So, 16:49 Uhr
22.05.2011
nnz-Forum: Keinen Gipsabbau!
Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) wanderte heute durch den schönen Südharz. Begleitet wurde Sie von vielen Südharzern, auch von Bodo Schwarzberg. Der schildert seine Eindrücke im Forum der nnz...
"Wir wollen doch keinen Gipsabbau!" - Diese Worte gehörten zu den ersten, die der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht über die Lippen kamen, als sie Mitglieder BUND-Kreisgruppe Nordhausen am Parkplatz des Waldbades mit ihren Transparenten bei ihrer Ankunft stehen sah. Anlässlich einer Wanderung zum Jahr der Wälder rund um die Nordhäuser Talsperre gemeinsam mit Umweltminister Reinholz, Landrat Claus, dem Neustädter Bürgermeister und zahlreichen anderen Persönlichkeiten, bekannte sie sich zur Erhaltung unserer Landschaft am Südrand des Harzes.
In einer kurzen Ansprache verknüpfte sie die Bedeutung des Waldes als Ganzes mit der Erhaltung der Artenvielfalt im Besonderen. Der erste Schritt zur Bewahrung der Artenvielfalt sei es, die Arten zu kennen, sagte sie sinngemäß.
Und sie lobte das Ehrenamt und dessen Bedeutung für die Erhaltung der Wälder und wollte damit u.a. sicherlich auf die ehrenamtlich tätigen Naturschützer und auf die Mitglieder des traditionsreichen Harzklubs Bezug nehmen. Von Mitgliedern der BUND-Kreisgruppe wurde sie zudem mit Bedenken bezüglich der Ausweisung des Industriegebietes in der Goldenen Aue auf bestem Ackerboden und mit den Problemen auf dem Gebiet der Erhaltung unserer historisch gewachsenen Kulurlandschaft konfrontiert.
Zur Kritik am Industriegebiet zeigte sie sich eher zurückhaltend. Es gebe auch Beispiele, auf denen sich tatsächlich Gewerbe auf solchen Flächen angesiedelt habe, für die sich also Investoren gefunden hätten. Umweltminister Reinholz gab zu, dass er um die massiven Defizite um die Landschaftspflege in Thüringen wisse. Er werde überall mit diesem Problem konfrontiert. Zudem würde er sich um dessen Lösung sehr bemühen. Indes fehle das Geld und das werde sich auch in Zukunft wohl kaum ändern. Und die Zahl der für die Pflege so wichtigen Schafherden werde weiter zurückgehen. Beim Finanzminister fände er für Derartiges kein offenes Ohr. Drohenden Strafen aus Brüssel bei Nichteinhaltung des Verschlechterungsverbotes für die FFH-Gebiete scheint er relativ gelassen entgegen zu sehen. Bisher hätte noch kein EU-Land tatsächlich zahlen müssen.
Diese Einschätzung kommt dem Autor dieses Beitrages einer Bankrotterklärung für die Zukunft der Landschaftspflege gleich. Die BUND-Kreisgruppe nahm die Gelegenheit wahr, dem Umweltminister über ihre seit Jahren ehrenamtlich durchgeführten Pflegemaßnahmen zur Erhaltung von Standorten hochgradig gefährderter Pflanzenarten zu informieren, ohne dass sie bisher auch nur einen Cent dafür bekommen zu haben. Mittel, die für ihre Arbeit vorgesehen waren, wurden kurzerhand gestrichen, weil es generell keine Mittel mehr für die so genannte Erstpflege, also z.B. für die Entbuschung von orchideenreichen Trockenrasen, gebe.
An der Wanderung nahmen zahlreiche Menschen teil, die es sich unter anderem nicht entgehen ließen, die heute ausnahmsweise geöffnete Mauerkrone der Talsperre bei Neustadt zu begehen. Positiv bleibt aber auf jeden Fall anzumerken, dass die Ministerpräsidentin ihre Liebe zur Südharzer Karstlandschaft zum Ausdruck brachte. Sie habe das Gebiet schon auf mehreren Wanderungen, auch schon vor ihrer Amtsübernahme kennen- und schätzen gelernt.
In diesem Zusammenhang wurde sie von Mitgliedern des BUND auch an die im Koalitionsvertrag verankerte Absichtserklärung hingeweisen, die Ausweisung eines Biosphärenreservates am Südrand des Harzes zu prüfen.
Anwesende Gäste aus der Thüringischen Rhön wiesen zudem auf die übergreifende Akzeptanz und auf die allgemein positiven Effekte des dortigen Biosphärenreservates hin.
Alles in allem war die Wanderung von Ministerpräsidentin und Umweltminister eine gute Idee, sofern sie nicht nur deren Imagegewinn diente, sondern zu Taten auf den angesprochenen Problemfeldern führen wird. Allerdings lagen die wirklichen Brennpunkte unserer Region nicht auf ihrer Route. Ob das aber wirklich ein gutes Ohmen ist?
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnz"Wir wollen doch keinen Gipsabbau!" - Diese Worte gehörten zu den ersten, die der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht über die Lippen kamen, als sie Mitglieder BUND-Kreisgruppe Nordhausen am Parkplatz des Waldbades mit ihren Transparenten bei ihrer Ankunft stehen sah. Anlässlich einer Wanderung zum Jahr der Wälder rund um die Nordhäuser Talsperre gemeinsam mit Umweltminister Reinholz, Landrat Claus, dem Neustädter Bürgermeister und zahlreichen anderen Persönlichkeiten, bekannte sie sich zur Erhaltung unserer Landschaft am Südrand des Harzes.
In einer kurzen Ansprache verknüpfte sie die Bedeutung des Waldes als Ganzes mit der Erhaltung der Artenvielfalt im Besonderen. Der erste Schritt zur Bewahrung der Artenvielfalt sei es, die Arten zu kennen, sagte sie sinngemäß.
Und sie lobte das Ehrenamt und dessen Bedeutung für die Erhaltung der Wälder und wollte damit u.a. sicherlich auf die ehrenamtlich tätigen Naturschützer und auf die Mitglieder des traditionsreichen Harzklubs Bezug nehmen. Von Mitgliedern der BUND-Kreisgruppe wurde sie zudem mit Bedenken bezüglich der Ausweisung des Industriegebietes in der Goldenen Aue auf bestem Ackerboden und mit den Problemen auf dem Gebiet der Erhaltung unserer historisch gewachsenen Kulurlandschaft konfrontiert.
Zur Kritik am Industriegebiet zeigte sie sich eher zurückhaltend. Es gebe auch Beispiele, auf denen sich tatsächlich Gewerbe auf solchen Flächen angesiedelt habe, für die sich also Investoren gefunden hätten. Umweltminister Reinholz gab zu, dass er um die massiven Defizite um die Landschaftspflege in Thüringen wisse. Er werde überall mit diesem Problem konfrontiert. Zudem würde er sich um dessen Lösung sehr bemühen. Indes fehle das Geld und das werde sich auch in Zukunft wohl kaum ändern. Und die Zahl der für die Pflege so wichtigen Schafherden werde weiter zurückgehen. Beim Finanzminister fände er für Derartiges kein offenes Ohr. Drohenden Strafen aus Brüssel bei Nichteinhaltung des Verschlechterungsverbotes für die FFH-Gebiete scheint er relativ gelassen entgegen zu sehen. Bisher hätte noch kein EU-Land tatsächlich zahlen müssen.
Diese Einschätzung kommt dem Autor dieses Beitrages einer Bankrotterklärung für die Zukunft der Landschaftspflege gleich. Die BUND-Kreisgruppe nahm die Gelegenheit wahr, dem Umweltminister über ihre seit Jahren ehrenamtlich durchgeführten Pflegemaßnahmen zur Erhaltung von Standorten hochgradig gefährderter Pflanzenarten zu informieren, ohne dass sie bisher auch nur einen Cent dafür bekommen zu haben. Mittel, die für ihre Arbeit vorgesehen waren, wurden kurzerhand gestrichen, weil es generell keine Mittel mehr für die so genannte Erstpflege, also z.B. für die Entbuschung von orchideenreichen Trockenrasen, gebe.
An der Wanderung nahmen zahlreiche Menschen teil, die es sich unter anderem nicht entgehen ließen, die heute ausnahmsweise geöffnete Mauerkrone der Talsperre bei Neustadt zu begehen. Positiv bleibt aber auf jeden Fall anzumerken, dass die Ministerpräsidentin ihre Liebe zur Südharzer Karstlandschaft zum Ausdruck brachte. Sie habe das Gebiet schon auf mehreren Wanderungen, auch schon vor ihrer Amtsübernahme kennen- und schätzen gelernt.
In diesem Zusammenhang wurde sie von Mitgliedern des BUND auch an die im Koalitionsvertrag verankerte Absichtserklärung hingeweisen, die Ausweisung eines Biosphärenreservates am Südrand des Harzes zu prüfen.
Anwesende Gäste aus der Thüringischen Rhön wiesen zudem auf die übergreifende Akzeptanz und auf die allgemein positiven Effekte des dortigen Biosphärenreservates hin.
Alles in allem war die Wanderung von Ministerpräsidentin und Umweltminister eine gute Idee, sofern sie nicht nur deren Imagegewinn diente, sondern zu Taten auf den angesprochenen Problemfeldern führen wird. Allerdings lagen die wirklichen Brennpunkte unserer Region nicht auf ihrer Route. Ob das aber wirklich ein gutes Ohmen ist?
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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