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Probleme mit dem Dachsberg

Montag, 20. Februar 2006, 07:36 Uhr
Nordhausen/Bleicherode (nnz). Vor einigen Jahren hatte die nnz bereits mehrfach über die ehemalige Bleicheröder Deponie Dachsberg berichtet. Die Probleme der einstigen Sanierung sind geblieben, nicht nur wegen der Kosten für die Entsorgung des Sickerwassers.


Die Abfuhr des schadstoffbelasteten Sickerwassers ist im vergangenen Jahr neu ausgeschrieben worden. Die Kosten hatte dazu bislang der Landkreis Nordhausen getragen. Eine stolze fünfstellige Summe soll es bis dato pro Jahr gewesen sein für diese so genannte Ersatzvornahme. Eigentlich müsste diese Kosten die Stadt Bleicherode tragen, doch die sah sich außerstande und so wurde denn auch geklagt. Nach nnz-Informationen soll der Landkreis das Verfahren gewonnen haben und könnte sich das bis dahin verauslagte Geld wieder zurückholen.

Das zu entsorgende Sickerwasser mit einem äußerst saueren ph-Wert von weniger als 2 ist das Produkt einer – salopp formuliert – sorglosen Sanierung der alten Deponie. Anfang der 90er Jahre wurden im Landkreis Nordhausen viele Deponien saniert, darunter auch die in Bleicherode, Haferungen und Rehungen. Auf die wurde das Wundermittel „Gereka 1“ gebracht. In Bleicherode, so schätzen Experten, ist die Granulatschicht bis zu vier Meter hoch. Bei dem „Gereka-Geschäft“ mit dabei war auch die in Liquidation befindliche Entwicklungsgesellschaft des Landkreises Nordhausen (EGN). So lange die nicht vollständig von der wirtschaftlichen Bildfläche verschwunden ist, kann sie haftbar gemacht werden. Und mit ihr der Landkreis Nordhausen als alleiniger Gesellschafter.

„Aus der mangelhaft aufgebauten Abdeckung der Deponie Dachsberg fallen mit schwer abbaubaren Stoffen hoch belastete Sickerwässer ... an. Die Frage der zivilrechtlichen Verantwortung für die festgestellten baulichen Mängel ist Gegenstand eines laufenden Rechtsstreites zwischen dem Bauherrn und einem ausführenden Unternehmen“, schreibt das Staatliche Umweltamt in Sondershausen in einer Stellungnahme der nnz. Deren Behördenchef Ulrich Bräuning teilt aber auch mit, dass die damalige Sanierungsanordnung vom Thüringer Landesverwaltungsamt, Außenstelle Nord, dem „Vorläufer“ des Staatlichen Umweltamtes erlassen wurde. Damit ist die Sondershäuser Behörde nicht aus dem Schneider, denn sie hatte angeblich allen Sanierungsschritten zugestimmt.

EGN und Gereka, die für die Sanierung des Dachsberges eine ARGE gebildet hatten, die haben schon von jeher jegliche Verantwortung für die Schlamperei auf dem Dachsberg abgelehnt. Jetzt müssen andere den Schaden beheben. Eine Möglichkeit wäre die Abtragung des jetzigen Substrates. Das aber würde neben der Neuherstellung der Oberflächenabdeckung nur eine denkbare Lösungsoption darstellen, schreibt das Umweltamt weiter. Gleichzeitig sollten kostengünstigere, aber jedoch auch zweckdienliche Alternativen in Betracht gezogen werden, wie zum Beispiel eine Reparatur der Abdeckung, einschließlich der Verringerung der anfallenden Sickerwässer. Deren ph-Wert könnte dann im verträglicheren Bereich liegen, so dass eine Entsorgung in einer regionalen Behandlungsanlage vorgenommen werden könnte.

Die Neuherstellung der Oberflächenabdeckung könnte sehr teuer werden, eine Höhe der Kosten will das Umweltamt nicht nennen. Derweil kursieren aber schon Summen, mit denen sich der Landkreis Nordhausen als EGN-Gesellschafter schon mal beschäftigen könnte. Experten rechnen mit einem Betrag im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Weitere Informationen zur Dachsberg-Geschichte in der nnz:
Dachsberg 1; Dachsberg 2; Dachsberg 3.
Autor: nnz

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