Fr, 10:37 Uhr
02.02.2001
Warum sollen die Tiere für unser Unvermögen büßen?
nnz:Frau von Glasenapp, am vergangenen Wochenende begann in Mücheln die Keulung von 1000 Rindern, weil bei einem Tier ein positiver BSE-Befund vorlag. Wie sagt die Nordhäuser Tierhilfe e.V. zur Tötung ganzer Rinderbestände?
von Glasenapp: Die Mitglieder der Nordhäuser Tierhilfe e.V. haben sich auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag dazu positioniert. Wir Tierschützer lehnen das massenhafte Töten von Rindern kategorisch ab, denn der Grundsatz des Tierschutzgesetzes bestimmt unser Handeln. Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Dieses Gesetz wird mit der Anweisung zur Massentötung gebrochen. Ohne groß zu überlegen und sich der Verantwortung zur Kreatur bewußt zu sein, wird die Anordnung zur Keulung ganzer Rinderbestände gegeben. Es wird wie immer das Tier mißbraucht und sein Halter in den Ruin getrieben.
nnz: Welche Alternative sieht die Nordhäuser Tierhilfe e.V. zur Massentötung von Rindern?
von Glasenapp: Mit der Tötung ganzer Rinderbestände wird dem Verbraucher eine nicht verantwortbare Sicherheit suggeriert. Da eine Übertragung von Rind zu Rind nicht bewiesen, aber eine Übertragung von Mutter auf das Kalb anzunehmen ist, wäre eine Alternative die Keulung der Kohorten, das heißt, die Tötung und eine anschließende Untersuchung der gesamten "Rinderfamilie" einschließlich der "Großeltern" eines BSE-erkrankten Rindes. Der andere Bestand sollte unter amtliche Kontrolle gestellt und bei Schlachtung genau untersucht werden.
nnz: Sehen Sie Chancen, die Tötung ganzer Rinderbestände zu verhindern?
von Glasenapp: Das wichtigste ist meiner Meinung nach, die Gelder, die jetzt zur Massentötung und zur Verbrennung der Tierkadaver verwendet werden, in die Wissenschaft zu stecken, um schnellstens einen Test zu entwickeln, damit die BSE-Erkrankung im Blut des Rindes nachgewiesen werden kann. Damit wäre die Tötung der Tiere hinfällig, bei denen kein Krankheitserreger vorhanden ist.
nnz: Was erwarten die Tierschützer in Bezug auf BSE von den Politikern?
von Glasenapp: Wir sind dafür, daß solche schwerwiegenden Entscheidungen, wie die Massentötung in Mücheln, nicht allein von den Politikern getroffen werden, da sie nicht die nötige Fachkompetenz zur BSE-Problematik besitzen, sondern es müssen Fachleute hinzugezogen werden. Des weiteren müssen die Politiker endlich durchsetzen, das Gesetze, wie beispielsweise das Verbot des Verfütterns von Tierkörpermehl an Wiederkäuer, strengstens eingehalten werden. Wie kann es sonst sein, das Tierkörpermehl immer wieder in Tierfutter nachgewiesen wird, obwohl es schon seit 1994 verboten ist. Dem Bauern kann man keinen Vorwurf machen, er muß den Futtermittelherstellern glauben, wenn sie ihm versichern, daß kein Tierkörpermehl verwendet wurde. Er hat keine Möglichkeit das Futter zu analysieren.
nnz: Was kann noch getan werden, um das Risiko einer BSE-Erkrankung so gering wie möglich zu halten?
von Glasenapp: Das Wichtigste ist, daß die Tiere artgerecht gehalten werden, zum Beispiel Weidehaltung. Das Rind ist ein Pflanzenfresser und braucht kein tierisches Eiweiß. Damit könnte man im Prinzip die Quelle der Infektion bedeutend senken. Für uns Tierschützer ist außerdem wichtig, daß die Tiere am nächstgelegenen Schlachthof - maximal in 100 km Entfernung - geschlachtet werden, um unnötig lange Transporte zu vermeiden. Man sollte auch bei der Schlachtung darauf achten, daß nicht das übliche Verfahren - das Rind in zwei Hälften zu teilen - angewandt wird, sondern, daß die Wirbelsäule ganz gelassen wird, damit der Erreger aus dem Rückenmark nicht austreten kann. Das schafft zusätzliche Sicherheit. Aufputschmittel für Pflanze und Tier dürfen nicht mehr zum Einsatz kommen. Wir Menschen müssen langsam aufwachen, denn den Schaden müssen wir selbst ausbaden. Warum sollen die Tiere für unser Unvermögen büßen?
nnz: Eine letzte Frage, essen Sie noch Fleisch vom Rind?
von Glasenapp: Aber selbstverständlich esse ich weiter Rindfleisch, denn die Gefahr an Creutzfeld-Jacob zu erkranken, ist wesentlich geringer, als die Gefahr, von einem Auto überfahren zu werden!
Autor: rhvon Glasenapp: Die Mitglieder der Nordhäuser Tierhilfe e.V. haben sich auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag dazu positioniert. Wir Tierschützer lehnen das massenhafte Töten von Rindern kategorisch ab, denn der Grundsatz des Tierschutzgesetzes bestimmt unser Handeln. Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Dieses Gesetz wird mit der Anweisung zur Massentötung gebrochen. Ohne groß zu überlegen und sich der Verantwortung zur Kreatur bewußt zu sein, wird die Anordnung zur Keulung ganzer Rinderbestände gegeben. Es wird wie immer das Tier mißbraucht und sein Halter in den Ruin getrieben.
nnz: Welche Alternative sieht die Nordhäuser Tierhilfe e.V. zur Massentötung von Rindern?
von Glasenapp: Mit der Tötung ganzer Rinderbestände wird dem Verbraucher eine nicht verantwortbare Sicherheit suggeriert. Da eine Übertragung von Rind zu Rind nicht bewiesen, aber eine Übertragung von Mutter auf das Kalb anzunehmen ist, wäre eine Alternative die Keulung der Kohorten, das heißt, die Tötung und eine anschließende Untersuchung der gesamten "Rinderfamilie" einschließlich der "Großeltern" eines BSE-erkrankten Rindes. Der andere Bestand sollte unter amtliche Kontrolle gestellt und bei Schlachtung genau untersucht werden.
nnz: Sehen Sie Chancen, die Tötung ganzer Rinderbestände zu verhindern?
von Glasenapp: Das wichtigste ist meiner Meinung nach, die Gelder, die jetzt zur Massentötung und zur Verbrennung der Tierkadaver verwendet werden, in die Wissenschaft zu stecken, um schnellstens einen Test zu entwickeln, damit die BSE-Erkrankung im Blut des Rindes nachgewiesen werden kann. Damit wäre die Tötung der Tiere hinfällig, bei denen kein Krankheitserreger vorhanden ist.
nnz: Was erwarten die Tierschützer in Bezug auf BSE von den Politikern?
von Glasenapp: Wir sind dafür, daß solche schwerwiegenden Entscheidungen, wie die Massentötung in Mücheln, nicht allein von den Politikern getroffen werden, da sie nicht die nötige Fachkompetenz zur BSE-Problematik besitzen, sondern es müssen Fachleute hinzugezogen werden. Des weiteren müssen die Politiker endlich durchsetzen, das Gesetze, wie beispielsweise das Verbot des Verfütterns von Tierkörpermehl an Wiederkäuer, strengstens eingehalten werden. Wie kann es sonst sein, das Tierkörpermehl immer wieder in Tierfutter nachgewiesen wird, obwohl es schon seit 1994 verboten ist. Dem Bauern kann man keinen Vorwurf machen, er muß den Futtermittelherstellern glauben, wenn sie ihm versichern, daß kein Tierkörpermehl verwendet wurde. Er hat keine Möglichkeit das Futter zu analysieren.
nnz: Was kann noch getan werden, um das Risiko einer BSE-Erkrankung so gering wie möglich zu halten?
von Glasenapp: Das Wichtigste ist, daß die Tiere artgerecht gehalten werden, zum Beispiel Weidehaltung. Das Rind ist ein Pflanzenfresser und braucht kein tierisches Eiweiß. Damit könnte man im Prinzip die Quelle der Infektion bedeutend senken. Für uns Tierschützer ist außerdem wichtig, daß die Tiere am nächstgelegenen Schlachthof - maximal in 100 km Entfernung - geschlachtet werden, um unnötig lange Transporte zu vermeiden. Man sollte auch bei der Schlachtung darauf achten, daß nicht das übliche Verfahren - das Rind in zwei Hälften zu teilen - angewandt wird, sondern, daß die Wirbelsäule ganz gelassen wird, damit der Erreger aus dem Rückenmark nicht austreten kann. Das schafft zusätzliche Sicherheit. Aufputschmittel für Pflanze und Tier dürfen nicht mehr zum Einsatz kommen. Wir Menschen müssen langsam aufwachen, denn den Schaden müssen wir selbst ausbaden. Warum sollen die Tiere für unser Unvermögen büßen?
nnz: Eine letzte Frage, essen Sie noch Fleisch vom Rind?
von Glasenapp: Aber selbstverständlich esse ich weiter Rindfleisch, denn die Gefahr an Creutzfeld-Jacob zu erkranken, ist wesentlich geringer, als die Gefahr, von einem Auto überfahren zu werden!


