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Mi, 14:32 Uhr
05.01.2011

Wetter 2010: Kühl und abwechslungsreich

Dauerfrost, tropische Hitze und Starkregen bestimmten das Wetter in 2010 in Nordhausen. Das Jahr verlief sehr abwechslungsreich und teilweise extrem. Wetter-Fachfrau Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp mit dem Rückblick auf ein verrücktes Wetterjahr...


Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Minus 13,2°C als mittlere Tagestemperatur, gemessen am 06. Januar 2010, stand einer Spitzentemperatur von 30,5°C im Juli 2010 gegenüber. Der Monat März bleibt als ein Monat der extremen Temperaturgegensätze im Gedächtnis: Nachdem in den ersten März-Tagen noch Fröste bis -10°C gemessen wurden, war der 26. März 2010 der erste Sommertag auf dem Campus der FH Nordhausen (2006: 03. Mai).

Die Klimastation misst übrigens seit nunmehr fünf Jahren kontinuierlich im Minuten-Takt die Wetterparameter. Neben den Werten wie Niederschlag und Lufttemperatur, Wind und Luftdruck schenkt die Station vor allem der Sonne erhöhte Aufmerksamkeit: Neben der Globalstrahlung wird das Spektrum der Sonne zerlegt und die UV-Strahlung, die Reflexstrahlung, die photosynthetisch aktive Strahlung und die Strahlungsbilanz gemessen bzw. rechnerisch ermittelt.

Die Erkenntnisse dienen z.B. der Validierung von Photovoltaik-Anlagen oder der Untersuchung des Strahlungsangebots für Nachwachsende Rohstoffe, wie z.B. der Durchwachsenen Silphie, die versuchsweise auf dem Campus der FH angebaut wird. Deren Silage wandert dann in die Biogasanlage und verspricht eine hohe Methanausbeute als regenerative Energiequelle.

Zurück zum Wetter im Jahr 2010: Die Jahresmitteltemperatur betrug 9,2°C, 8,8°C ist der langjährige Jahresmittelwert (1956-2010). Die innerstädtische Lage der Station täuscht darüber hinweg, dass es in Nordhausen, genau wie in Thüringen und Deutschland tatsächlich einmal kühler war. Zum Beweis: Im vergangenen Winter wurden 70 Frosttage, an denen das Thermometer unter Null Grad sinkt, gezählt. Bis Ende 2010 sind noch mal 40 Frosttage dazugekommen.

Von den 110 Frosttagen waren 46 Tage sogenannte Eistage, an denen das Thermometer nicht über Null Grad geklettert ist. Trotz vieler Eis- und Frosttage wurde es doch wärmer, obwohl das Frühjahr um 2° Grad kälter als die vergangenen war (Spitzenwerte 1970: 6,1°C bzw. 2009: 11,8°C). Der Sommer brachte uns dann die langersehnte Wärme bzw. Hitze. 67 Sommertage mit Temperaturen über 25°C, davon 27 heiße Tage mit Temperaturen über 30°C erwärmten uns.

Erstmals seit den Aufzeichnungen auf dem Campus wurden gleich drei Tropennächte hintereinander registriert (10., 11. und 12. Juli). Die Temperatur sank in den Nächten nicht unter 20°C. Die letzten beiden Tropennächte auf dem Campus gab es in 2006 und in 2008 (je eine). Die Temperaturen in der zweiten Jahreshälfte waren recht ausgeglichen, sie lagen im Bereich der langjährigen Monatsmittelwerte. Dies gilt natürlich nicht für den Dezember, dieser war um rund 5°C zu kalt (LJM: 0,7°C) und damit der zweitkälteste Dezember seit Wetteraufzeichnungen in Nordhausen. Der kälteste Dezember war der des Jahres 1969 mit -6,2°C (Spitzenreiter 1974: 5,2°C). Die Zahl der zu warmen und zu kalten Monate hielt sich in 2010 die Waage.

2010 war ein Jahr, in dem es ausreichend geregnet hat (Campus: 400 mm, geschützte Lage). Das erste Halbjahr zeigt ein mäßiges Niederschlagsgeschehen, ab August regnete es auch schon mal heftiger. Besonders nass waren in diesem Jahr die Monate August und September – hier fielen mit gut 150 mm rund 33% des Jahresniederschlags. Seit August näherten sich dann die Werte der Luftfeuchtigkeit dauerhaft den 90%.

Im Dezember 2010 fiel der Niederschlag überwiegend als Schnee, was die Messung mit dem Hellmann-Regenmesser deutlich erschwert. Dieser ist zwar beheizt, kann aber unter Umständen die gefallene Menge nicht vollständig auftauen. So wurden ca. 30 mm Niederschlag im Dezember gemessen, die Schneehöhe wird von der Station nicht registriert. Der Schnee in Verbindung mit den polaren Luftmassen aus dem Norden hat dann zur Freude vieler auch den Nordhäusern ein weißes Weihnachtsfest beschert.

Die Sonne hat sich in 2010 eher bedeckt gehalten. Der Blick auf die Globalstrahlung zeigt ein sehr unruhiges Muster in 2010. Es gab weniger Tage mit blauem Himmel, dafür viele Wolken mit diffusem Himmelslicht. Im Mittel betrug die Globalstrahlung 127 W/m², was in etwa dem langjährigen Mittel entspricht (129 W/m²). Vor allem im Mai war die Sonne selten zu sehen (50%). Interessant ist der Blick auf die Sonnenscheindauer in Stunden. Seit nunmehr fünf Jahren scheint die Sonne in jedem Jahr eine kürzere Zeit. Waren es 2007 noch 1750 Stunden, so waren es in 2010 nur noch1260 Stunden, 500 Stunden weniger (mittlerer Summenwert für Nordhausen: 1663 Stunden, Erfurt 1588 Stunden). Ein klares Indiz für unsere Wahrnehmung, dass das Wetter in 2010 eher schlecht war.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
06.01.2011, 00:45 Uhr
unklarer FH-Wetter-Jahresrückblick
Ich vermisse im FH-Jahresrückblick die Angabe der höchsten und der tiefsten gemessenen Temperatur des Jahres 2010.

weiter:
"Trotz vieler Eis- und Frosttage wurde es doch wärmer, obwohl das Frühjahr um 2° Grad kälter als die vergangenen war (Spitzenwerte 1970: 6,1°C bzw. 2009: 11,8°C)."
Was meint Frau Dr. Parnieske-Pasterkamp hier mit "Spitzenwerten"?: War das Frühjahr 1970 mit 6,1 °C und daas Frühjahr 2009 mit 11,8 °C DURCHSCHITTSTEMPARATUR Spitzenreiter in NDH oder geben die beiden Temperaturwerte DIFFERENZEN nach unten oder oben als Spitzenwerte wieder?

Weiter: Es sollen nur 400 mm Niederschlag in NDH 2010 gefallen sein: So weit ich weiß, fallen hier im langjährigen Mittel aber rund 600 bis 700 mm. Mit 400 mm wäre NDH der niederschlagsärmste Ort Deutschlands, und zwar noch niederschlagsärmer, als beispielsweise Oberröblingen oder Staßfurt, wo wenig mehr als 400 mm im langjährigen Mittel fallen, und wo sich die offiziell niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands befinden. Wie kann es mit 400 mmm (falls dieser Wert tatsächlich stimmen sollte, was ich bei dem vielen Regen 2010 nicht glaube). "ausreichend regnen" (unter 400 mm Jahresniederschlag giklt ein Gebiet als "arid", soweit ich weiß? Oder beziehen sich die 400 mm nur auf den Regen und nicht auf den Schnee? Wenn Letzteres stimmt, wie viel mm Schnee fielen?

Zur Schneehöhe: Ich persönlich freue mich, dass die FH-Station technisch so hervorragend und qualitativ hochwertig ausgestattet ist. Warum aber gibt es keine Messung der Schneehöhe? Ich denke, dass ein "Schneehöhenmessgerät" im Vergleich zu den anderen als preiswert gelten kann.

Bodo Schwarzberg
Parnieske
06.01.2011, 14:38 Uhr
Danke für die Hinweise
Hier meine Ergänzungen und Klarstellungen:

Temperaturminimum (basierend auf einem 10-Minuten Mittel): -18,00 Grad gegen 3 Uhr am 06. Januar 2010.

Temperaturmaximum (basierend auf einem 10-Minuten-Mittel): +39,8°C gegen 16:00 Uhr am 10. Juli 2010
.
Frühjahr:
Danke für den Hinweis, dass ich mich etwas verworren ausgedrückt habe. Die Temperatur im Frühjahr 2010 betrug 9,3°C (Durchschnittstemperatur in den drei Monaten März, April und Mai). In den Jahren zuvor waren es 11,8°C (2009), 10,3°C (2008), 11,5°C (2007). Die niedrigste in Nordhausen gemessene Frühjahrstemperatur wurde im Jahr 1970 gemessen (6,1°C) und die höchste im letzten Jahr (2009, 11,8°C).

Niederschlag und Schnee
Die Niederschlagsmessung gehört in der Meteorologie zu der schwierigsten (und ungenauesten) überhaupt. Die Lage unserer Wetterstation ist geschützt und liefert daher bekanntermaßen zu niedrige Werte im Vergleich zu einer ungeschützten Stationslage. In Erfurt-Bindersleben (DWD) fielen übrigens in 2010 716 mm Niederschlag, in Leipzig 718 mm, im Südharz wird ähnlich fiel gefallen sein Im langjährigen Mittel sind es in Nordhausen 600 mm (Nordhausen-Salza). Eine Schneehöhenmessung ist noch viel anfälliger, was die Stationslage angeht. Schneeflocken sind extrem leicht und können leicht aus dem Regenmesser ausgeweht werden und gehen damit „verloren“. Eine Messung der Schneehöhe in der Stadt mit allen Einflüssen wie veränderte Wind- und Oberflächenrauhigkeit würde aus meiner Sicht wenig Sinn ergeben. Die übliche Schneehöhenmessung funktioniert rein mechanisch durch das Ablesen einer Messlatte (täglich), die Schneemenge wird durch Schmelzen eines definierten Schneevolumens ermittelt. In den Alpen und dort, wo es viel Schnee gibt, können auch (sehr teure) Ultraschallsensoren, die automatisiert arbeiten, eingesetzt werden.

Viele Grüße,
Jutta Parnieske-Pasterkamp
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