Mi, 11:55 Uhr
22.06.2011
Die Osteuropa-Welle blieb aus
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute zu einem Fachkräftegipfel eingeladen. Die große Zuwanderungswelle aus Osteuropa ist nach Inkrafttreten der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit laut Erfurter IHK zumindest in Thüringen bisher ausgeblieben...
Im wirtschaftlichen Aufschwung gewinnt das Thema Fachkräftesicherung auch in Thüringen immer mehr an Bedeutung und wird für zahlreiche Unternehmen zur großen Herausforderung, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Einer IHK-Umfrage zufolge habe inzwischen schon knapp jeder zehnte Betrieb in Mittel- und Nordthüringen generell Probleme, offene Stellen zu besetzen. Jedes zweite Unternehmen gebe an, zumindest teilweise mit derartigen Schwierigkeiten konfrontiert zu sein. Dabei wären Bewerber unterschiedlichster Qualifikation gefragt und Facharbeiter genauso gesucht wie Meister, Fachwirte oder Absolventen von Fachhochschulen.
Eine besonders hohe Nachfrage besteht bei Akademikern. Fast jedes zweite Unternehmen sucht – mehr oder minder erfolgreich – Mitarbeiter in diesem Segment, so Grusser. Er begrüßt daher die Absicht der Bundesregierung, die so genannte Vorrangprüfung bei Ingenieuren auszusetzen. Mit dieser oft aufwendigen bürokratischen Prozedur muss ein Unternehmen bei der Agentur für Arbeit die Genehmigung für die Einstellung eines Nicht-EU-Ausländers einholen. Gefordert ist der Nachweis, dass keine deutschen Staatsangehörigen oder bevorrechtigten Ausländer aus der EU für die Stelle in Betracht kommen.
Auch mit Inkrafttreten der Arbeitnehmerfreizügigkeit für alle EU-Bürger am 1. Mai 2011 hat sich das Fachkräfteproblem nicht gelöst und ist die große Zuwanderungswelle ausgeblieben, stellt der IHK-Chef fest.
Knapp zwei Monate nach Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes sei nur eine geringe Zahl von Zuwanderern aus den mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten nach Thüringen gekommen. Rückfragen bei unseren Mitgliedsunternehmen haben ergeben, dass bisher nur wenig Interesse von Arbeitskräften aus den betroffenen acht EU-Ländern besteht und kaum Bewerbungen eingegangen sind, so Grusser. Das treffe auch auf den Bereich der Zeit- bzw. Leiharbeitsfirmen zu.
Für Unternehmen mit aktuellem Fachkräftebedarf, wie beispielsweise im Stahlbau oder in der Kunststofftechnik, sind durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit aber neue Möglichkeiten entstanden, um den Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken, betont der IHK-Chef. So hätten einige Thüringer Firmen selbst die Initiative ergriffen und neue Mitarbeiter aus Osteuropa eingestellt.
Meist handle es sich dabei um die Beschäftigung von bisherigen Arbeitskräften mit Werkvertrag. Gerade für diese Betriebe entfalle nun ein enormer bürokratischer Aufwand.
So hat beispielsweise die Stahl- und Förderanlagenbau Geschwenda GmbH von den neuen Regelungen Gebrauch gemacht und seit dem 1. Mai 2011 insgesamt 13 polnische Arbeitnehmer eingestellt: Wir haben in den letzten Jahren schon einige Werkverträge mit polnischen Arbeitskräften abgeschlossen, doch die Genehmigungsverfahren waren äußert komplex, insbesondere im Hinblick auf die Vertragsverlängerung. Deshalb sind wir sehr froh, nun von diesen bürokratischen Lasten befreit zu sein, berichtet Geschäftsführer Horst Sichardt.
Auch Rüdiger Löhl, Geschäftsführer der E-proPLAST GmbH in Schmalkalden, kann bereits auf einige Vorstellungsgespräche mit Facharbeitern aus Osteuropa verweisen. Festeinstellungen habe er aber aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse noch nicht vorgenommen.
Unternehmen müssen also selbst aktiv werden, wenn sie von der Arbeitnehmerfreizügigkeit profitieren wollen. Ein nennenswerter Bewerberansturm ist für den Freistaat auch in Zukunft nicht zu erwarten, stellt IHK-Chef Grusser fest.
Autor: nnzIm wirtschaftlichen Aufschwung gewinnt das Thema Fachkräftesicherung auch in Thüringen immer mehr an Bedeutung und wird für zahlreiche Unternehmen zur großen Herausforderung, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Einer IHK-Umfrage zufolge habe inzwischen schon knapp jeder zehnte Betrieb in Mittel- und Nordthüringen generell Probleme, offene Stellen zu besetzen. Jedes zweite Unternehmen gebe an, zumindest teilweise mit derartigen Schwierigkeiten konfrontiert zu sein. Dabei wären Bewerber unterschiedlichster Qualifikation gefragt und Facharbeiter genauso gesucht wie Meister, Fachwirte oder Absolventen von Fachhochschulen.
Eine besonders hohe Nachfrage besteht bei Akademikern. Fast jedes zweite Unternehmen sucht – mehr oder minder erfolgreich – Mitarbeiter in diesem Segment, so Grusser. Er begrüßt daher die Absicht der Bundesregierung, die so genannte Vorrangprüfung bei Ingenieuren auszusetzen. Mit dieser oft aufwendigen bürokratischen Prozedur muss ein Unternehmen bei der Agentur für Arbeit die Genehmigung für die Einstellung eines Nicht-EU-Ausländers einholen. Gefordert ist der Nachweis, dass keine deutschen Staatsangehörigen oder bevorrechtigten Ausländer aus der EU für die Stelle in Betracht kommen.
Auch mit Inkrafttreten der Arbeitnehmerfreizügigkeit für alle EU-Bürger am 1. Mai 2011 hat sich das Fachkräfteproblem nicht gelöst und ist die große Zuwanderungswelle ausgeblieben, stellt der IHK-Chef fest.
Knapp zwei Monate nach Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes sei nur eine geringe Zahl von Zuwanderern aus den mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten nach Thüringen gekommen. Rückfragen bei unseren Mitgliedsunternehmen haben ergeben, dass bisher nur wenig Interesse von Arbeitskräften aus den betroffenen acht EU-Ländern besteht und kaum Bewerbungen eingegangen sind, so Grusser. Das treffe auch auf den Bereich der Zeit- bzw. Leiharbeitsfirmen zu.
Für Unternehmen mit aktuellem Fachkräftebedarf, wie beispielsweise im Stahlbau oder in der Kunststofftechnik, sind durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit aber neue Möglichkeiten entstanden, um den Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken, betont der IHK-Chef. So hätten einige Thüringer Firmen selbst die Initiative ergriffen und neue Mitarbeiter aus Osteuropa eingestellt.
Meist handle es sich dabei um die Beschäftigung von bisherigen Arbeitskräften mit Werkvertrag. Gerade für diese Betriebe entfalle nun ein enormer bürokratischer Aufwand.
So hat beispielsweise die Stahl- und Förderanlagenbau Geschwenda GmbH von den neuen Regelungen Gebrauch gemacht und seit dem 1. Mai 2011 insgesamt 13 polnische Arbeitnehmer eingestellt: Wir haben in den letzten Jahren schon einige Werkverträge mit polnischen Arbeitskräften abgeschlossen, doch die Genehmigungsverfahren waren äußert komplex, insbesondere im Hinblick auf die Vertragsverlängerung. Deshalb sind wir sehr froh, nun von diesen bürokratischen Lasten befreit zu sein, berichtet Geschäftsführer Horst Sichardt.
Auch Rüdiger Löhl, Geschäftsführer der E-proPLAST GmbH in Schmalkalden, kann bereits auf einige Vorstellungsgespräche mit Facharbeitern aus Osteuropa verweisen. Festeinstellungen habe er aber aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse noch nicht vorgenommen.
Unternehmen müssen also selbst aktiv werden, wenn sie von der Arbeitnehmerfreizügigkeit profitieren wollen. Ein nennenswerter Bewerberansturm ist für den Freistaat auch in Zukunft nicht zu erwarten, stellt IHK-Chef Grusser fest.


