Fr, 07:12 Uhr
22.04.2011
Traum erfüllt
Irgendwann stand ein kleines Mädchen vor einer Grube in Thüringen. Da suchten Archäologen nach alten Schätzen. Das will ich auch einmal machen, hat sie damals gesagt. Inzwischen ist aus dem kleinen Mädchen aus Nordhausen eine erwachsene Frau geworden – und sie ist zwar nicht Archäologin, aber Diplom-Restauratorin für archäologische Funde geworden...
Die Kombination aus Geschichte und Handwerk finde ich sehr spannend, sagt Christine Lincke. Die 32-Jährige ist seit einigen Monaten im Museum Burg Linn in Krefeld beschäftigt. Zurzeit widmet sie sich der Bearbeitung von Ausrüstungsgegenständen von germanischen und römischen Reiterkriegern.
Ich habe das Privileg, dass ich alles anfassen darf, was sonst niemand im Museum anfassen darf, sagt Lincke und nimmt in der Werkstatt des Museums eine Pferdetrense in ihre Hand. Diese steckte vor fast 2000 Jahren in dem Maul eines Tieres, das in die Schlacht 69 nach Christus bei Gellep geritten worden war.
Bei dem Kampf kam das Pferd zu Tode und wurde dort beerdigt. Hunderte Jahre blieb dieses Tiergrab unentdeckt im Krefelder Boden, bis Archäologen die
Knochen- und Ausrüstungsreste vor einigen Jahrzehnten ausgruben. Ringschellen, Trensenringe und Melonenperlen als Talismane, die einst die Pferde der Römer und Germanen schmückten, möchte Christine Lincke nun an einem modellierten Pferdekopf präsentieren. Die lebensgroße Rekonstruktion soll den Besuchern einmal in der Dauerausstellung einen besseren Eindruck von der Verwendung der Artefakte vermitteln.
Frau Lincke bei der Arbeit (Foto: Stadtverwaltung Krefeld)
Feiner, weißer Staub wirbelt durch den Werkstattraum als Christine Lincke an dem Pferdekopf die Oberfläche vorsichtig bearbeitet. Noch entspricht dieser nicht ihren Vorstellungen. Dass die gebürtige Nordhäuserin einmal auf Tuchfühlung mit historischen Funden geht, ist jedoch keine gerade Linie vom Kindheitstraum zum Traumberuf gewesen. Ursprünglich war ich Verwaltungsfachangestellte, erzählt die 32-Jährige. Denn eine brotlose Kunst sollte sie nicht erlernen, jedenfalls war zuerst eine solide Ausbildung der Wunsch ihrer Mutter.
So folgte nach dem Abitur eine Ausbildung beim Landratsamt Nordhausen. Doch nach einem Jahr in der
Pressestelle war der Wunsch dann doch größer, erinnert sie sich. Schließlich schrieb sie sich mit 21 Jahren für ein Studium an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ein. Vor allem die Auslandsaufenthalte während dieser Zeit sind ihr sehr lebendig in
Erinnerung geblieben. An Grabungskampagnen in der Türkei und Syrien nahm sie teil. Es ist natürlich spannend, ein fremdes Land, die Lebensweise und die Kultur kennenzulernen, sagt Lincke. Zudem hatte sie im syrischen Deir ar-Zor noch eine ganz besondere Wohnstätte: Ich hatte dort eine Tausend-Sterne-Unterkunft – unter freiem Himmel.
Neben dem Entdecken dieser Länder stand die Arbeit aber im Mittelpunkt. Ich habe viele Stunden in Kellern verbracht, um Objekte zu bearbeiten, berichtet die Restauratorin. Vor allem das interdisziplinäre Arbeiten
mit Physikern oder Chemikern reizt sie bei ihrem Beruf. Bei mir läuft alles zusammen und ich muss mir einen Reim daraus machen, sagt Lincke.
Nach ihrer Studienzeit arbeitete sie unter anderem im Archäologischen Park in Xanten und nun – im Rahmen einer Schwangerschaftsvertretung – im Museum Burg Linn. Museumsdirektor Dr. Christoph Reichmann ist angesichts der teilweisen Neugestaltung der Dauerausstellung froh, eine Restauratorin für diese Zeit im Haus zu haben. Das ist für uns von enormer Bedeutung, so Reichmann. Alleine für unsere Sammlung benötigen wir eine eigene Restauratorin, betont der Museumschef. Aber auch für Wechselausstellung und Leihgaben aus anderen
Museen sei ein Restaurator eine Grundvoraussetzung.
Autor: nnzDie Kombination aus Geschichte und Handwerk finde ich sehr spannend, sagt Christine Lincke. Die 32-Jährige ist seit einigen Monaten im Museum Burg Linn in Krefeld beschäftigt. Zurzeit widmet sie sich der Bearbeitung von Ausrüstungsgegenständen von germanischen und römischen Reiterkriegern.
Ich habe das Privileg, dass ich alles anfassen darf, was sonst niemand im Museum anfassen darf, sagt Lincke und nimmt in der Werkstatt des Museums eine Pferdetrense in ihre Hand. Diese steckte vor fast 2000 Jahren in dem Maul eines Tieres, das in die Schlacht 69 nach Christus bei Gellep geritten worden war.
Bei dem Kampf kam das Pferd zu Tode und wurde dort beerdigt. Hunderte Jahre blieb dieses Tiergrab unentdeckt im Krefelder Boden, bis Archäologen die
Knochen- und Ausrüstungsreste vor einigen Jahrzehnten ausgruben. Ringschellen, Trensenringe und Melonenperlen als Talismane, die einst die Pferde der Römer und Germanen schmückten, möchte Christine Lincke nun an einem modellierten Pferdekopf präsentieren. Die lebensgroße Rekonstruktion soll den Besuchern einmal in der Dauerausstellung einen besseren Eindruck von der Verwendung der Artefakte vermitteln.
Frau Lincke bei der Arbeit (Foto: Stadtverwaltung Krefeld)
Feiner, weißer Staub wirbelt durch den Werkstattraum als Christine Lincke an dem Pferdekopf die Oberfläche vorsichtig bearbeitet. Noch entspricht dieser nicht ihren Vorstellungen. Dass die gebürtige Nordhäuserin einmal auf Tuchfühlung mit historischen Funden geht, ist jedoch keine gerade Linie vom Kindheitstraum zum Traumberuf gewesen. Ursprünglich war ich Verwaltungsfachangestellte, erzählt die 32-Jährige. Denn eine brotlose Kunst sollte sie nicht erlernen, jedenfalls war zuerst eine solide Ausbildung der Wunsch ihrer Mutter. So folgte nach dem Abitur eine Ausbildung beim Landratsamt Nordhausen. Doch nach einem Jahr in der
Pressestelle war der Wunsch dann doch größer, erinnert sie sich. Schließlich schrieb sie sich mit 21 Jahren für ein Studium an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ein. Vor allem die Auslandsaufenthalte während dieser Zeit sind ihr sehr lebendig in
Erinnerung geblieben. An Grabungskampagnen in der Türkei und Syrien nahm sie teil. Es ist natürlich spannend, ein fremdes Land, die Lebensweise und die Kultur kennenzulernen, sagt Lincke. Zudem hatte sie im syrischen Deir ar-Zor noch eine ganz besondere Wohnstätte: Ich hatte dort eine Tausend-Sterne-Unterkunft – unter freiem Himmel.
Neben dem Entdecken dieser Länder stand die Arbeit aber im Mittelpunkt. Ich habe viele Stunden in Kellern verbracht, um Objekte zu bearbeiten, berichtet die Restauratorin. Vor allem das interdisziplinäre Arbeiten
mit Physikern oder Chemikern reizt sie bei ihrem Beruf. Bei mir läuft alles zusammen und ich muss mir einen Reim daraus machen, sagt Lincke.
Nach ihrer Studienzeit arbeitete sie unter anderem im Archäologischen Park in Xanten und nun – im Rahmen einer Schwangerschaftsvertretung – im Museum Burg Linn. Museumsdirektor Dr. Christoph Reichmann ist angesichts der teilweisen Neugestaltung der Dauerausstellung froh, eine Restauratorin für diese Zeit im Haus zu haben. Das ist für uns von enormer Bedeutung, so Reichmann. Alleine für unsere Sammlung benötigen wir eine eigene Restauratorin, betont der Museumschef. Aber auch für Wechselausstellung und Leihgaben aus anderen
Museen sei ein Restaurator eine Grundvoraussetzung.


