So, 00:31 Uhr
03.08.2003
Packender Pokalkrimi
Nordhausen (nnz). In der 1. Hauptrunde des Thüringer ODDSET-Landespokals empfing gestern Wacker 90 Nordhause im Albert-Kuntz-Sportpark den Ex-Oberligisten Wacker 03 Gotha. Packende Zweikämpfe, viele Tore und Spannung pur ließen die Partie zu einem echten Pokalkrimi werden. Ein Bericht von nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg.Es herrschte ungewohntes Schweigen im weiten Rund des Stadions. Vergeblich warteten die Zuschauer - darunter auch SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker und Michael John vom Hauptsponsor Nordbrand Nordhausen - auf die Mannschaftsaufstellungen durch den Stadionsprecher. Vandalen hatten in der Nacht von 20. zum 21. Juli 2003 in blinder Zerstörungswut die Lautsprecheranlage so gründlich demoliert, so dass eine kurzfristige Reparatur nicht möglich war.
Für diesen fehlenden Service wurden die etwa 300 Besucher durch ein mitreißendes Spiel mehr als entschädigt. Diese Begegnung hätte ein weitaus größeres Publikum verdient gehabt. Von Beginn an ließen die Gäste aus der alten Residenzstadt keinen Zweifel daran, dass sie unbedingt die 2. Hauptrunde erreichen wollten. Sie machten das Spiel und setzten die Gastgeber unter Druck. Bereits in der 4. Minute musste Maecel Verkouter für den geschlagenen Torhüter Wojchiech Tomasiewicz auf der Linie klären. Im Nachsetzen erzielte Richter die Führung für Gotha. Nur fünf Minuten später narrte der gleiche Spieler die gesamte Nordhäuser Abwehr und erhöhte auf 2:0. Lange Gesichter bei den Zuschauern. Ein Debakel bahnte sich an.
Exakt eine Viertelstunde war gespielt, da kam Sören Wenzel in Ballbesitz und zog aus gut 20 Metern ab. Der verdeckte Schuss blieb für den Gästekeeper unerreichbar - 1:2. Dieses Tor beflügelte die Männer um Kapitän Jens Pistorius. Nur drei Minuten später erzielte Lars Pohl nach guter Vorarbeit von Marcel Verkouter den vielumjubelten Ausgleich. Trotz tropischer Temperaturen lieferten sich beide Mannschaften packende Zweikämpfe und sehenswerte Kombinationen. In der 44. Minute wurde Pohl bei einem Alleingang im Strafraum gelegt. Den fälligen Elfmeter verwandelte Pistorius eiskalt zur Nordhäuser Führung.
Die zweiten 45 Minuten begannen verhalten. Erst als Kümmerling von Marco Nebelung im Strafraum zu Fall gebracht wurde und Otto den Ausgleich erzielte (59.), besannen sich beide Teams wieder auf ihre spielerischen Mittel. Vier Minuten später versuchte es Aschenschwandtner mit einem Gewaltschuss aus etwa 35 m, den der Torhüter nur mit Mühe um den Pfosten lenken konnte. In der 66. Minute marschierte Kümmerling nach einem missglückten Abwehrversuch von Aschenschwandtner durch die gesamte Abwehr und erzielte erneut die Führung für die Gothaer.
Die Messen schienen gesungen für die Platzherren. Bei den tropischen Temperaturen traute wohl kaum ein Zuschauer den Nordhäuser ein nochmaliges Aufbäumen zu. Doch Pohl gelang fast das schier Unmögliche. Bei seinem Sturmlauf in den Strafraum wurde er aber festgehalten und zu Fall gebracht. Den fälligen Elfmeter verwandelte wiederum Pistorius sicher und überlegt zum Ausgleich. Neutrainer Uwe Etzrodt brachte Lüddemann für Heise, Kühne für Wenzel und Blaha für Nebelung. Beide Mannschaften suchten die Entscheidung, aber ein weiteres Tor wollte nicht fallen. Das hieß Verlängerung. Das Spiel war an Dramatik und Spannung nicht zu überbieten. Die Landesklasse-Elf verlangte vom Landesligisten und Wiederaufstiegsaspiranten Gotha alles ab. In der 102. Minute dann die Spielentscheidung. Pistorius flankte auf Pohl, der schob eiskalt das Leder aus spitzem Winkel in den gegnerischen Kasten. Noch einmal mussten die Zuschauer tief durchatmen, als der Gothaer Heun den Pfosten traf (106.) Am Ende gewann Wacker 90 Nordhausen verdient mit 5:4 und zog damit in die 2. Hauptrunde ein. Meine Jungs haben vorbildlich gespielt und gekämpft. Das Spiel muss ich erst einmal verdauen, zeigte sich Uwe Etzrodt gegenüber der nnz überglücklich und verschwand in die Kabine, während sich die Spieler von den Fans noch ausgiebig feiern ließen.
Bei aller Euphorie über den grandiosen Pokalfight der Nordhäuser, für die Mannschaft beginnt am kommenden Sonnabend mit der Begegnung gegen Ilmenau um 15 Uhr im Albert-Kuntz-Sportpark der scharfe Start in die Meisterschaft. Dann wird sich zeigen, was der heutige Sieg wert war.

