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Mi, 12:29 Uhr
06.04.2011

nnz-Forum: Richtig oder falsch

War es richtig oder falsch, bei dem Gedenken am Sonntag ab der Stele, ein Transparent zu entrollen? Dieser Frage geht das Bündnis gegen Rechts im Forum der nnz nach...


Viel wurde zur Gedenkveranstaltung der Bombardierung Nordhausens am 3. April 2011 geschrieben und diskutiert. Einschätzungen wurden getroffen, dass eine Gedenkveranstaltung nicht der Platz für Transparente ist, nicht der Platz an dem sich „Katz und Maus“ jagen sollten. Transparente seien derer nicht würdig, die in einem Krieg ihr Leben, ihre Verwandten und Kinder ließen. So der Tenor einiger. Es gab auch den Verweis auf eine alte Frau, welche am Rand der Veranstaltung auf die Neonazis einredete und vermeintlich nicht verstand, was dort eigentlich passiert.

Auch Mitglieder des Bündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) Nordhausen haben sich darüber Gedanken gemacht, ob es richtig ist zu einer Gedenkveranstaltung, trotz der Anwesenheit von Anhängern der rechtsextremen Szene, Stillschweigen zu bewahren und zu ertragen, was man nicht ertragen kann. Es war nicht die „Antifa“, welche mit einem Transparent gegen Nazis Flagge zeigte. Am 3. April diesen Jahres waren es Jugendliche der evangelischen Kirche, Studentinnen und Studenten und ein Pfarrer.

Es war auch nicht die „Antifa“ die sich vor ein Transparent der Nazis stellte um das zu verdecken, was den Nordhäuserinnen und Nordhäusern einmal mehr die Schamröte ins Gesicht treiben sollte. Es waren Jugendliche, eine Landtagsabgeordnete, Stadträte und Kreistagsmitglieder. Und, das ist wohl das Wichtigste, die ältere Dame die neben den Neonazis stand und auf
sie einredete, hatte sehr wohl verstanden. Sie ist 82 Jahre alt, Nordhäuserin und eine Überlebende des 2. Weltkrieges. Ein Krieg der von einem Menschen verachtenden Regime losgetreten wurde und der ganzen Welt den Tod brachte.

Wir haben mit der älteren Dame gesprochen und sie gefragt, was sie über die Veranstaltung denkt und was sie über den offenen Protest von Pfarrer Kube und den Menschen denkt, die das Transparent der Nazis verdecken wollten. Sie sagte: „Ich bin empört, dass sich nicht mehr Menschen vor das Transparent der Nazis gestellt haben. Als ich gesehen habe wie die Menschen vor dem Transparent geschubst wurden, bin ich hingegangen und habe zu den Leuten in den schwarzen Anzügen gesagt, dass sie doch noch so junge Menschen sind, die nie den Krieg erlebt haben. Sie wissen gar nicht was Krieg bedeutet. Ich habe 1945 vor dem Kino die Trümmer klein geschlagen und ich habe die Menschen sterben sehen. Ich bin entsetzt darüber, dass im Nachhinein links und rechts gleichgesetzt wurde. Es haben zu viele Menschen gelitten, um heute so etwas stillschweigend hinzunehmen. Ich war fassungslos als ich nach Hause ging.“

Für das BgR ist diese Aussage sehr bewegend. Eine 82jährige Frau, die sich nicht scheute martialisch wirkenden Neonazis in die Augen zu sehen und ihnen ihre Meinung zu sagen. Zu mahnen, dass sich die Vergangenheit nie wiederholen darf. Die Frage nach dem richtigen oder falschen Gedenken ist damit nicht abschließend geklärt und ist eine Frage der eigenen Wahrnehmung. Die ältere Dame hat sie für sich beantwortet.
SprecherInnenKreis BgR Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Kreisbuerger
06.04.2011, 12:52 Uhr
Flagge zeigen
Auf der Internetseite des Bündnisses steht im Übrigen: Bündnis gegen RechtsEXTREMISMUS!!!

Formen des Extremismus (ob Links, Rechts oder glaubensbedingt) zu bekämpfen, bzw. dagegen einzutreten kann ich noch vollkommen verstehen und finde ich auch legitim. Dann aber bitte gegen alle Formen, sonst ist es auch nur ein weiterer politischer Kampf der unterschiedlichen politischen Ausrichtungen.

Sich gegen eine politische Strömung zu verbünden, und im gleichen Atemzug aber von Toleranz und Demokratie zu sprechen, ist mehr als nur unlogisch.

Das sich das Bündnis nicht gegen Peter Kube und die anderen Aktivisten ausspricht ist dagegen wieder logisch. Meines Wissens engagiert sich der Pfarrer selber in diesem Zusammenschluss.
Retupmoc
06.04.2011, 13:25 Uhr
Meine Mutter,
war 1945 10 Jahre alt. Aber sie kann sich noch genau daran erinnern, wie sie mit ihrer Schwester (8 Jahre) aus dem brennenden Nordhausen flüchtete, nicht wissend ob ihre Mutter noch lebte. Sie erinnert sich aber nur zu gut daran, wie sie als Kinder aus englischen Bomberflugzeugen auf der Flucht in der Nähe von der Schönen Aussicht gezielt beschossen wurden.

Sie sagt, wir konnten sogar die Köpfe der Piloten erkennen, so tief flogen sie. Ihre Schwester hat das nicht überlebt. Sie wurde getroffen. Und mein liebes Bündnis gegen Rechts und mein sehr geehrter Herr Pfarrer: Ich bin jetzt ein Rechter, wenn ich das erzähle? Wenn ich sage, das auch das feiger Mord an Kindern war?

Natürlich haben Adolf`s Schergen halb Europa überfallen und haben selbst Frauen und Kinder gemetzelt. Und ja die Nazis haben damit angefangen. Und natürlich darf das nicht wieder geschehen.Ich bin aber sprachlos darüber, das man heute keine Wahrheiten mehr sagen kann, ohne in eine rechte Ecke gestellt zu werden. Die Wahrheit muß leider auch Ihr Bündnis nebst Herrn Kube bitte mal zur Kenntnis nehmen.

Ich persönlich würde dem Bündnis gegen Rechts mal empfehlen, die Augen auf zu machen und gegen den Krieg in Afghanistan und Lybien mobil zu machen. Denn dort sterben auch Frauen, Kinder und Zivilisten. Und Deutschland macht an einer der vordersten Fronten mit.

Wie war das mit dem Satz...das von Deutschland kein Krieg ausgehen darf? Vielleicht kümmert man sich endlich einmal um die Gegenwart? Wetten das HEUTE in Afghanistan wieder UNSCHULDIGE sterben. Und WETTEN das die Munition in Deutschland produziert wurde? Ich würde mir wünschen, wenn man einmal dagegen Flagge zeigen würde. Wenn man das tut - dann bin ich dabei! SOFORT!
Wolfi65
06.04.2011, 14:40 Uhr
Befreier
Wie kann man nur unsere Befreier so ins schlechte Licht rücken.
Auf flüchtende Frauen und Kinder geschossen, das geht ja gar nicht und passt auch irgendwie nicht in die Geschichte, wie sie uns mal eingetrichtert wurde.
Da ist jetzt aber leicht die Demokratie ins Schwanken gekommen. Noch ein paar solcher Wahrheiten und die Demokratie ist am Ende.
Eiskräuter74
06.04.2011, 19:51 Uhr
Tolerante und Weltoffene Linke und Antifaschisten !
Wer nimmt sich das Recht heraus hier Alles und Jeden als Nazi oder Rechtsextrem zu bezeichnen,der vielleicht ein bisschen Heimatverbundenheit zeigt ? Oder trugen die "Schwarzen" Armbinden um ihre Zugehörigkeit zu demonstrieren ? Aber jetzt wird schon von den ach so toleranten Linken festgelegt wer trauern darf und wer nicht ! Nationalstolz ist was für andere Länder, aber nicht für uns? Habe ich das jetzt richtig verstanden ?
Iffland
06.04.2011, 21:19 Uhr
Auch die Aliierten begingen Kriegsverbrechen
teilweise wurde Sie aufgearbeitet, überwiegend aber nur regional, dort wo Sie stattfanden. Selten werden bei den Siegern die Verbrechen aufgearbeitet. Auf das gesammte Kriegsgeschehen gehen leider die organisierten Kriegsverbrechen eindeutig auf die deutsche Kappe.

Das Gedenken gilt allen Opfern. Die Schwester meiner Großmutter starb im Keller auf dem Petersberg im 8. Monat schwanger, mit 17 Anderen. Nur ihr Sohn flog aus dem Keller und überlebte. Er gedenkt jeden 4.4. seiner Familie, Freunden und Nachbarn.
heim_werker
07.04.2011, 19:28 Uhr
Ich habe rwe62 nichts weiter hinzuzufügen.
Der Mann hat unbedingt recht. Man sollte die Vergangenheit nicht vergessen, aber man sollte langsam an das heutige Unrecht denken, daß gerade von den Ländern verübt wird, die so für Demokratie und Freiheit einstehen.

Sie vergessen dabei nur, das nicht jeder die Freiheit will, die nach dem Motto" willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein" verbreiten wird. Dabei spielt Deutschland eine nicht unbedeutende Rolle.

Im übrigen ist sicher nicht strittig, daß Deutschland den 2. Weltkrieg angefangen hat. Man darf aber nicht vergessen, daß Politiker wie z. B.der engl. Premier. Chamberlein wohl an einem Krieg Deutschlands gegen die damalige Sowjetunion interessiert war. Er hätte wohl verhindern können, daß die Tschechoslowakei und Polen sowie der Elsas von Deutschland besetzt wurden. England, Frankreich und die USA hatten auch die Macht den Vertrag von Verdun durchzusetzen. Es geschah nichts.

Deutschlands Kriegsvorbereitung ( siehe Spanien ) wurde von diesen Staaten geduldet und sogar gefördert. Es ist leider so, daß immer der Sieger die Geschichte so auslegt, daß er gut dabei wegkommt. Eine objektive Geschichtsdarstellung gibt es nicht. Ich möchte allerdings noch einmal betonen, daß es Deutschland letztendlich war, das soviel Leid über die Menschheit gebracht hat. Es muß aber auch einmal mit der " Asche aufs Haupt " Schluß sein.
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