Sa, 19:19 Uhr
07.06.2003
Der Dieter war da!
Nordhausen (nnz). Die PDS im Landkreis Nordhausen wollte jetzt endlich wissen, was da in diesem, im Noch-Bundesvorstand los ist. Antworten wollten die Sozialisten vielleicht auch auf die Frage, was denn mit ihnen los ist? Also wurde Dieter Dehm, der Partei-Vize eingeladen.
Der Dieter kam denn auch noch aus Berlin, zwar mit einer klitzekleinen Verspätung, aber er machte der Basis seine Aufwartung. Nicht alle, vor allem die Herreder Basis, waren mit der Einladung so recht glücklich. Matthias Mitteldorf, der frischgebackene Landtagskandidat, ist nicht mehr der Freund des Paradiesvogels und war er der Moderator. Doch Dehm verstand es natürlich, sich und seine Partei zu inszenieren.
Ich, der Marxist!
Ich bin Marxist, sagte der Vizevorständler da so in den Saal von Ottos Steakhause hinein, der noch vor gar nicht allzu langer Zeit im Frankfurter Römer für die SPD mitregierte. Und Dehm referierte dann auch gekonnt, routiniert und abgeklärt seine Thesen. Die PDS müsse sich von Mitte-Links lossagen, sie sollte eine sozialistische Alleinstellung einnehmen in diesem Kapitalismus, der abgeschafft werden müsse. Weg mit den Führungsaspiranten der ehemaligen FDJ und SED und mehr Westler in die Partei und: Mit aller Kraft gegen den Killer-Kapitalismus, denn die PDS müsse die antikapitalistische Partei schlechthin in dieser Republik werden.
Der Dieter, der ist zwar auch fürs Mitregieren, doch das nicht um jeden Preis. Man solle sich – statt den Ministerposten in den Ländern – lieber den Ikonen der globalisierten Attac-Bewegung hinwenden. Hier läge das eigentliche Potential.
Ich, der radikale Demokrat!
Mehr Kunst und Kultur müsse in die Partei, sagte der Dieter. Vielleicht hätte ihn die Gabi aus Thüringen mal mit einem Kunstparteitag der PDS besänftigen können. Dafür machte Gabi lieber Friedens- und Frauenparteitage. Im Vorstand habe man sich oft gefetzt, doch das gehöre eben mal dazu, letztlich aber müsse man zu Beschlüssen stehen und sie nicht nach einer Stunde niederreden. Das alles sagte der Dieter, der Götter überhaupt nicht mag. Vor allem, wenn die Gysi heißen.
Er will wieder antreten zur Wahl des Vorstandes auf dieser Außerordentlichen Tagung des Parteitages Ende Juni in Berlin. Und da er mit dem Lothar, dem Bisky, schon oft mal zusammen im Urlaub gewesen sei, habe er durchaus Chancen, wie Partei von links wieder aufzumischen. Von links, wenn man die Landkarte sich anschaut.
Fast einstimmig klar ist den Genossen hier in Nordhausen, im Osten, dass man den Westen zur gesamtdeutschen Etablierung dringend brauche. Doch momentan, so wurde inoffiziell nach dem Besuch von Dieter geredet, brauche man die Herren Dehm oder Hiksch nur zum eigenen Begräbnis. Das ist der Spagat, den die Sozialisten seit einigen Monaten aushalten müssen. Sie haben ihn sich aber herbeigewählt, auf Parteitagen in Cottbus, Münster und Gera. Auch die Nordhäuser Delegierten, die schon seit Generationen Hermsdorf und Falley heißen.
Ich, der Eitle!
Der Dieter, so sagte er in Nordhausen, der mag keine Medien. Vor allem, wenn sie bei großen Verlagshäusern wie Springer oder Kirch angesiedelt sind. Er mag diese Leute nicht, weil sie oberflächlich mit dem umgehen, was in der Führungsetage der PDS gesagt und geflüstert wird. Sicher, BILD oder Focus, das sind keine Freunde der Linken. Doch man mag sich erinnern: Als die PDS als Gruppe im Bundestag saß, da war sie in den Medien präsent. In den öffentlich Rechtlichen und den Privaten. Und sie hatte Leute, die mit diesen Medien umgehen konnten. Das waren nun mal Bartzsch und Gysi. Sie bildeten die PDS nach außen ab. War das schlecht für die PDS?
Doch man mag sich weiter erinnern: Mehrfach war zu Wahlkämpfen der Gysi in Nordhausen. Jede Halle schien zu klein für den Frontmann mit dem großen Besen des Jahres 1989. Im vergangenen Jahr kam im Vorfeld der Bundestagswahl die Gabi aus Thüringen nach Nordthüringen. Im kleinen Zimmer des Rosengartens waren noch ein paar Plätze frei. Sie blieben es auch. Und man war unter sich!
Frank Hermsdorf und Elke Falley – die beiden Dauer-Delegierten zu Parteitagen – haben es am letzten Juniwochende mit in der Hand: Sie müssen die PDS wieder auf Kurs bringen. Es wird die Wanderung auf dem Grat werden, da oben in Berlin. Neuanfang oder Untergang! Aber in Nordhausen hat man das vermutlich nur zum Teil begriffen. Am Freitagabend waren viele Genossen erst einmal ergriffen:
Der Dieter war da!
Autor: nnz
Der Dieter kam denn auch noch aus Berlin, zwar mit einer klitzekleinen Verspätung, aber er machte der Basis seine Aufwartung. Nicht alle, vor allem die Herreder Basis, waren mit der Einladung so recht glücklich. Matthias Mitteldorf, der frischgebackene Landtagskandidat, ist nicht mehr der Freund des Paradiesvogels und war er der Moderator. Doch Dehm verstand es natürlich, sich und seine Partei zu inszenieren.Ich, der Marxist!
Ich bin Marxist, sagte der Vizevorständler da so in den Saal von Ottos Steakhause hinein, der noch vor gar nicht allzu langer Zeit im Frankfurter Römer für die SPD mitregierte. Und Dehm referierte dann auch gekonnt, routiniert und abgeklärt seine Thesen. Die PDS müsse sich von Mitte-Links lossagen, sie sollte eine sozialistische Alleinstellung einnehmen in diesem Kapitalismus, der abgeschafft werden müsse. Weg mit den Führungsaspiranten der ehemaligen FDJ und SED und mehr Westler in die Partei und: Mit aller Kraft gegen den Killer-Kapitalismus, denn die PDS müsse die antikapitalistische Partei schlechthin in dieser Republik werden.
Der Dieter, der ist zwar auch fürs Mitregieren, doch das nicht um jeden Preis. Man solle sich – statt den Ministerposten in den Ländern – lieber den Ikonen der globalisierten Attac-Bewegung hinwenden. Hier läge das eigentliche Potential.
Ich, der radikale Demokrat!
Mehr Kunst und Kultur müsse in die Partei, sagte der Dieter. Vielleicht hätte ihn die Gabi aus Thüringen mal mit einem Kunstparteitag der PDS besänftigen können. Dafür machte Gabi lieber Friedens- und Frauenparteitage. Im Vorstand habe man sich oft gefetzt, doch das gehöre eben mal dazu, letztlich aber müsse man zu Beschlüssen stehen und sie nicht nach einer Stunde niederreden. Das alles sagte der Dieter, der Götter überhaupt nicht mag. Vor allem, wenn die Gysi heißen.
Er will wieder antreten zur Wahl des Vorstandes auf dieser Außerordentlichen Tagung des Parteitages Ende Juni in Berlin. Und da er mit dem Lothar, dem Bisky, schon oft mal zusammen im Urlaub gewesen sei, habe er durchaus Chancen, wie Partei von links wieder aufzumischen. Von links, wenn man die Landkarte sich anschaut.
Fast einstimmig klar ist den Genossen hier in Nordhausen, im Osten, dass man den Westen zur gesamtdeutschen Etablierung dringend brauche. Doch momentan, so wurde inoffiziell nach dem Besuch von Dieter geredet, brauche man die Herren Dehm oder Hiksch nur zum eigenen Begräbnis. Das ist der Spagat, den die Sozialisten seit einigen Monaten aushalten müssen. Sie haben ihn sich aber herbeigewählt, auf Parteitagen in Cottbus, Münster und Gera. Auch die Nordhäuser Delegierten, die schon seit Generationen Hermsdorf und Falley heißen.
Ich, der Eitle!
Der Dieter, so sagte er in Nordhausen, der mag keine Medien. Vor allem, wenn sie bei großen Verlagshäusern wie Springer oder Kirch angesiedelt sind. Er mag diese Leute nicht, weil sie oberflächlich mit dem umgehen, was in der Führungsetage der PDS gesagt und geflüstert wird. Sicher, BILD oder Focus, das sind keine Freunde der Linken. Doch man mag sich erinnern: Als die PDS als Gruppe im Bundestag saß, da war sie in den Medien präsent. In den öffentlich Rechtlichen und den Privaten. Und sie hatte Leute, die mit diesen Medien umgehen konnten. Das waren nun mal Bartzsch und Gysi. Sie bildeten die PDS nach außen ab. War das schlecht für die PDS?Doch man mag sich weiter erinnern: Mehrfach war zu Wahlkämpfen der Gysi in Nordhausen. Jede Halle schien zu klein für den Frontmann mit dem großen Besen des Jahres 1989. Im vergangenen Jahr kam im Vorfeld der Bundestagswahl die Gabi aus Thüringen nach Nordthüringen. Im kleinen Zimmer des Rosengartens waren noch ein paar Plätze frei. Sie blieben es auch. Und man war unter sich!
Frank Hermsdorf und Elke Falley – die beiden Dauer-Delegierten zu Parteitagen – haben es am letzten Juniwochende mit in der Hand: Sie müssen die PDS wieder auf Kurs bringen. Es wird die Wanderung auf dem Grat werden, da oben in Berlin. Neuanfang oder Untergang! Aber in Nordhausen hat man das vermutlich nur zum Teil begriffen. Am Freitagabend waren viele Genossen erst einmal ergriffen:
Der Dieter war da!


