Mo, 19:29 Uhr
28.07.2003
Nun doch: Vorsichtiger Optimismus
Nordhausen/Berlin (nnz). In den USA sind es der Michigan-Index, mit dem das Verbrauchervertrauen gemessen wird. Und je nach dem: Geht der nach oben, freut es sich Anleger an den Aktienmärkten. Geht der Index nach unten, dann tanzen die Bären auf dem Parkett der Wall Street. In Deutschland nun gibt es den Ifo-Index. Und der wurde heute vorgestellt.
Mit dem dritten Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex in Folge haben sich die Chancen der deutschen Wirtschaft auf eine baldige Erholung verbessert. Angesichts der noch schwachen Lage äußerten sich viele Experten aber weiter skeptisch über den Beginn und die Stärke einer Konjunkturbelebung. Mit einem Anstieg auf 89,2 im Juli nach 88,8 Zähler im Vormonat blieb der am Montag veröffentlichte Index des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) hinter den Erwartungen der Experten zurück.
"Ich bin skeptisch, ob das für Deutschland einen Aufschwung im zweiten Halbjahr bedeutet", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Die vom Ifo befragten Unternehmen blickten im Juli zuversichtlicher in die Zukunft, schätzten aber ihre gegenwärtige Lage als schlechter als bisher ein. Ifo-Volkswirt Jan-Egbert Sturm mahnte daher zur Vorsicht, auch wenn er eine Erholung nun für sehr wahrscheinlich hält.
"Nach den bisherigen Erfahrungen deutet ein dreimaliger Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas in Folge auf eine bevorstehende konjunkturelle Belebung hin", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch die Bundesregierung wertete den Anstieg als Hoffnungszeichen für einen bevorstehenden Aufschwung und sah darin gleichzeitig eine Bestätigung ihrer Politik."Entgegen der langen Diskussion darüber, dass es in Deutschland nicht aufwärts geht, zeigt die Entwicklung des Ifo-Indexes, dass die konjunkturelle Wende eingeleitet ist", sagte Eichel. Der Index habe normalerweise eine Vorlaufzeit von sechs Monaten. "Unsere Politik passt damit genau in die Lage", sagte Eichel. Ifo-Volkswirt Sturm sagte, die Auswirkung der Steuerentlastung und der Reformen auf die Wirtschaftsentwicklung seien schwer abzuschätzen.
Bankenvolkswirte wollten auch wegen der schlechten Erfahrung des vergangenen Jahres der Ifo-Faustregel nicht zu viel Gewicht geben. "Das ist zwar der dritte Anstieg in Folge, aber er ist nicht sehr überzeugend", sagte Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank. "Ich denke nicht, dass dies ein Signal für eine Aufschwungdynamik ist." Vielmehr habe sich wohl die Diskussion um das Vorziehen der Steuerreform günstig auf die Erwartungen ausgewirkt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Index mit drei Zuwächsen in Folge die Experten in die falsche Richtung geschickt, der erhoffte Aufschwung war aber ausgeblieben.
Skeptische Stimmen gab es auch aus der Wirtschaft: "Für mich ist das in erster Linie Psychologie. Man hofft, dass das (der Abschwung) nun zu Ende geht, ohne dass man weiß, warum", sagte der Chef des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, sprach davon, dass sich die Trendwende in diesem Jahr nur andeuten werde. "Wir haben gute Chancen, dass die Konjunktur 2004 anspringt", fügte er aber hinzu.
Die Skeptiker verwiesen dabei vor allem auf die Tatsache, dass die Unternehmen ihre gegenwärtige Lage wieder als verschlechtert einstuften. Während der Teilindex für die Erwartungen der 7000 befragten Unternehmen auf 100,2 von 98,6 Punkten im Juni stieg, sank der Index für die Geschäftslage auf 78,7 von 79,4 Punkten. In Ostdeutschland stieg der Index auf 103,1 von 102,1 Punkten im Juni. Auch die Experten, die den Ifo-Index als Vorboten einer Erholung werteten, warnten vor Euphorie. "Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, wie stark die Dynamik dahinter ist", sagte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin.
Auch wenn zum Jahresende tatsächlich eine Konjunkturerholung beginnen sollte, hat die Mehrzahl der Volkswirte dieses Jahr für die Wirtschaft abgeschrieben. So erwarten die führenden Forschungsinstitute, zu denen auch das Ifo-Institut gehört, eine weitgehende Stagnation der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr.
Obwohl von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte im Schnitt sogar mit einem Anstieg auf 89,7 Punkte gerechnet hatten, setzte sich an den Finanzmärkten im Handelsverlauf eine optimistische Interpretation des Index durch. "Auf den zweiten Blick ist der geringer als erwartete Anstieg des Index trotzdem als Signal für eine Aufhellung der Konjunktur verstanden worden", erklärte ein Rentenhändler die Kursverluste der Festverzinslichen, denen stabile Gewinne bei den Aktien gegenüberstanden.
Autor: nnzMit dem dritten Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex in Folge haben sich die Chancen der deutschen Wirtschaft auf eine baldige Erholung verbessert. Angesichts der noch schwachen Lage äußerten sich viele Experten aber weiter skeptisch über den Beginn und die Stärke einer Konjunkturbelebung. Mit einem Anstieg auf 89,2 im Juli nach 88,8 Zähler im Vormonat blieb der am Montag veröffentlichte Index des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) hinter den Erwartungen der Experten zurück.
"Ich bin skeptisch, ob das für Deutschland einen Aufschwung im zweiten Halbjahr bedeutet", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Die vom Ifo befragten Unternehmen blickten im Juli zuversichtlicher in die Zukunft, schätzten aber ihre gegenwärtige Lage als schlechter als bisher ein. Ifo-Volkswirt Jan-Egbert Sturm mahnte daher zur Vorsicht, auch wenn er eine Erholung nun für sehr wahrscheinlich hält.
"Nach den bisherigen Erfahrungen deutet ein dreimaliger Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas in Folge auf eine bevorstehende konjunkturelle Belebung hin", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch die Bundesregierung wertete den Anstieg als Hoffnungszeichen für einen bevorstehenden Aufschwung und sah darin gleichzeitig eine Bestätigung ihrer Politik."Entgegen der langen Diskussion darüber, dass es in Deutschland nicht aufwärts geht, zeigt die Entwicklung des Ifo-Indexes, dass die konjunkturelle Wende eingeleitet ist", sagte Eichel. Der Index habe normalerweise eine Vorlaufzeit von sechs Monaten. "Unsere Politik passt damit genau in die Lage", sagte Eichel. Ifo-Volkswirt Sturm sagte, die Auswirkung der Steuerentlastung und der Reformen auf die Wirtschaftsentwicklung seien schwer abzuschätzen.
Bankenvolkswirte wollten auch wegen der schlechten Erfahrung des vergangenen Jahres der Ifo-Faustregel nicht zu viel Gewicht geben. "Das ist zwar der dritte Anstieg in Folge, aber er ist nicht sehr überzeugend", sagte Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank. "Ich denke nicht, dass dies ein Signal für eine Aufschwungdynamik ist." Vielmehr habe sich wohl die Diskussion um das Vorziehen der Steuerreform günstig auf die Erwartungen ausgewirkt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Index mit drei Zuwächsen in Folge die Experten in die falsche Richtung geschickt, der erhoffte Aufschwung war aber ausgeblieben.
Skeptische Stimmen gab es auch aus der Wirtschaft: "Für mich ist das in erster Linie Psychologie. Man hofft, dass das (der Abschwung) nun zu Ende geht, ohne dass man weiß, warum", sagte der Chef des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, sprach davon, dass sich die Trendwende in diesem Jahr nur andeuten werde. "Wir haben gute Chancen, dass die Konjunktur 2004 anspringt", fügte er aber hinzu.
Die Skeptiker verwiesen dabei vor allem auf die Tatsache, dass die Unternehmen ihre gegenwärtige Lage wieder als verschlechtert einstuften. Während der Teilindex für die Erwartungen der 7000 befragten Unternehmen auf 100,2 von 98,6 Punkten im Juni stieg, sank der Index für die Geschäftslage auf 78,7 von 79,4 Punkten. In Ostdeutschland stieg der Index auf 103,1 von 102,1 Punkten im Juni. Auch die Experten, die den Ifo-Index als Vorboten einer Erholung werteten, warnten vor Euphorie. "Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, wie stark die Dynamik dahinter ist", sagte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin.
Auch wenn zum Jahresende tatsächlich eine Konjunkturerholung beginnen sollte, hat die Mehrzahl der Volkswirte dieses Jahr für die Wirtschaft abgeschrieben. So erwarten die führenden Forschungsinstitute, zu denen auch das Ifo-Institut gehört, eine weitgehende Stagnation der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr.
Obwohl von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte im Schnitt sogar mit einem Anstieg auf 89,7 Punkte gerechnet hatten, setzte sich an den Finanzmärkten im Handelsverlauf eine optimistische Interpretation des Index durch. "Auf den zweiten Blick ist der geringer als erwartete Anstieg des Index trotzdem als Signal für eine Aufhellung der Konjunktur verstanden worden", erklärte ein Rentenhändler die Kursverluste der Festverzinslichen, denen stabile Gewinne bei den Aktien gegenüberstanden.

