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Fr, 07:11 Uhr
18.02.2011

Casmerodius albus ...

Einige Silberreiher (Casmerodius albus) haben derzeit Besitz vom Areal zwischen Sundhausen und der Autobahn 38 genommen, auf welchem eigentlich längst ein gigantischer Autohof entstehen sollte. Dazu Anmerkungen der Bürgerinitiative...


Die vorgesehene Fläche grenzt unmittelbar bzw. überschneidet das EU-FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) „Helme mit ihren Mühlgräben“ – ein idealer Lebensraum für viele Tierarten. Zum Glück steht der Silberreiher gegenwärtig nur in Österreich auf der roten Liste der bedrohten Tierarten. „Der Silberreiher lebt in Schilfgürteln an Seen, Flüssen und Altarmen sowie in Sümpfen, die mit Bäumen und Büschen bestanden sind. Außerhalb der Brutzeit hält er sich auch gerne in großflächigen Grünlandgebieten auf.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Silberreiher)

Mit dem Glockenläuten waren gestern wieder viele Bürger zu ihrem Kirchplatz in Sundhausen aufgebrochen - für den Erhalt der ländlichen Identität ihres Dorfes und für die Ansiedlung eines Autohofes an einer geeigneten Stelle in der hiesigen Region. Mit einem Augenzwinkern diskutierte man unter Bezug auf das Postscriptum zum nnz-Bericht „Einbahnstraße wegen Baustellenverkehr“ in der nnz ... vom 16. Februar, ob es vielleicht doch eine weitere BI - eine „Contra-Einbahnstraßen-Bürgerinitiative“ – im Ort gäbe. Anhaltspunkte dafür konnten nicht ermittelt werden. Vorbeifahrende Fahrzeuge hupten den Menschen an der Kirche zu. Post aus dem Rathaus wurde den Anwesenden bekannt gegeben. Auch mit einigen Ortsteilräten hatten Bürger gesprochen.

Vielleicht sind die Stunden der Sundhäuser Bürgerinitiative bereits gezählt, denn bald könnte sich aus derselben ein Verein gründen. Die Menschen wollen nämlich auch in Zukunft gemeinsam aktiv bleiben für ihren Ort, die Gründungsvorbereitungen laufen. Gemeinnützig wird die Arbeit sein, sie soll vor allem dem ganzen Ortsteil mit seinen Einwohnern zu gute kommen – auch Verbindungen zu anderen Gemeinden sind erwünscht. Eine Zusammenarbeit mit den bereits ortsansässigen Vereinen wird angestrebt und natürlich mit dem gewählten Gremium des Sundhäuser Ortsteilrates. Vielleicht trifft sich der neue Verein dann später Donnerstags um 18:00 Uhr?

Am kommenden Donnerstag jedenfalls laden wir wieder für 18:00 Uhr zu unserem Treff vor der Kirche unseres Ortsteiles mit anschließendem Spaziergang - diesmal zu den Silberreihern am Ortsrand - ein.
Die Sundhäuser Bürgerinitiative
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Bodo Schwarzberg
18.02.2011, 11:23 Uhr
Bürgerinitiative ohne Weitblick
Natürlich bin ich auch gegen den Autohof in Sundhausen.Aber ich vermisse im Engagement der Bürgerinitiative Konsequenz und Weitblick. Es ist doch ganz logisch, dass der zunehmende LKW-Verkehr Autohöfe braucht. (Fast) Alle, auch die Aktivisten der Initiative wollen auf ihren bequemen Wohlstand keineswegs verzichten.

Dieser wird ihnen aber in erster Linie über die Autobahn gebracht. Und über diese haben sich die meisten Nordhäuser sehr gefreut, ja sie haben sie förmlich herbeigesehnt. Wer aber W, wie Wohlstand sagt, und A, wie Autobahn, der muss auch den Buchstaben A2 wie Autohof akzeptieren. Die Haltung der Sundhäuser nach dem egoistischen Sankt Floriansprinzip, 'Verschone mein Haus und zünde andere an', halte ich für mehr als fragwürdig. Mit einer konsequenten ökologischen Haltung hat das nichts zu tun, sondern ausschließlich mit ganz persönlichen, eben eogoistischen Interessen.

Ich fordere die Bürgerinitiative daher auf, sich zeitgleich mit ihrem Protest gegen den Autohof, wohlstandsseitig zu beschränken, gegen die generelle Zunahme des LKW-Verkehrs aktiv einzutreten und einzuschreiten und zugleich gegen alle weiteren Autohöfe, zumindest in der Region, zu kämpfen.

Mir fällt auch auf, dass sich plötzlich die meisten Sundhäuser für die rastenden Silberreiher interessieren. Auch das ist in meinen Augen kein echtes Naturinteresse (denn das geht ja erwiesenermaßen immer mehr den Bach hinunter), sondern bloß ein Mittel zum Zweck - aus ganz egoistischen Gründen.

Ökologie baut sich aber über Regelkreise auf. Ein Autohof nicht hier, aber wonanders, hat daher im Prinzip ähnliche Schäden (insbes. Versiegelung) zur Folge. Ich wünsche mir von der Bürgerinitittive mehr Weitsicht und übergreifendes Denken, sonst wird die Wirtschaft immer neue Wege finden, natürlich ebenfalls aus egoistischen Interessen, unserer Umwelt Schaden zuzufügen.
mussmalsagen
19.02.2011, 22:27 Uhr
, dass eine BI keine globalen Probleme löst
Liebe Leser,
dass der Panda moralisch mit seinen Kritikpunkten Recht hat, steht ausser Frage. Die Kritik betrifft aber den überwiegenden Bevölkerungsteil der westlichen Industrieländer, also auch mich.

Ich schrieb es schon öfter, aber offensichtlich nicht oft genug:
Eine BÜRGERINITIATIVE GEGEN DEN STANDORT DES AUTOHOFES SUNDHAUSEN kann und will keine globalen Probleme lösen. Wir sind ganz normale Bürgerinnen und Bürger mit
-unterschiedlichen Berufen
-unterschiedlichen Ansichten
-verschiedenen politischen Vorstellungen
-unterschiedlichen Freizeitbeschäftigungen.

Uns einen jedoch zwei Ziele:
1. kein Autohof in Ortsnähe
(auch ein kleinerer ist laut Aussagen verschiedener Juristen nicht akzeptabel für uns, weil der dann trotz jetziger Versprechungen relativ einfach nur durch die Verwaltung genehmigt, also ohne demokratischen Entscheidungsprozess - so wie jetzt - erweitert werden kann; auf die Größe, die anfangs geplant war, nämlich 50m vom ersten Haus entfernt.
2, Rückwidmung der entsprechenden Fläche in Ackerland.

Eine Bürgerinitiative ist keine Partei, die ihre Ziele über Jahre und Jahrzehnte plant, die, wenn sie politisch aktiv ist, sich den globalen Problemen unserer Welt stellen sollte.

Dafür gehen die Mitglieder der Bürgerinitiative dann (unterschiedlich) wählen.

Wir können also keine Konzepte zu globalen Problemen wie
-Welthunger
-Energieversorgung
-Mobilität und ihre Folgen
-"(deutschlandweit) Güterverkehr auf die Schiene" anbieten. Dafür gibt es G20 usw. , und wie die das gerade versuchen, sieht ja jeder :-(

Ich kann mich auch nicht erinnern, dass jemand aus der BI den Autohof nicht will, weil er nur gegen die täglich in Deutschland stattfindende Flächenversiegelung von durchschnittlich ca.120ha demonstriert (eine schlimme Zahl- das haben wir leider erst bei Recherchen zu unserem Problem erfahren).

Jedem ist bewusst, dass unser Lebensstandard Autohöfe benötigt.

Es gab und gibt aber ALTERNATIVEN zu diesem Standort - ich meine damit nicht nur Hesserode.

Natürlich ist es mit einem Stück Natur (auf der jetzt Silberreiher zu sehen sind) wie mit anderen Dingen im Leben. Wie toll etwas ist, merkt man erst dann, wenn man es verloren hat (oder hier im Begriff, eventuell zu verlieren).

Jeder sollte vielleicht wissen, dass die Sundhäuser schon vor langer Zeit eine neue Linde gepflanzt haben, der sie sogar einen Namen gegeben haben, weil diese durch den Bau der Autobahn ... wegfiel (jetzt mir bitte nicht in den Kontext legen, ich hätte etwas gegen die Autobahn).

Abschließend sei noch einmal versichert, dass ich jeden (privaten) Nordhäuser verstehe, der sich für uns nicht interessiert und sagt: "Baut das Ding!"- genauso, wie er sich freut, wenn er Jacken, Pullover usw. für unter 10€ beim Lebensmittelmarkt kauft, ohne sich darüber im Klaren zu sein, wer diese Sachen (in Bangladesh) herstellt.

Aus diesem Grund gibts diese Bürgerinitiative; es ist unser Problem, und wir kämpfen weiter.

Mit freundlichem Gruß
TeeEff
20.02.2011, 15:15 Uhr
So so, 120ha Versiegelung pro Tag
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen dass der tägliche Flächenverbrauch von ca. 120 Hektar nicht aussagt, dass täglich wirklich 120 Hektar Fläche versiegelt werden, sondern, das täglich 120 Hektar landwirtschaftlicher oder natürlich geprägter Fläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt werden. Infolge dieser Umwandlung kommt es zu Versiegelung unterschiedlichen Ausmaßes.

Und auch die Zahl 120 ist nun ja, sagen wir die korrekte Ermittlung ist schwierig.

Auch in diese "120ha" Zahl fallen übrigens:

- Erholungsflächen (Sportplätze, Campingplätze, Golfplätze, innerörtliche Grünflächen)
- Verkehrsflächen: Straßen, Wege, Plätze, Bahngelände, Flughäfen, (ganzes Gelände incl. Begrünung)
- komplette Friedhöfe

Sollte an der Stelle jedenfalls erwähnt werden.

Auch eine "Entsiegelung" findet statt - bei Abriss, Renaturierung von Tagebauen usw. - die wird aber nie eingerechnet.

Für Details empfehle ich die FH-Nordhausen - Fakultät Umwelt und Recycling Technik - dort verfügt man über recht genaue Erschliessungs- und Luftbildkarten der Region, die man dank Rechentechnik entsprechend "verschneiden" und dann gut auswerten kann.
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