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Mo, 12:52 Uhr
05.02.2001

Mehr Geld für Schulen, nicht für neuen Landtag

Nordhausen (nnz). "Auf unserer letzten Zusammenkunft der gewählten Schulelternsprecher der Regelschulen des Kreises Nordhausen haben wir beschlossen, uns aus Sorge um die Zukunft unserer Kinder uns an Sie, Herr Dr. Vogel, wie auch an die im Landtag vertretenen Fraktionen zu wenden. Wir müssen feststellen, daß die derzeitige Bildungspolitik in Thüringen zu einem gravierenden Qualitätsverlust führt und weiter führen wird. Das Thüringer Kultusministerium bereitet in Umsetzung des Landeshaushaltes 2001/2002 einen massiven Personalabbau vor. Mehr als 600 Grundschullehrer und Erzieher sollen in diesem Jahr in Thüringen entlassen werden, so Kultusminister Krapp in seiner Regierungserklärung vom 26.1.2001. In den folgenden Jahren wird der massive Stellenabbau im Bereich der Regelschulen und Gymnasien fortgesetzt. In den Thüringer Schulen werden dadurch noch mehr Stunden als bisher ausfallen. Diese Mangelsituation wird sich noch weiter verschärfen. Dem gegenüber sinken die Ausgaben des Landes für die Thüringer Schulen von Jahr zu Jahr. Viele Lehrer sind von Zukunftsängsten geplagt. Der momentan stattfindende Nervenkrieg läßt normale Unterrichtsabläufe und eine hohe pädagogische Leistungsbereitschaft nicht mehr zu. Diejenigen, die mit den Resultaten des Bildungssystems zurechtkommen müssen, also vor allem die Hochschulen und die Wirtschaft und nicht zuletzt die Eltern, zweifeln daran, ob die Schule heute das leistet, was Schüler für die Zukunft brauchen.
Immer mehr Schüler überlegen bereits heute, wohin, in welches Bundesland sie auswandern, weil sie den Berufschancen nicht mehr vertrauen. Eine leider zunehmende Anzahl von Schülern gibt sich bereits während der Schulzeit auf. Sie steigen innerlich aus, verweigern Leistungen und sind auf dem Weg ins dauerhafte Abseits unserer Gesellschaft. Lehrerentlassungen, Floating, Abwanderungen von Lehrern in alte Bundesländer stehen einem sinkenden Niveau des Unterrichts, Flucht von Schülern auf die Gymnasien ohne entsprechende Leistungsvoraussetzungen, hohem Stundenausfall und unzureichender Prüfungsvorbereitung gegenüber. Ständig wird uns Eltern gesagt: "Wir würden ja gern mehr in die Bildung investieren, aber es fehlt an Geld". Wie vereinbart es sich aber dann damit, daß ca. 90 Millionen Mark für einen neuen Landtag ausgegeben werden sollen? Unsere Politiker und Abgeordneten sollten einmal in solchen Verhältnissen arbeiten, wie unsere Schüler lernen müssen. Die meisten Unterrichtsräume und Fachkabinette entsprechen nicht dem notwendigen Standart, um Spitzenleistungen zu erbringen.
Wir fordern einen sofortigen Stopp von Lehrerentlassungen wie auch den Ausverkauf von Lehrern in die alten Bundesländer. Einen sofortigen Stopp des Baues des neuen Landtages zu Gunsten von Bildungs- und Sozialeinrichtungen! Eine lückenlose Erfassung aller tatsächlichen Ausfallstunden an den Schulen durch das Kultusministerium über das gesamte Schuljahr. Eine Reduzierung von Planstellen anhand der tatsächlich vorhandenen Schülerzahlen!
Eine Frage an die zuständige Gewerkschaft: Bei uns Eltern verstärkt sich der Eindruck immer mehr, daß die Lehrer von der GEW im Stich gelassen werden. Wo bleibt ihre Unterstützung? Wo bleibt die Diskussion um das von der GEW schon vor Jahren verfaßte bildungspolitische Programm, was bereits in großen Teilen die Zustimmung der Eltern hatte? Wir, die Eltern der Regelschulen des Landkreises Nordhausen, schließen uns der Innitiative "Bildung-Pro-Thüringen" voll an. Es kommt aber darauf an, unsere Kräfte nicht zu zersplittern. Nur gemeinsam können wir Erfolge erreichen, nur gemeinsam sind wir stark. Wir rufen alle Eltern und Elternvertretungen Thüringens auf, von den Politikern Thüringens eine andere - auf die Zukunft orientierte - Bildungspolitik zu fordern."
Harald Hoffman, Kreiselternsprecher der Regelschulen
Autor: nnz

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