eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Di, 10:13 Uhr
24.06.2003

Längst keine Briefkastenzeitung

Nordhausen (nnz). Unlängst landete „Der Nordhäuser Adler“ wieder in 15.000 Haushalte der Region. Das „Kulturmagazin für Stadt und Landkreis Nordhausen“ lässt auch in seiner 3. Ausgabe in punkto Aktualität und Qualität der Beiträge keine Wünsche offen. Eine Betrachtung von nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg.


Bereits das Titelbild - dass von Tabakfabrikant Otto Kruse 1936 gestiftete Wehrfreiheitsdenkmal vor dem Stadttheater und die Bildunterschrift UNHEIL - macht neugierig auf den Inhalt der 3. Ausgabe des DNA. Markus Veit, Herausgeber und Macher des anspruchsvollen Magazins, widmet sich diesmal in seinem Leitbeitrag dem Nordhäuser Musentempel. Er berichtet ausführlich über die Theatergeschichte der Stadt im allgemeinen und das Schauspielensemble im Dritten Reich im besonderen. „Das nationalsozialistische Nordhausen hat seinen Ehrgeiz darin zu legen, dass sein Stadttheater eine Stätte deutscher Kunst und völkischer Erhebung werde“, so NS-Oberbürgermeister Heinz Sting, der bei einigen Zeitgenossen heute noch besondere Wertschätzung genießt, am 13. März 1933. Damit begann die Gleichschaltung des Nordhäuser Schauspielensembles. An diesem Tag hatte Goebbels in Berlin die Reichstheaterkammer geschaffen, mit dem Ziel, vor allem jüdische Schauspieler aus den Ensembles zu entfernen. Auch das Nordhäuser Stadttheater blieb davon nicht verschont, wie die Recherchen des Autors zeigen.

„Emil, ein Eisbein mit Sauerkraut!“, betitelt Markus Veit seine Hommage an die Nordhäuser Gastwirtsfamilie Agthe. Vor allem bei den älteren unter den Lesern werden dabei viele Erinnerungen wach, die sich mit einem Besuch in Emil Agthes Gastwirtschaft - im Reichsadler oder nach dem Krieg in der Töpferstraße - verbinden. Exakt zeichnet der Autor die Geschichte der Nordhäuser Originals und der seiner beiden Kneipen auf, bis im Februar 1967 mit dem Zwangsverkauf das Ende einer der beliebtesten Gaststätten kam.

Auch die 3. Ausgabe des Magazins „Der Nordhäuser Adler“ besticht wieder durch hervorragende Bilddokumente, beispielsweise die Aufnahmen des Rathausplatzes bei Nacht, sowie durch informative Texte und sachliche Kritik. So möchte Veit mit seinen Gedanken zur Landesgartenschau und dem Element Wasser in der Stadt Nordhausen zu einer breiten Diskussion anregen.

Erstmals kommen in der Ausgabe Nummer 3 auch andere Autoren zu Wort. So gibt u. a. Ullrich Mallis, ein profunder Kenner der Historie der Schachtbaufirma „Tiefbau- und Kälteindustrie AG, vormals Gebhardt & Koenig“ in Nordhausen, Einblicke in die Geschichte des Kalibergbaus in der Region im allgemeinen und der Nordhäuser Kaliwerke AG zu Wolkramshausen im besonderen. In dem interessanten und flüssig geschriebenen Beitrag werden Zusammenhänge zwischen den einzelnen Firmen und die große Bedeutung des Nordhäuser Unternehmens aufgezeichnet.

Peter Kreßner, Mitglied der Nordhäuser Gästeführergilde, stellt in seiner Arbeit Thesen zur Baugeschichte und zum Status der St. Blasii-Kirche auf. Seine Gedanken zur Erbauung des Gotteshauses sind zurzeit jedoch weder belegbar noch widerlegbar und lassen Überlegungen in alle Richtungen offen.

Der Nordhäuser Adler flatterte letztmalig zum Nulltarif in die Haushalte. Für die nächste Ausgabe müssen Interessenten 4,20 EUR berappen. Das wird von der breiten Leserschaft sicherlich bereitwillig bezahlt werden, bietet das Magazin doch für Jedermann viel Aktuelles und Interessantes. Allerdings wird sich auch die Auflagenhöhe drastisch verkleinern, sie schrumpft auf 2000 Exemplare.

„Viele hegen den Wunsch, ein Abbo abzuschließen. Andere bemängeln, dass sie bisher gar keine Zeitung erhalten haben. Mit einer Auflage von 15000 Stück war das leider nicht möglich alle Haushalte zu erreichen. Wenn wir das Magazin kostenpflichtig machen, ist künftig gewährleistet, unsere Zielgruppen direkt anzusprechen. Außerdem wollen wir weg vom Image einer Briefkastenzeitung“, so der Herausgeber. Die Oktober-Ausgabe 2003 kann dann über die Buch- und Zeitschriftengeschäfte, den Verlag und die Redaktion bezogen werden.
Autor: rh

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)