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Sa, 08:29 Uhr
14.06.2003

Orgelsax meets Meier's Clan

Nordhausen/Sondershausen (nnz). Ein rot beleuchteter Altar und eine gelb angestrahlte Orgel. So wurden die gut 160 Gäste von Meier’s Clan und Jens Goldhardt zu einem ganz besonderen Konzert Ende Mai in der Sondershäuser Trinitatiskirche willkommen geheißen.


Meier’s Clan ist ein Saxophonquartett mit einer etwas ungewöhnlichen Geschichte. Die vier Musiker Ralf Benschu (Saxophonist der Band Keimzeit), Matthias Wacker, Mark Wallbrecht und Sebastian Hillmann haben alle bei dem selben Musiklehrer Werner Meier an der Potsdamer Musikschule ihre Grundausbildung erhalten und wollten nur zum 70. Geburtstag ihres Lehrers ein Ständchen bringen. Diese Einlage wurde schließlich zur Geburtsstunde von Meier’s Clan.

Eingangs erklang der, zwar aus einem früheren Konzert von Ralf Benschu und Jens Goldhardt bekannte, aber in dieser Interpretation noch nie gehörte Choral „Hilf, Herr, meines Lebens“. So hörte man das Hauptthema des Choral zunächst aus allen vier Ecken der Kirche in einer Art Fuge, die in einem gediegenen Orgelsolo schließlich ein Scheinende fanden. Doch das Werk sollte noch in einem gewaltigen Ausmaß enden und so wurde schnell zum bekannten „Hit the road Jack“–Thema übergegriffen und in einer verschärften Form dargestellt. Mit diesem Stück begeisterten Ralf Benschu und Jens Goldhardt schon in seiner früheren Form viele Menschen aus ganz Deutschland. Hoffentlich wird es auch in dieser Variation irgendwann einen Platz auf einer CD finden.

Die sehr lebhafte Stimmung vom Anfang ging jedoch schon beim 2 Stück zurück, als Ralf Benschu, Matthias Wacker, Mark Wallbrecht und Sebastian Hillmann den Kassenschlager „Groovy Kind of Love“ von Phil Collins zu Gehör brachten. Dieser Moment der innerlichen Ruhe wurde mit Kerzenschein und matter Beleuchtung noch unterstrichen.

Klassik mit einem Hauch der Moderne gab es im folgenden Beitrag zu erleben. Das Italienischen Konzert von Johann Sebastian Bach bestand aus einer Symbiose von Modernem und Alten. Durch die Saxophone kam in die barocke Selbstverständlichkeit eine heitere Würde von neuen Klangbildern und ein vielleicht ein wenig übersteigertes Tempo.

In dem Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski zeigten sich die 5 Musiker von ihrer dunklen Seite. Die tiefen Bässe der Orgel und das sonore schnorren der Saxophone zauberten eine düstere Stimmung, die das Auditorium direkt vor das Bild des alten Schlosses stellten und die Kirchenwände zum Vibrieren brachte. Die Tuileries symbolisiert eine impressionistische Miniatur. Momentaufnahmen einer unbeschwerten Kinderwelt. Spielerische Melodiefiguren allein durch Koloratur. Ein ganzes Gegenteil stellt Bydlo dar. Im fernen Osten Polens naht ein Ochsenkarrn. Träge und belastet. Er rollt vorbei und endet im dreifachen pianissimo.

Der Promenadengang führte das Publikum dann weiter auf ihrem Gang durch die Galerie, vorbei an schweren Ölgemälden, an dunklen Farben, versunken in Gedanke, bis sie plötzlich vor einem heiteren, hellen Bild stoppen. Das bunte Treiben des Marktplatzes entführt in die lockere, hektische Welt der rhythmischen Zersplitterung und metrischen Unebenheiten. Inmitten der nicht mehr zu steigernden Schnelligkeit wird geballte Energie der Musik gewaltsam in Akkorde gebannt. Mit einem gewaltigen Orgelsolo wird der Zuhörer in die Catacombae (Sepulchrum Romanum, Cum mortuis in lingua mortua) gestellt. Die Register wechseln fast taktweise und stellen die unwirklichen Stimmen aus dem Jenseits dar.

Direkt aus den Katakomben kommend wird man schließlich vor das glänzende Thema des großen Tor von Kiev gestellt, dem wohl bekanntesten Thema aus dem Zyklus „Bilder einer Ausstellung“. Endend mit dem Stillstand des Themas im Triumph. Nach „Summertime“, „Here comes Julian“ und einem Spiritual-Gebet von Crespo sorgte das Quartett für einen besonderen Abgang und verließ während dem bekannten „Take five“ die Kirche und spielten auf dem Parkplatz vor der Kirche noch ein Remix ihres Programms, bevor sie noch zu einem Glas Wein einluden.
Katrin Landgraf
Autor: nnz

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