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Sa, 12:38 Uhr
20.11.2010

nnz-Bücherkiste: Narreteien, Sex und Crime

Literarischer Respekt und historische Korrektheit sind nicht gerade die Stärken von Christopher Moore. Dafür weiß er aber andere Register zu ziehen, die ihn zum Kultautor machten. Jetzt erschien sein Roman "Fool", den Olaf Schulze für die nnz gelesen hat.

fool cover (Foto: verlag) fool cover (Foto: verlag)

Fool
Christopher Moore
(Goldmann/Manhatten)



Nun gibt es den neuen Roman des Erfolgsautors der „Bibel nach Biff“ auch als Taschenbuch. Am Anfang steht Moores Warnung an den Leser: „Dieses ist ein derber Schwank, randvoll mit entbehrlichem Beischlaf, Mord, allerlei Maulschellen, Verrat und einem ungeahnten Maß an Geschmacklosigkeiten.“

Klar, es handelt sich ja auch nur um Shakespeares wahrscheinlich gewaltigste und archaischste Tragödie „König Lear“, die da verhohnepiepelt und aus der Sicht des Hofnarren erzählt wird. Wo sich Shakespeare-Rezipienten vor Entsetzen und Mitleid ob der grausamen Mär von Missgunst, Hass und Tod jammernd die Nägel ins Fleisch graben, da muss der Herr Moore eine frivole Posse draus machen.

„Ich weiß, was sie denken: Wieso muss ein amerikanischer Belustigungsautor ausgerechnet an der tiefsten Stelle des Schwimmbeckens herumstrampeln, wo ein Genie – der größte englische Schriftsteller, der je gelebt hat – einstmals seine Bahnen zog?“

Ja, genau diese Frage stellte sich mir, als ich erwartungsvoll den neuen Streich des Kultautoren zur Hand nahm, der spätestens mit seiner ausführlichen Lebensbeschreibung des christlichen Heilands, eben jener „Bibel nach Biff“ im Jahre 2002 auch in Deutschland für Furore sorgte. Und er liefert die Antwort gleich selbst.

„Wenn Sie mit der englischen Sprache arbeiten, besonders wenn Sie es schon so unfassbar lange tun wie ich, läuft Ihnen Williams Werk an jeder Ecke über den Weg. Egal, was Sie zu sagen haben, immer stellt sich heraus, dass Willi es eleganter, knapper, lyrischer (wahrscheinlich in jambischen Pentameter) gesagt hat – und das vor 400 Jahren. Man kann unmöglich tun, was er getan hat, aber man kann seine Genialität erkennen. Allerdings begann ich „Fool“ nicht als Tribut an Shakespeare – ich schrieb das Buch aus Bewunderung für die britische Komödie.“

Die bekanntlich mit sehr dunklem und mitunter deftigem Humor einhergeht. Respektlos zieht der Autor durch Shakespeares Gesamtwerk und klaubt sich dort zusammen, was es für eine witzige und spannende Story braucht. Pocket, der kleinwüchsige Narr, hält die Fäden des schauerlichen Treibens in der Hand und wenn er sie mal kurzzeitig verliert, dann kann er sich auf sein freches Schandmaul verlassen, bis er die Situation wieder im Griff hat. Dabei wird gemordet, geraubt, geblendet, vergewaltigt und freiwillig kopuliert, wie es einer guten Tragödie sein sollte. Nur dass dies eben keine ist. Shakespeare gegen Moore – einen klaren Sieger gibt es in diesem Falle nicht, aber jede Menge Spaß am Entdecken.

„Fool zitiert oder paraphrasiert Zeilen aus nicht weniger als einem Dutzend Stücken, und ich bin mir selbst schon nicht mehr sicher, was woher stammt. Das habe ich vor allem so gemacht, um Kritiker abzuschütteln, die nur widerwillig Passagen meines Textes zitieren und kritisieren werden, aus Angst, der Barde höchstselbst könnte sie verfasst haben.“

Christopher Moores Komödie „Fool“ ist so schwarz wie die berühmten Raben im Londoner Tower, die selbstverständlich auch mitkrächzen dürfen. Jetzt bei Goldmann/Manhattan erschienen und in jeder ernsthaften Buchhandlung für einen Neuner erhältlich.

OLAF SCHULZE
Autor: nnz

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