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Fr, 12:08 Uhr
25.04.2003

Briefe aus Damp (3)

Damp (nnz). Die Deutschen lieben ihre Autos und den Urlaub auf Mallorca ­ so pauschal hatte es vor fast genau zehn Jahren ein großes deutschen Nachrichtenmagazin auf den Punkt gebracht. Vieles hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Vor allem in punkto Urlaub, auch an der Ostsee.


Nur Sonne? Können Sie sich noch erinnern? Wenn man 1991 oder 1992 nach dem Urlaubsziel gefragt wurde und geantwortet hat: Ostsee! Dann gab es einen mitleidigen Blick des Fragers und seinen Verweis auf solch begehrenswerte Urlaubsziele wie die Kanaren, Tunesien oder die Malediven. Heute ist das ein wenig anders, weil sich sowohl das Urlaubsverhalten der Deutschen als auch das Angebot der deutschen Urlaubsziele verändert hat. Beobachtet hat das die nnz bereits im vergangenen Mai bei einem Kurztrip nach Warnemünde, Bestätigung gab es jetzt in Damp an der (West)Ostsee.

Hier wurden im verkehrsberuhigten und kurtaxfreien Ferienpark im vergangenen Jahr 500.000 Übernachtungen verzeichnet. Seit 2001 richtete das Management der Damp Holding AG völlig neu aus. Die Gesundheit der Urlauber soll im Mittelpunkt stehen, die Ostsee vor der Tür habe man quasi gratis, formuliert es Pressesprecher Oliver Grieve im Gespräch mit der nnz. Hintergrund der Neuausrichtung ist der Markt. So habe eine Studie ergeben, dass die Deutschen im Jahr 2001 rund 21 Milliarden Mark (10 Milliarden Euro) in den Segmenten Gesundheit und Wohlbefinden ausgegeben haben. In diesem Jahr sollen es 90 Milliarden Euro sein.

Und einen Teil davon sollen die Menschen zwischen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, Thüringen oder Bayern in Damp ausgeben. Dafür erhalten sie nicht nur Urlaub schlechthin, sondern individuell abgestimmte Pakete in den Bereichen Beauty, Wellness und Gesundheit. Daß Damp damit auf dem richtigen „Pferd“ sitzt beweist die Tatsache, dass im Herbst vergangenen Jahres erstmals ein Winterprospekt herausgegeben wurde. „Es erschien uns bei der Planung schon als Wagnis, doch der Erfolg gab uns letztlich recht“, so der Unternehmenssprecher. Vor allem über die Weihnachtsfeiertage waren Ferienpark und das Ostsee-Hotel mit seinen 438 Zimmern und acht Panoramasuiten ausgebucht.

Trotz des Erfolges: Auch in Damp registrieren die Tourismus-Manager ein verändertes Urlaubsverhalten der Deutschen. Es gebe mehr spontane Buchungen, kurzfristige Urlaubsentscheidungen stehen an. Auch der Mammut-Urlaub von 14 Tagen oder gar drei Wochen gehört der Vergangenheit mehr und mehr an. Dafür reisen die Deutschen im eigenen Land kürzer und öfter. Und vor allem: Sie reisen wieder verstärkt an die Ostsee oder in die bayrischen Alpen. Diesen Bonus will die Tourismusbranche nicht nur temporär nutzen, sondern zu einem statischen Segment werden lassen.

Und dabei setzen die Damper auf ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis. Das Ostsee-Hotel hat „drei Sterne und ein Plus“, doch sowohl Ambiente als auch Service sind vielleicht schon heute einen Tick besser, meinten auch die Prüfer der Stiftung Warentest. Letztlich auch Ausdruck der harten Konkurrenzsituation entlang des Ostseestrandes. Orte wie Heiligendamm, Bad Doberan, Warnemünde, Binz oder Ahlbeck machen den „Wessis“ arg zu schaffen. „Bei uns im Westen hat man in den 60er- und 70er Jahren die kleinen Häuser plattgemacht und riesige Betonklötzer hingesetzt, im Osten blieb die kleine Pension, das kleine Gästehaus erhalten und wurde in den zurückliegenden Jahren saniert. Hinzu kommt eine komplett neue Infrastruktur“, meint Oliver Grieve mit dem Blick nach Mecklenburg-Vorpommern. Nur die Preise seien im Osten unverschämt hoch. Und da hat er nicht so ganz unrecht.
Autor: psg

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