eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Do, 20:10 Uhr
25.11.2010

Super Standort?

Wo befindet sich Nordthüringen als Wirtschaftsstandort innerhalb Mitteldeutschlands? Die Beantwortung dieser Frage stand heute im Mittelpunkt eines Podiumsgesprächs, zu dem der Nordhäuser Unternehmerverband (NUV) eingeladen hatte.

Der Blick ins Auditorium im Audimax (Foto: nnz) Der Blick ins Auditorium im Audimax (Foto: nnz)

Der NUV hatte sich ebenfalls als Sekundanten mehrere Fachleute eingeladen, so zum Beispiel den Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Prof. Ulrich Blum, den Geschäftsführer des Innovations- und Gründerzentrums in Rudolstadt, Knut Jacob sowie den Chef der Landesentwicklungsgesellschaft, Andreas Krey.

Barbara Rinke (SPD) empfindet Nordthüringen zwar als Planungsregion, aber nicht als eine Region, die zusammengehört. Mühlhausen oder Bad Langensalza seien für die Menschen einfach zu weit weg, so das Nordhäuser Stadtoberhaupt in seinem Grußwort. Landrat Joachim Claus (CDU) machte darauf aufmerksam, dass Wirtschaft und Politik aber auch das Leben der normalen Menschen miteinander verbunden sind. Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe die Region relativ gut überstanden.

Blum (Foto: nnz) Blum (Foto: nnz) In seinem Referat ging Prof. Blum auf das Entstehen der jüngsten Krise ein, sprach von Zombiebanken, die Zombieunternehmen Geld leihen, statt, dass beide liquidiert würden. Nach diesem finanzhistorischen Ausflug landete der Referent bei den Standortfaktoren. „Es gibt keine schlechten Standorte, sondern nur fehlangepasste Industrien“, war eine der Thesen, die per Beamer an die Leinwand geworfen wurden. Und: Mitteldeutschland sei die Ideeschmiede des Deutschen Reiches gewesen. Die Betonung lag auf „gewesen“.

In der Gegenwart haben die neuen Bundesländer ein Problem: zu kleine Unternehmen. Es fehlen schlichtweg Unternehmen in der Größenordnung ab 100 Mitarbeiter im Osten dieser geeinten Republik. Und es fehlen die Köpfe, die diese Firmen lenken. Wie also kommt eine Region wie Nordhausen an die Großen der Wirtschaft heran? Noch ist die so genannte Dönerquote im Osten wesentlich höher als im Westen. Die Dönerquote ist das Verhältnis zwischen Dönerbuden und Juwelieren in einer Stadt. Und die sei in Halle/Sa. eben wesentlich höher als in Karlsruhe.

Von den Dönerbuden in Halle an der Saale kam der Institutschef schließlich zu den Daten von Nordhausen. Im Landkreis Nordhausen liegt das Bruttoinlandsprodukt um ein Drittel niedriger als der bundesdeutsche Durchschnitt. Das Problem an den vielen Zahlen bestand darin, dass die aktuellsten Werte von 2008 datierten.

„Chancen und Risiken regionaler Entwicklung am Beispiel von Nordthüringen“, so war der Vortrag des Mannes aus Halle überschrieben. Davon jedoch war der Mann meilenweit entfernt, der das Allheilmittel für „Mitteldeutschland 2.0“ in der Konsolidierung der Märkte, der Erhöhung der Produktivität und eine bessere Wirtschaftspolitik. Letzteres gelte übrigens für Gesamtdeutschland.

Jacob (Foto: nnz) Jacob (Foto: nnz) Dann waren das Städtedreieck am Saalebogen und Knut Jacob dran. Das Dreieck besteht aus Bad Blankenburg, Saalfeld und Rudolstadt. Hier vor allem standen die Formen der Wirtschaftsförderung im Mittelpunkt. Eigentlich gab der Mann aus Ostthüringen das dem Auditorium kund, was der Beamer an die Leinwand warf. Es war der historische Abriss der gemeinsamen Wirtschaftsförderung und die damit indirekt verbundene Empfehlung, auch im Landkreis Nordhausen die Wirtschaftsförderung zu konzentrieren und als kommunale GmbH auszulagern. Eine Forderung, die seitens des Nordhäuser Unternehmerverbandes schon seit langem aufgemacht wird.

Die nnz wird über die anschließende Diskussion noch berichten.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Peppone
26.11.2010, 09:14 Uhr
Ein armer Standort.
Wo Nordthüringen als Wirtschaftsstandort wirklich steht, kann man im Artikel vom 19.11.2010 über die Thüringer Industrieumsätze hier in der nnz nachlesen.

Man muss da auch gar keine bundesweiten Vergleiche heranziehen.Die Industrieumsätze in Nordthüringen sind nicht einmal halb so hoch, wie die vergleichbarer Kreise in Südthüringen, welche den gleichen landesgesetzlichen Rahmenbedingungen unterliegen.

Wirtschaftspolitische Weichen werden durch Verwaltungen und Kommunalparlamente gestellt. Man muss also die Frage stellen, was haben Südthüringer Kreise diesbezüglich besser gemacht als Nordthüringer Kreise?

Das sich in unserer Region die Verwaltungen hauptsächlich mit sich selbst beschäftigen und Wirtschaftspolitik an Stadt- und Gemeindegrenzen aufhört, ist kein Geheimnis. Uns fehlen nicht die Köpfe für größere Unternehmen, uns fehlen die Köpfe in Verwaltungen und Parlamenten!
NDHler
26.11.2010, 13:03 Uhr
Uns fehlt es an Lobby in Erfurt...
Was hier lange gefehlt hat und auch immer noch fehlt ist eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur!!! Ohne diese macht es für einen Investor wenig sinn, sich mit seiner Firma hier anzusiedeln. Niemand möchte mit seinen Waren stundenlang über Bundes- und Landstraßen fahren bevor man an eine Autobahn gelangt.

Das ist zu Zeit- und Kostenaufwendig! Zudem sind die Bundes- und Landstraßen kaum mit Umgehungsstraßen ausgebaut. Die A38 ist seit gut einem Jahr erst komplett befahrbar. Die B4 und die B243 werden erst in mehreren Jahren folgen. Glaubt man Berichten der lokalen Presse, ist mit dem ersten Abschnitt der 243 auf Thüringer Seite für lange Zeit erst einmal wieder Feierabend! Gleiches gilt für die B4 in Richtung Erfurt, aber auch in Richtung Harz. Uns fehlt es an Lobby in Erfurt, unsere Landtagsabgeordneten finden dort mit ihren Ansinnen kein Gehör!

Im Eichsfeld ist das anders, Leinefelde hat trotz A38 eine Ortsumgehung und in Heiligenstadt wird diese im kommenden Jahr begonnen. Das zeigt, dass es auch anders geht, Geld ist anscheint da, wird aber nur dort ausgegeben, wo von man sich seitens der Landtagsabgeordneten für den Ausbau ins Zeug gelegt hat!

Unsere Landtagsabgeordneten werden sicher auch weiterhin tatenlos zusehen wie anderenorts ausgebaut wird und sich Rund um Nordhausen weiterhin nichts tut! Gleiches gilt auch für das geplante Industriegebiet Goldene Aue, das schlummert in Erfurt vor sich hin und nichts tut sich! Das schwächt den Standort LK Nordhausen sehr!
Peppone
26.11.2010, 22:01 Uhr
Köpfe machen Lobbyarbeit!
Verkehrsinfrastruktur ist nur eine von vielen Voraussetzungen für Unternehmensansiedlungen. Viele andere Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Nordthüringen steht eindeutig schlechter da als z. B. der Kreis Hildburghausen mit einer Kreisstadt von 12.000 Einwohnern! Die A73, die diesen „Waldkreis“ erschlossen hat, gibt es auch erst seit einem Jahr, genau wie unsere A38. Die “Kleingliedrigkeit“ dieses LK zwingt die Entscheidungsträger dort jedoch zu vernünftiger gemeinsamer Wirtschaftspolitik. Und das mit messbarem Erfolg.

In Nordhausen glauben die Parteien und Verwaltungsspitzen immer noch, dass man die gesetzte Hauptstadt von Nordthüringen ist, die umgebende Region nicht braucht, und die Leuchtturmförderung irgendwann mal einsetzt. Vermutlich glauben sogar die hiesigen Landtagsabgeordneten daran. Da gehe ich mit meinem Vorkommentator sogar konform.

Dr. Zeh, Minister a.D., beschäftigt sich anstatt mit Visionen und Konzepten lieber mit Klein-Klein im Stadtrat. Egon Primas ist seit Jahr und Tag der selbst ernannte Patron der 3-5 Prozentigen Zunft der Land- und Forstwirte. Dagmar Becker, ehemalige langjährige Abgeordnete, war die Landes-SPD viel wichtiger als die Region. Frau Keller muss sich wohl erst noch finden, Regional gab es bisher „keine besonderen Vorkommnisse“. Der damalige Wirtschafts- und heutige Landwirtschaftsminister Reinholz (Nordhäuser) kandidierte bei der letzten Wahl vorsorglich im wirtschaftsstärksten Landkreis Thüringens(Gotha).

Wenn Nordthüringen wieder landesweit eine Rolle spielen möchte, dann geht es nur über fähige, moderate Leute in den Gemeinde- und Stadträten!
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)