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Mo, 10:08 Uhr
22.11.2010

Preisträgerin im Mittelpunkt

Die deutsch-isländischen Autorin Helga M. Novak ist vorgestern für ihr lyrisches Werk mit dem Christian-Wagner-Preis 2010 ausgezeichnet worden. In Limlingerode wird sie am Samstag vorgestellt, berichtet Heidelore Kneffel in der nnz.

Literarische Diskussion in Limlingerode (Foto: H. Kneffel) Literarische Diskussion in Limlingerode (Foto: H. Kneffel)

Die Auszeichnung, die dem schwäbischen Dichter und Bauer Christian Wagner (1835-1918) gewidmet ist, wird in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen. Die Preisverleihung fand am 20. November 2010 in Leonberg statt. Da die Novak wegen Krankheit nicht selbst anwesend sein konnte, nahm der Dichter Wulf Kirsten die Auszeichnung entgegen, der diesen Preis 2008 erhielt. Er schätzt die Lyrikerin sehr und rechnet sie zu den Großen der um 1935 in Deutschland geborenen Dichtergeneration.

"Vielfach unter schwierigen Verhältnissen entstanden, zeugen Helga M. Novaks Gedichte und Prosaarbeiten von außergewöhnlichem Kunstsinn und strahlen eine beeindruckende Vitalität und Unabhängigkeit aus. Seit vielen Jahrzehnten beglaubigen sie in unverwechselbarer Weise immer wieder neu ... und beschwören die Elementarkraft des Eigensinns, die Weltoffenheit der Liebe, die fremdartige Würde der Natur und die Schönheit nördlicher Landschaften"., so die Begründung der Jury.

In Limlingerode wird die Novak am Samstag, dem 27. November, ab 14.30 Uhr vorgestellt, und im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch erklingt eine Dichtung, die man wegen ihrer inhaltlichen und sprachlichen Intensität nicht so schnell vergessen wird. Helga M. Novak wurde 1935 in Berlin Köpenick geboren und kurz nach der Geburt zu Adoptiveltern gegeben. Kindheit und Jugend schufen nie verheilende Verletzungen. Sie studierte bis 1957 in Leipzig Journalistik und Philosophie, arbeitete dann in verschiedenen Berufen, heiratete 1961 nach Island, reiste nach Frankreich, Spanien, in die USA.

Sie befreundete sich mit Sarah Kirsch, als sie gemeinsam am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig Mitte der 1960er Jahre studierten. Allerdings wurde die Novak 1965 des Institutes verwiesen. Sie hatte in ihrem Gedichtbuch „Ballade von der reisenden Anna“, 1965 bei Luchterhand erschienen, dieses „Bekenntnis“ abgelegt: „ich bin ostdeutsch das zieht sich hin / wie der Rauch an erloschenen Dochten // ... ich bin deutsch und nicht nur / der Sprache nach / ich bin ostdeutsch solange / die Pfähle nicht morschen. / solange Mißtrauen und Spitzel / die hausgemachten Soßen würzen / sitze ich an der kahlen Seite des Tisches // ich bin ostdeutsch und ziehe / einen Klumpen Hoffnung hinter mir her.“

Da ging es hoch her am Literaturinstitut, die Staatsfunktionäre und deren Helfer fühlten sich getroffen. Einige Mitstudenten protestierten, auch das Ehepaar Kirsch. Rainer Kirsch bekam daraufhin kein Diplom des Literaturinstitutes. 1966 wurde ihr die DDR-Bürgerschaft aberkannt, sie hielt sich kurze Zeit in Island auf und ging 1967 in die Bundesrepublik, wo sie in der 68-Bewegung aktiv war. Auch die „Nelkenrevolution“ in Portugal erlebte sie direkt mit.

Seit Mitte der 1980er Jahre wurde sie im polnischen Dorf Legbad ansässig, genauer gesagt, in einem nahegelegenen Wald. Als sie 2004 nach Deutschland zurückkehren will, verweigern ihr die zuständigen Stellen in Leipzig einen deutschen Pass, weil die Frist für die Wiedereinbürgerung abgelaufen war.

Ihre ungewöhnlichen Lebensumstände spiegeln sich poetisch überzeugend in ihrem Werk. Die Ausstellung in der „Dichterstätte“ zeigt Fotografien, Plastiken und Gemälde von Heinz-Peter Reinelt aus Nordhorn zum Thema „Das Nichts der Erde“.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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