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Sa, 10:49 Uhr
26.04.2003

Briefe aus Damp (4)

Nordhausen (nnz). Es ist der 26. April. Genau vor einem Jahr schienen in Erfurt die Uhren stillzustehen. Ein schreckliches Ereignis ließ die Menschen innehalten, nachzudenken und Schussfolgerungen zu ziehen. Deshalb einige persönliche Anmerkungen zu diesem Tag ­ vor einem Jahr.


Es ist gegen Mittag an diesem Freitag, als die ersten Meldungen, Anrufe, Informationen in die Nachrichtenzentrale der Landeswelle Thüringen eintrudelten. Schießerei in einer Erfurter Schule, es soll Tote gegeben haben. Im Regionalstudio in Nordhausen, 75 Kilometer entfernt vom Geschehen, herrschte Fassungslosigkeit, doch bei der Distanz und der Vielzahl von Meldungen wird nach kurzer Zeit zum Alltag übergegangen.

Immer dichter werden die Informationen, immer schrecklicher die Aussagen, am späten Mittag dann die Bestätigung ­ vorerst mit falschen Zahlen. Mal sind es 18 Tote, dann wieder 17, erst am Abend das Offizielle. Da ist an diesem Tag auch noch etwas anderes: Eine Kollegin könnte betroffen sein, eine Kollegin, die zuvor zwei Jahre in Nordhausen, in diesem Regionalstudio, ihr Volontariat absolvierte und die mir so viele „kleine Geschichten“ von ihrem Sohn erzählte.

Am Abend dann die Gewissheit, ein Anruf eines Kollegen: Dieses Kind, ihr Sohn gehört zu den Opfer der Hinrichtung im Gutenberg-Gymnasium. Die Welt ist nicht mehr die, die sie zu sein schien ­ bis zu diesem 26. April. Das Land legt Betroffenheit an, die Politik will sich kümmern, will Gesetze ändern. Immer erst dann, wenn es zu spät ist ­ in diesem Fall für Lehrer, Schüler und einen Polizeibeamten in Erfurt.

Es gibt viele Möglichkeiten, mit Ereignissen wie diesen umzugehen. Und gewiß ­ Journalisten sollen und müssen objektiv herangehen. Doch in diesem Fall war ich ­ in meinem Beruf ­ betroffen. Und diese Betroffenheit habe ich damals durch Schweigen zum Ausdruck gebracht. Es wäre besser gewesen, mach einer der Kolleginnen und Kollegen hätte es mir gleich getan. Auch und vor allem ein Jahr danach. Heute!
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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