des Herbstes (3)
Der Fransen-Enzian ist der häufigste einheimische Enzian. Im Unterschied zu allen anderen Arten der beiden Enzian-Gattungen Gentianella und Gentiana zeigt er im Gebiet um Nordhausen auch die Tendenz, sich auf anthropogen relativ stark überformten Standorten, insbesondere in ehemaligen Gipssteinbrüchen anzusiedeln.
Standort:
Laut Flora von Thüringen besiedelt der Fransen-Enzian lückige Kalk-Halbtrockenrasen, trockene Wiesen, Säume von Trockenwäldern und Gebüschen, und wie schon geschrieben, Steinbrüche sowie Gruben. Er zeigt nährstoffarme, extensiv beweidete Standorte an und ist eine Charakterart des so genannten Enzian-Schillergrasrasens.
Verbreitung:
Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Süd- und Mitteleuropa vom nördlichen Mittelmeergebiet bis etwa Südskandinavien. Andere Quellen (siehe wikipedia) sprechen auch von Vorkommen in Vorderasien und im Kaukasus. Laut flora.web.de liegt Deutschland im Hauptareal, also im Zentrum seines Verbreitungsgebietes, das eher durch ein gemäßigtes, jahreszeitlich ausgeglichenes, vom Einfluss des Atlantiks geprägtes Klima gekennzeichnet ist.
Vorkommen im Landkreis Nordhausen:
Laut Vocke & Angelrodt (1886): Kalkberge, nicht selten.-Kohnstein, Ellrich, Walkenried, Sachsenstein, Steigerthaler Höhen, Numburg, Badra, Frankenhausen, Sondershausen, Großfurra, Bleicherode. Für das Gebiet des Kyffhäusers geben Barthel & Pusch (1999) zahlreiche Fundorte an, so z.B. Ochsenburg, Falkenburg-Plateau, Badraer Lehde, Schlachtberg (Auswahl). Auch für die Umgebung des Kyffhäusers wird er von vielen Orten angegeben.
Im Gebiet ist er nicht selten gemeinsam mit dem bereits beschriebenen, aber selteneren Deutschen Enzian (Gentianella germanica) anzutreffen, erträgt aber im Gegensatz zu letzterem etwas mehr Trockenheit.
Gefährdung:
Laut floraweb.de ist Gentianella ciliata zentraleuropaweit ungefährdet. In Deutschland ist er für zehn Bundesländer nachgwiesen, in Thüringen, im Saarland und in Bayern ist er ungefährdet, steht jedoch laut Flora Thüringen in diesem Bundesland in der Vorwarnstufe. Deutschlandweit gilt er als gefährdet (Rote Liste 3). Laut Bundesartenschutzverordnung genießt der Fransen-Enzian, wie alle Enzianarten gesetzlichen Schutz, was bedeutet, dass er weder ausgegraben, gepflückt bzw. beschädigt werden darf.
Im Gebiet um Nordhausen kommt er noch relativ verbreitet vor, wenngleich ein schleichender Rückgang durch die folgenden Ursachen beobachtet werden kann.
Gefährdungsursachen:
Wie alle nährstoffarme Standorte bevorzugenden Arten besteht eine Gefährdung von Gentianella ciliata durch Eutrophierung (Nährstoffeinträge) infolge Düngung, Verwehung von Dünger aus benachbarten Feldern, Stickoxide durch Emissionen. Weiterhin wird er durch intensive Beweidung und Verbuschung seiner Standorte infolge Nutzungsaufgabe oder Aufforstung bedroht und ebenso durch das Aufhören kleinflächiger Bodenverwundungen.
Maßnahmen:
Alle Maßnahmen, die einer Intensivierung, Nutzungsaufgabe und Verbuschung entgegenwirken, tragen zur Erhaltung des Fransen-Enzians bei. Einige Landwirte in der Region sorgen z.B. im NSG Rüdigsdorfer Schweiz durch die Fortführung der jahrhundertealten extensiven Beweidung für die Erhaltung seiner Standorte und damit für jene zahlreicher anderer bedrohter Arten. Die BUND-Kreisgruppe Nordhausen führt ehrenamtlich ebenfalls Pflegemaßnahmen durch, die auch dieser Art zugute kommen.
Wir sollten alles dafür tun, damit sich auch noch spätere Generationen an diesen Kleinoden unserer schönen Südharzlandschaft erfreuen können.
Fotos:
Die Fotos vom Fransen-Enzian entstammen alle vom Autor des Beitrages ganz aktuell aus der nächsten Umgebung von Nordhausen. Ein Bild zeigt einen typischen Standort.
Als vierte Enzianart des Gebietes um Nordhausen und den Kyffhäuser werde ich Ihnen im nächsten Beitrag den Bitteren Enzian Gentianella amarella vorstellen, der in allen vier Bundesländern, in denen er vorkommt, vom Aussterben bedroht ist.
Literatur:
Barthel, K.-J. Pusch, J.:Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung (1999).
Zündorf, H.J., Günther, K.-F., Korsch, H., Westhus, W.: Flora von Thüringen. (2006).
Vocke, A., Angelrodt, C.: Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend. (1886).
Außerdem: www.floraweb.de und wikipedia
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzDer Fransen-Enzian (Gentianella ciliata)
Merkmale: Unverwechselbar ist er durch seine vier blass- bis tiefblauen mit mehreren Zentimetern relativ langen Kronenblättern, deren unterer Rand die namensgebenden langen Fransen aufweisen. Die ein- bis mehrjährige Art weist im Gegensatz zu den anderen einheimischen Enzianarten relativ schmale, einnervige Blätter auf. Sein dünner Stängel liegt oft oder ist aufsteigend. Nur selten verzweigt er sich. Die Zahl der Blüten, die er trägt, ist ebenfalls eher niedrig, meist sind es nur eine und nach meiner Beobachtung kaum mehr als drei bis fünf.Standort:
Laut Flora von Thüringen besiedelt der Fransen-Enzian lückige Kalk-Halbtrockenrasen, trockene Wiesen, Säume von Trockenwäldern und Gebüschen, und wie schon geschrieben, Steinbrüche sowie Gruben. Er zeigt nährstoffarme, extensiv beweidete Standorte an und ist eine Charakterart des so genannten Enzian-Schillergrasrasens.
Verbreitung:
Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Süd- und Mitteleuropa vom nördlichen Mittelmeergebiet bis etwa Südskandinavien. Andere Quellen (siehe wikipedia) sprechen auch von Vorkommen in Vorderasien und im Kaukasus. Laut flora.web.de liegt Deutschland im Hauptareal, also im Zentrum seines Verbreitungsgebietes, das eher durch ein gemäßigtes, jahreszeitlich ausgeglichenes, vom Einfluss des Atlantiks geprägtes Klima gekennzeichnet ist.
Vorkommen im Landkreis Nordhausen:
Laut Vocke & Angelrodt (1886): Kalkberge, nicht selten.-Kohnstein, Ellrich, Walkenried, Sachsenstein, Steigerthaler Höhen, Numburg, Badra, Frankenhausen, Sondershausen, Großfurra, Bleicherode. Für das Gebiet des Kyffhäusers geben Barthel & Pusch (1999) zahlreiche Fundorte an, so z.B. Ochsenburg, Falkenburg-Plateau, Badraer Lehde, Schlachtberg (Auswahl). Auch für die Umgebung des Kyffhäusers wird er von vielen Orten angegeben.
Im Gebiet ist er nicht selten gemeinsam mit dem bereits beschriebenen, aber selteneren Deutschen Enzian (Gentianella germanica) anzutreffen, erträgt aber im Gegensatz zu letzterem etwas mehr Trockenheit.
Gefährdung:
Laut floraweb.de ist Gentianella ciliata zentraleuropaweit ungefährdet. In Deutschland ist er für zehn Bundesländer nachgwiesen, in Thüringen, im Saarland und in Bayern ist er ungefährdet, steht jedoch laut Flora Thüringen in diesem Bundesland in der Vorwarnstufe. Deutschlandweit gilt er als gefährdet (Rote Liste 3). Laut Bundesartenschutzverordnung genießt der Fransen-Enzian, wie alle Enzianarten gesetzlichen Schutz, was bedeutet, dass er weder ausgegraben, gepflückt bzw. beschädigt werden darf.
Im Gebiet um Nordhausen kommt er noch relativ verbreitet vor, wenngleich ein schleichender Rückgang durch die folgenden Ursachen beobachtet werden kann.
Gefährdungsursachen:
Wie alle nährstoffarme Standorte bevorzugenden Arten besteht eine Gefährdung von Gentianella ciliata durch Eutrophierung (Nährstoffeinträge) infolge Düngung, Verwehung von Dünger aus benachbarten Feldern, Stickoxide durch Emissionen. Weiterhin wird er durch intensive Beweidung und Verbuschung seiner Standorte infolge Nutzungsaufgabe oder Aufforstung bedroht und ebenso durch das Aufhören kleinflächiger Bodenverwundungen.
Maßnahmen:
Alle Maßnahmen, die einer Intensivierung, Nutzungsaufgabe und Verbuschung entgegenwirken, tragen zur Erhaltung des Fransen-Enzians bei. Einige Landwirte in der Region sorgen z.B. im NSG Rüdigsdorfer Schweiz durch die Fortführung der jahrhundertealten extensiven Beweidung für die Erhaltung seiner Standorte und damit für jene zahlreicher anderer bedrohter Arten. Die BUND-Kreisgruppe Nordhausen führt ehrenamtlich ebenfalls Pflegemaßnahmen durch, die auch dieser Art zugute kommen.
Wir sollten alles dafür tun, damit sich auch noch spätere Generationen an diesen Kleinoden unserer schönen Südharzlandschaft erfreuen können.
Fotos:
Die Fotos vom Fransen-Enzian entstammen alle vom Autor des Beitrages ganz aktuell aus der nächsten Umgebung von Nordhausen. Ein Bild zeigt einen typischen Standort.
Als vierte Enzianart des Gebietes um Nordhausen und den Kyffhäuser werde ich Ihnen im nächsten Beitrag den Bitteren Enzian Gentianella amarella vorstellen, der in allen vier Bundesländern, in denen er vorkommt, vom Aussterben bedroht ist.
Literatur:
Barthel, K.-J. Pusch, J.:Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung (1999).
Zündorf, H.J., Günther, K.-F., Korsch, H., Westhus, W.: Flora von Thüringen. (2006).
Vocke, A., Angelrodt, C.: Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend. (1886).
Außerdem: www.floraweb.de und wikipedia
Bodo Schwarzberg





