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Fr, 15:26 Uhr
07.01.2011

nnz-Forum: Schwarze Sorgen

Ein Leser der nnz setzt sich mit der derzeitigen Situation in der Nordhäuser Parteienlandschaft, insbesondere im Stadtrat auseinander. Mehr dazu im Forum der nnz....


In der nnz wurde kürzlich über ein Pressegespräch der CDU-Fraktion berichtet. Die ersten sechs Zeilen lasen sich zur Überschrift sehr hoffnungsvoll. Ja, beide Fraktionen haben um den Haushalt gerungen und ihn dann auch gemeinsam beschlossen. Und gemeinsam wollen wir auch die beschlossenen Projekte umsetzen.

Darauf sollten wir uns im kommenden Jahr orientieren und konzentrieren. Doch dann folgte eine lange Litanei von Sorgen. Die kann man den Fraktionsvorsitzenden nicht nehmen - besonders wenn sie aus realer Einschätzung der künftig geringer werdenden kommunalen Spielräume resultieren. Aber auch hier sollten wir gemeinsam nach Wegen suchen und um Lösungen ringen.

Völlig unverständlich aber sind "die Sorgen der Christdemokraten über die wachsende Kommunalisierung bei der Betreuung von Kindern". Was heißt denn "kommunal" - wohl doch eine gemeinsame Aufgabe von allen für alle wirtschaftlich - aber ohne Gewinnabsichten realisieren. Kann das ein privater Betreiber? Wohl kaum - er muss ja unter den marktwirtschaftlichen Zwängen gewinnorientiert arbeiten, um zu überleben.

Und wohin das führt, spüren wir tagtäglich hautnah bei Post und Bahn. Leistungen werden reduziert, Fahrpläne ausgedünnt und sogenannte unrentable Strecken stillgelegt, vom Service gar nicht zu reden. Einem älteren Bürger fällt es ja schon schwer, zu einer Fahrkarte zu kommen.

Private Investoren können eben nicht auf die Belange der Gemeinschaft orientieren, sondern hier wird auf Gewinnmaximierung abgestellt. Schlussfolgerung: Bereiche der Daseinsfürsorge können und dürfen nicht privatisiert werden. Und hierzu gehören sicher auch Kindereinrichtungen. Deshalb sollte sich der in Petersdorf begonnene Prozess durchaus auch im künftigen Kinderhaus in Nordhausen-Ost fortsetzen. Es würde vielen jungen Familien zum Vorteil gereichen.

Und wenn schon von Sorgen die Rede ist - hier auch eine der Sozialdemokraten. Möge doch unser Krankenhaus von solchen Privatisierungsbegehrlichkeiten verschont bleiben. Die Befürchtung ist nicht ganz unbegründet, hat doch schon Herr Nüßle die Frage, was denn die Umwandlung der Krankenhaus gGmbH in eine GmbH mit sich brächte, öffentlich gestellt. Und Herr Nüßle ist ja nicht irgendwer.

Das lässt auf die Zielstellung der CDU schließen und erweckt an den jüngst abgegebenen Erklärungen im Zuge des Geschäftsführerwechsels schon gewisse Zweifel. Was sich daraus ergäbe, kann man sich z. B. in Marburg an den Uni­Kliniken ansehen. Hier pfeifen es nicht nur die Spatzen von den Dächern, sondern jeder Stadtführer berichtet auf seiner Runde, wie gut bislang ihre Krankenhäuser waren. Jetzt steht nicht mehr der Patient, sondern die Ökonomie im Vordergrund! Und hiervor möge uns und die Nordhäuser der Herr und das "C" in seiner Partei bewahren.
Dr. Max Schönfelder, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Motte83
07.01.2011, 16:47 Uhr
Falsch,
Sehr geehrter Herr Dr. Schönfelder,

Ich pflichte Ihnen grundsätzlich bei, dass wir uns prinzipiell Gedanken über die (Ent) Kommunalisierung sozialer Aufgaben machen müssen. Aber bitte erlauben Sie mir, Ihre Ausführungen zu korrigieren:

Ein privater Träger muss nicht immer wirtschaftlich handeln. Per Definition ist ein gemeinnütziger Träger einer Kindertageseinrichtung kein Wirtschaftsunternehmen. Die Ausgliederung der Kindertagesstätten an Träger wie die Johanniter, JugendSozialwerk etc. erspart der Stadt viel Geld pro Jahr. Der Grund ist einfach: die Träger zahlen nach Haustarifen, die unter dem TVÖD liegen.

Den Trägern ist es auch nicht möglich, mit diesen Einrichtungen Überschüsse zu erwirtschaften, da sie detailliert mit der Stadt abrechnen müssen. Wenn alle Träger die Gebührensatzung aus Petersdorf übernähmen, würden Mehrkosten von über 100.000 Euro pro Jahr für die Stadt entstehen. Wenn dann die Erzieherinnen bei der Kommune angestellt werden, wären die Mehrkosten kaum noch zu beziffern.

Wenn die Einrichtung in Ost in Trägerschaft der Stadt bleibt, dann als Statussymbol des Kulturamts und unter bewusster "Veruntreuung" kommunaler Gelder, da es billiger ginge. Die Stadt Ellrich hat hierzu im Jahr 2009 Berechnungen angestellt und die Kündigung des Betreibervertrages seinerzeit wegen dieser Mehrkosten zurück gezogen.
Ein weiterer Unterschied ist die pädagogische Qualität. Fragen Sie mal z.B. In zwei Schulen nach dem pädagogischen Konzept. In der privaten Schule bekommen Sie eines und die Lehrer kennen es, in den Schulen unter kommunaler Trägerschaft gibt es solche Konzepte sehr selten.
Wichtig ist aber dennoch, dass diese Vergleichsrechnungen vor der Betreiberentscheidung offen dargestellt werden, damit eine Entscheidung im Sinner "unserer" kommunalen Mittel gefällt werden kann.
Mit freundlichen Grüßen, Logix
Der Roland
07.01.2011, 17:31 Uhr
Unter Tarif
Und Sie, werter Herr Logix finden das gut, dass unter Tarif gezahlt wird. Dann sind wir irgendwann im Discount-Kindergarten. Immer billiger, immer billiger. Vielleicht können Sie Ihre Kinder ja privat betreuen lassen.
Motte83
07.01.2011, 17:44 Uhr
Ich weiß,
Die ist kein Chat, aber vielleicht darf ich mich doch rehabilitieren. Ich bin gegen Dumpinglöhne! Die MA in den von mir genannten Trägern werden nach Tarifen bezahlt. Ich kenne beide Tarife. Ich sagte lediglich, dass diese unter dem TVÖD liegen. Wenn wir das Geld übrig haben, können wie es den Erzieherinnen gern geben.

Im Übrigen werden die Sätze, welche die Träger zahlen können, auch mit der Stadt verhandelt. Es darf hier also nicht der Eindruck entstehen, als wollten die Träger schlecht bezahlen! Wenn die Stadt es möchte und es sich leisten kann, sollte man die Personalkostenbudhets erhöhen. Aber in diesem Artikel ging es originär darum, dass private Träger teurer sind. Und diese Aussage stimmt immer noch nicht.
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