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Mo, 07:46 Uhr
18.04.2011

nnz-Betrachtung: Selbst in den Händen

Das Nordhäuser Südharz-Krankenhaus gehört - mal salopp formuliert - den Menschen im Landkreis Nordhausen. Das jedoch könnte sich bald ändern, glaubt man einigen flüchtigen Gesprächsfetzen, die da seit Wochen durch die Landschaft wabern. Die nnz mit einem möglichen Szenario...


Ein kommunal geführtes Krankenhaus - welch ein Segen, ein Haus, bei dem die beiden kommunalen Gesellschafter (Stadt und Landkreis Nordhausen) außer der Stammeinlage noch keinen Cent oder früher keinen Pfennig zuzahlen mussten. Einen Anteil daran, der von den Gesellschaftern und Aufsichtsräten merkwürdig verschwiegen wird, gebührt dem langjährigen Geschäftsführer Antonius Pille. Aber Pille machte unverzeihliche Fehler. Das ist Geschichte.

Doch Antonius Pille stand wie ein Fels in der Brandung gegen eine Privatisierung dieses Hauses. Da war er bockig. Ein Gemütszustand, den kommunale Politgrößen ungern fühlen. Auch die neue Geschäftsführung beteuert die Nicht-Privatisierung. Doch was wird sie tun, wenn die Gesellschafter einen anderen Kurs einschlagen? Dann müssen die beiden Neuen entsprechend handeln.

Nun werden die Vertreter der Gesellschafter nicht müde, ständig zu beteuern, dass ein kommunales Krankenhaus für immer und ewig Bestand haben sollte. Warum aber sagte Aufsichtsratschef Prof. Heinrich Markgraf in einem nnz-Interview auf die Frage, ob es auch keine Teilprivatisierung oder Ausgliederung von Service-Bereichen in Billiglohnfirmen geben wird, wie man es in manchen anderen Krankenhäusern findet: "Nein, die wird es nicht geben. Ich will es noch weiterfassen und deutlicher sagen: Auch eine Teilprivatisierung gibt es mit mir nicht. Auch das wird Bestandteil des Gesellschaftervertrages sein."

Sätze, die hellhörig machen. Und tatsächlich, bei der "Bearbeitung des Gesellschaftervertrages" gibt es seit Jahren immer mal wieder einige Unstimmigkeiten. Da wirft die städtische Seite dem Landkreis vor, das Krankenhaus zu verscherbeln, an "Rhön", weil man gierig auf die Knete sei, die dann fließt. Und weil das Land Druck auf den Landrat mache, endlich die Finanzen in Ordnung zu bringen. Offiziell wird das alles natürlich abgestritten.

Die Landkreisseite wiederum lässt inoffiziell mitteilen, dass seitens der Stadt schon mal gern der Begriff des Tendenzbetriebes in den Gesellschaftervertrag aufgenommen werden soll. Ein Tendenzbetrieb setzt zum Beispiel wesentliche Bestandteile der Arbeitnehmermitbestimmung außer Kraft. Und es wird kolportiert - von beiden Seiten, es könne Teilprivatisierungen oder Auslagerungen geben, die als kommunal verkauft werden können. Und das könnte so laufen:

Man gliedert aus dem eigentlichen Krankenhausbetrieb zum Beispiel die Küche aus. Macht daraus eine kommunale GmbH oder gliedert sie einer bestehenden kommunalen Unternehmung, zum Beispiel der Service GmbH an. Die beschäftigt die Küchenmitarbeiter nicht mehr zum jetzigen Gehalt, sondern weit darunter. Und die verkauft der Südharz-Krankenhaus Nordhausen gGmbH die Essensportion nicht für (angenommen 3 Euro), sondern für sechs Euro. Den Gewinn der kommunalen Service GmbH können die Gesellschafter problemlos einstreichen. Bei einer gemeinnützigen Gesellschaft ist das nicht so ohne weiteres möglich, wo man immer am Rand der nicht erlaubten Gewinnausschüttung vorbeischlittern würde.

Das Spielchen, für das es im Landratsamt wie im Rathaus einen kleinen Fankreis zu geben scheint, könnte weiter gespielt werden. Da wären zum Beispiel noch die Wäscherei oder die Apotheke, vielleicht auch noch das MVZ des Südharz-Krankenhauses. Aussaugen, so nennen das die Experten des globalen Finanzwesens. Die kommunalen Gesellschafter saugen ohne Bedenken ihr eigenes Kind aus, führen es an den Rand der Zahlungsschwierigkeiten und haben dann ein Argument für den Verkauf.

Nun, wie gesagt, das ist alles Spielerei. Bisher. Doch Politikern könnte man allerhand zutrauen, vor allem, wenn es um das Akquirieren von Mehr-Einnahmen geht. Und dieser Umstand tritt erst dann auf, wenn ihnen das finanzpolitische Wasser bis zum Halse hängt. Im Landkreis und vermutlich auch in der Stadt.

Und wie kann dieses Planspielchen verhindert werden? Ganz einfach: Fragen Sie ihren Stadtrat oder Ihr Kreistagsmitglied, wie es sich verhalten würde mit dem Krankenhaus. Ob es bereit wäre, mit seinem Namen für eine Privatisierung, auch eine verdeckte, einzustehen. Letztlich haben es die 36 Stadträte und 46 Kreistagsmitglieder in ihren Händen. Kein anderer.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
meiner meinung nach
18.04.2011, 11:57 Uhr
Privatisierung
Die Gesellschafter und damit die einzelnen Abgeordneten haben dies sicher in der Hand. „Steigbügelhalter“ für private Investoren sind aber auch die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat des Hauses. Denn wenn erst einmal rote Zahlen geschrieben werden, werden natürlich die Gesellschafter schnell nervös.

Leider hat auch der Wechsel der Geschäftsführung noch nicht zu einer wesentlichen Stärkung des medizinischen Profils geführt. Auch ist eine gezielte Stärkung von gewinnbringenden medizinischen Einrichtungen, zumindest was die Stellenverteilung angeht, bislang nicht erkennbar.

Dringend benötigte Oberarztstellen konnten bislang nur in einigen Bereichen neu besetzt werden. Was diesem Haus gut täte, wäre Sachverstand in Verwaltung und Aufsichtsrat, der den Blick von „außen“ wie auch genaue Kenntnisse der internen medizinischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge im Haus einschließt, sowie eine wirkliche Parität von medizinischem und wirtschaftlichem Vorstand.

Leider fehlt den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat hierfür seit Jahren der Blick und offenbar scheint sich daran auch weiterhin nichts zu ändern. Also werden wir uns mit dem Gedanken wohl oder übel anfreunden müssen, dass dieses Haus irgendwann privatisiert werden wird. Da helfen auch Durchhalteparolen und Beteuerungen nichts.
Sparer
18.04.2011, 14:23 Uhr
Danke
Danke, Herr Greiner für diesen aufschlußreichen Artikel, eigentlich bin ich als Bewohner von Nordhausen froh, dass es diese tolle medizinische Einrichtung gibt.

Ich bin sehr entsetzt, welche Macht offensichtlich politische Kleingeister haben, denn an jedem Gerücht ist stets ein Funken Wahrheit. Ich hoffe alle Nordhäuser werden hellhörig und erkennen rechtzeitig das Eurozeichen in der Pupille dieser "Volksvertreter".

Ich selbst kann über das Krankenhaus und die Betreuung dort nur Gutes sagen. Gleichgültig, ob es die Mitarbeiter im Servicebereich, die Mitarbeiter in der Notfallambulanz oder die medizinische und menschliche Betreuung auf Station ist, es stimmt. Allen die ständig was zu meckern haben zum Nachdenken, erst einmal selber leisten, was dort geleistet wird und vielleicht auch besser machen und dann sachliche Hinweise geben.

Ich hoffe die bestehenden Strukturen werden nicht zerschlagen.
Iffland
18.04.2011, 17:52 Uhr
Keine Pläne für Privatisierung des SHK
Natürlich gibt es Leute, die herumlaufen und erzählen, dass der Landkreis pleite ist und wenn er Geld braucht verkauft er alles was er nicht benötigt. Wer die Debatten um das Südharzkrankenhaus in den letzten Monaten verfolgt hat, der dürfte die eindeutigen Signale nicht überhört haben.

Der Nordhäuser Stadtrat, wie auch die Oberbürgermeisterin, der Landrat sowie die neuen Geschäftsführer sprachen sich eindeutig gegen eine Privatisierung aus.
Durch die ständigen Gerüchte werden Mitarbeiter verunsichert und neue Interessenten verschreckt.

Geeignetes Personal zu finden ist nicht leicht. Jeder der sich damit beschäftigt hat weiß, dass viele Ärzte nach Süddeutschland gehen oder gar nach Dänemark, Schweden und England weil dort die Bezahlung deutlich höher ist.

Die neuen Geschäftsführer haben gerade erst mit Ihrer Arbeit begonnen, nicht alles kann man binnen weniger Tage umwerfen oder umstellen. Hier braucht es Unterstützung nicht wilde Gerüchte.
Steffen Iffland, Stadtrat
Bonefatius K.
19.04.2011, 06:47 Uhr
Selbst in den Händen
Werter Herr Iffland,
ich kann mich nicht erinnern das während der Diensttätigkeit des "alten Geschäftsführers" (A.Pille) auch nur annähernd ähnliche Diskussionen geführt wurden, sie waren nicht nötig. Hier liegt doch der Hase im Pfeffer!
H.Buntfuß
19.04.2011, 08:18 Uhr
Was Politiker...
HEUTE sagen, hat doch in den MEISTEN Fällen MORGEN keine Gültigkeit mehr. Wie sagte doch Müntefering (SPD) Sinngemäß. „Ihr dürft uns nicht an dem messen, was wir vor der Wahl sagen.“
meiner meinung nach
19.04.2011, 13:37 Uhr
@Steffen Iffland
Lieber Herr Iffland und alle anderen Entscheidungsträger,

Man macht es sich zu einfach, wenn man sagt, gutes Personal sei schlecht zu bekommen. Mit diesen Allgemeinargumenten geht es nicht weiter und zeigt nur die Hilflosigkeit und fehlende Einsicht von Aufsichtsrat und Gesellschaftern.

Eine Lösung wäre, dass das vorhandene Personal individuelle Perspektiven geboten bekommen muß um zu bleiben! Hier ist eine geschickte Personalpolitik vonnöten. Man kann hier nicht mit dem Standpunkt herangehen, wer wolle könne ja gehen...

Gehen Sie mal über die Stationen und reden mal diskret selbst mit den Fachärzten, Oberärzten und den Chefärzten. Machen Sie sich mal ein eigenes Bild, in dem sie diejenigen fragen, von deren Ruf und Können das Haus maßgeblich abhängt. In manchen Abteilungen ist der Verschleiß durch die angespannte Personalsituation so hoch, daß die Gefahr groß ist, daß diejenigen, die noch da sind, auch noch dabei sind, die Segel zu streichen.

Es ist nur zu begrüßen, dass eine öffentliche Diskussion hierüber in Gang kommt und bleibt! Wie sieht denn der "Masterplan" für das Haus konkret aus? Was wird denn unternommen, um fachlich-personelle Engpässe zu beseitigen und das Haus auf wirtschaftlich stabilem Kurs zu halten?

Es wird zu viel im stillen Kämmerlein ausgemacht, und es scheint daß leider nach wie vor erhebliche Informationsdefizite bei Aufsichtsrat und Gesellschaftern bestehen. Wer hat denn die Qualifikation, wirklich "Aufsicht" zu führen und "Rat" zu geben???
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