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Do, 16:02 Uhr
06.01.2011

Erinnerungen im Wandel der Zeit

In der Aula des Humboldt-Gymnasiums ist heute die Wanderausstellung „1939 – Pakt über Europa. Der Hitler-Stalin-Pakt in der Geschichte und Erinnerungskultur Ostmitteleuropas“ eröffnet worden. Die Initiatoren des Projekts wollen mit der Ausstellung die unterschiedlichen historischen Wahrnehmungen und Erfahrung des Ereignisses darstellen. Von der Eröffnung berichtet Tobias Wendehost…

Ausstellung eröffnet (Foto: T. Wendehost) Ausstellung eröffnet (Foto: T. Wendehost) Die Stadt Nordhausen ist wieder um ein kultur-historisches Angebot reicher. Mit der Ausstellung zum Hitler-Stalin-Pakt in der Erinnerungskultur Ostmitteleuropas wurde ein historischer Abriss konzipiert, der in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Es geht um verschiedene Wahrnehmungen und Umgangsformen mit dem Zweiten Weltkrieg. Die Idee für die Präsentation stammt vom Leipziger Moldova-Institut, Vertreten durch den Kurator Dr. Dietmar Müller, der einleitend auf die Konzeption der Ausstellung hinwies.

Daneben machte der Direktor des Humboldt-Gymnasiums, Ralf Gerhard Köthe, in seiner Eröffnungsrede auch auf die Auseinandersetzung mit dem Thema vor und nach der Wiedervereinigung aufmerksam.

Ausstellung eröffnet (Foto: T. Wendehost) Ausstellung eröffnet (Foto: T. Wendehost)

Als Gäste waren der Nordhäuser Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD), der Nordhäuser Fachhochschulprofessor Helmut Tilp und der Intendant des Theaters, Lars Tietje geladen. Für eine gut gefüllte Aula sorgten zahlreiche Schüler und Lehrer, die mit Interesse die Schautafeln der Ausstellung studierten.

Wenn es um die Darstellung des Zweiten Weltkrieges geht, wird meist ein Blickwinkel gewählt, der sich mit dem eigenen Bezug zum historischen Ereignis auseinandersetzt. „Dass ein so folgenreicher Moment der Geschichte, wie es der Hitler-Stalin Pakt war, von einer anderen Wahrnehmung in den osteuropäischen Ländern geprägt ist, wird in der historischen Rückschau erst seit wenigen Jahren berücksichtigt,“ bemerkt Dr. Müller. Um diese Lücke zu schließen, hat es sich das Leipziger Moldova-Institut zur Aufgabe gemacht, einen Einblick in diesen „Erinnerungsunterschied“ zu geben.

Der Hitler-Stalin-Pakt (auch Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt) wurde am 24. August 1939 in Moskau unterzeichnet. Der Vertrag sollte die sowjetische Neutralität bei einer Auseinandersetzung des Deutschen Reiches mit Polen und den Westmächten garantieren. Die Sowjetunion sollte im Gegenzug einen Teil des polnischen Territoriums erhalten, die baltischen Staaten wurden den Interessensphären der beiden Vertragspartner unterworfen. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 brach das Deutsche Reich den Vertrag.

Der Ausgangspunkt für das Konzept dieser Ausstellung war der 70. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes im August 2009. Das Moldova-Institut initiierte eine internationale Tagung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. „Begleitend zur Tagung wurden eine Ausstellung zum Hitler-Stalin-Pakt eröffnet sowie ein Programm mit Dokumentarfilmen zum Thema präsentiert“, so die Mitarbeiter des Moldova-Instituts. Dabei ist die europäische Erinnerungskultur geteilt, da gerade für die Ostmitteleuropäischen Staaten mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches eine neue Phase der Diktatur begann. Ihre Wahrnehmung der Ereignisse muss vor dem Hintergrund der sowjetischen Besatzung betrachtet werden.

Um diese interessante Sammlung aus Erfahrung und Darstellung auch in der Rolandsstadt zu präsentieren, holte das Amt für Kultur, Soziales und Bildung zusammen mit dem Humboldt-Gymnasium die Ausstellung nach Nordhausen. Damit die Rolle der eigenen Stadt in den Kontext der historischen Ereignisse gesetzt werden kann, muss bei der der Betrachtung auch die Wahrnehmung der damals betroffenen Menschen berücksichtigt werden. Die Ausstellung leistet diesen Beitrag für die ostmitteleuropäischen Staaten und verweist auf eine variierende Erinnerungskultur in ausgewählten Regionen.

Mittlerweile wurde die Ausstellung in elf Städten präsentiert. Die Ausstellung kann noch bis zum 28. Januar 2011 in der Aula des Humboldt-Gymnasiums in der Blasiistraße 15/16 besichtigt werden. Sie ist täglich von 8 bis 15 Uhr geöffnet. Alle Interessierte sind herzlich willkommen.
Tobias Wendehost
Autor: nnz

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