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Di, 15:43 Uhr
23.01.2001

Erfolgsgeschichte mit historischem Makel

Pruefstand Nordhausen (nnz). Während sich die negativen Wirtschaftsnachrichten in den ersten Wochen dieses Jahres beängstigend häuften, gibt es in Nordhausen auch Unternehmen, die eine Erfolgsbilanz aufweisen. Eine solche Geschichte schreibt gegenwärtig die "Schmidt, Kranz & Co. GmbH" am Standort in der Nordhäuser Friedrichstraße. Die Auftragsbücher sind gefüllt, beschreibt Betriebsleiter Klaus Vollmer kurz und knapp die Situation. Derzeit werden im Bereich Anlagenbau zwei Fördergefäße für ein Kaliwerk in Zielitz (Sachsen-Anhalt) hergestellt. Das sind die größten Gefäße ihrer Art in Europa. Zum Produktionsprofil gehören weiterhin Ausrüstungen für Kaliwerke, auch die Plattform für den Rettungshubschrauber "Christoph 37" am Nordhäuser Südharz-Krankenhaus erlebte ihre Geburtsstunde am Nordhäuser Bahnhof. Nicht schlechter sieht die Auftragslage in den Geschäftsbereichen Prüfstandsbau (siehe nnz-Foto) und Lufttechnik aus. In der Firmenleitung wird jedoch über den Tellerrand hinaus geplant. Das Ergebnis ist eine Erweiterung. Nicht mehr genutzte Lagerhallen des riesigen Betriebsgeländes werden zu einem Forschungs-, Entwicklungs- und Servicecenter umgerüstet. Hier sollen künftig nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die der Kunden ständig weitergebildet werden. Derzeit werden am Standort Nordhausen 104 Mitarbeiter beschäftigt, diese Zahl soll mit Fachleuten in den kommenden Monaten erneut aufgestockt werden.
1888 wurde das Unternehmen in Nordhausen gegründet. So steht es in einer Hochglanzbroschüre. Nicht erwähnt in der Firmenchronologie ist Zeit zwischen 1933 und 1945. Doch diese Zeit scheint das Unternehmen jetzt einzuholen. Nach nnz-Recherchen sind bei Schmidt, Kranz & Co. Ab 1937 Rüstungsgüter wie Zünder und Zündschrauben hergestellt worden. Ab 1940 wies das Oberkommando des Heeres (OKH) der Nordhäuser Firma das Fertigungskennzeichen "258" zu. Am 15. Februar 1944 wurden an der Friedrichstraße 1.739 Arbeitskräfte beschäftigt. Darunter sollen sich mindestens 800 ausländische Zwangsarbeiter befunden haben. Diese waren in einem Lager am "Van-der-Foehr-Damm" untergebracht. Im Mai 1944 setzte die Firma außerdem 100 Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora ein, die in der Boelcke-Kaserne unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten wurden. Die Frage drängt sich auf, ob sich "Schmidt, Kranz & Co." am Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft beteiligen werden. Dazu hielt man sich in Nordhausen heute sehr bedeckt und verwies an die Geschäftsleitung in Walkenried. Geschäftsführer Henning Willig seinerseits stand zu diesem Fakt auch nicht so "im Stoff" und verwies auf den Eigentümer des Unternehmens. Der allerdings soll sich gegenwärtig im Ausland aufhalten.
Zwangsarbeiter wurden während des Zweiten Weltkrieges nicht nur bei der "Schmidt, Kranz & Co. GmbH" beschäftigt. Weitere Nordhäuser Firmen waren "Tölle & Söhne", Pumpenfabrik Angers Söhne, Maschinen & Bahnbedarf AG, Maschinen- und Apparatebau GmbH oder das Bleicheröder Unternehmen "Ohl & Vattrodt". Wer sich intensiver mit der Problematik der Zwangsarbeiter in Nordthüringen beschäftigen will, dem sei das Buch "Die verdrängte Vergangenheit" von Frank Baranowski empfohlen. Es ist vor einigen Tagen im Duderstädter Mecke-Verlag erschienen.
Autor: nnz

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