Mo, 14:33 Uhr
15.11.2010
Eine Woche zum Gründen
Nach aktuellen Zahlen des Thüringer Landesamtes für Statistik hat in diesem Jahr jedes dritte neue Unternehmen eine Frau gegründet: Unter den gut 10.600 Gewerbetreibenden waren fast 3.300 Frauen. Und wie sieht es im Landkreis Nordhausen aus?
Beate Herzberg, Annett Schwarze und Karin Otte studieren das Heft zur Gründerwoche Deutschlands, die in Kooperation mit der weltweiten Aktionswoche Global Entrepreneurship Week der Selbstständigkeit neue Impulse verleihen soll
Knapp ein Viertel der Existenzgründerinnen startete ihren Betrieb im Handel, etwa ein Fünftel ging den Schritt in die Selbstständigkeit mit Betrieben für sonstige Dienstleistungen wie Wäschereien, Frisör- und Kosmetiksalons. In den ersten acht Monaten dieses Jahres lag der Frauenanteil bei den erwähnten Dienstleistungen mit 73 Prozent und im Gesundheits- und Sozialwesen mit 76 Prozent am höchsten.
Dagegen blieb das Baugewerbe mit einem Frauenanteil von 6 Prozent in Männerhand. Auch im Südharz sind Frauen in den vergangenen Monaten erfolgreich in die Selbstständigkeit gestartet. Doch da ist noch Luft nach oben, meint Ulla Blume vom Büro Startklar des Bildungswerks der Thüringer Wirtschaft in Nordhausen. Wir sehen, dass gerade bei Existenzgründerinnen das Potential noch nicht voll ausgeschöpft, sondern entwicklungsfähig ist. Wir wollen Frauen Mut machen und signalisieren, dass eine Selbstständigkeit Chancen eröffnet, sich weiterzuentwickeln. Wer Hilfe und Beratung braucht, kann sich an uns wenden. Um auf unser Angebot aufmerksam zu machen, nutzen wir auch die Gründerwoche, so Ulla Blume.
Die bundesweite Aktion Gründerwoche Deutschland startet heute und dauert bis Sonntag und ist Teil der Kampagne Gründerland Deutschland, die das Bundeswirtschaftsministerium in diesem Jahr gestartet hat. Am Mittwoch lädt die IHK Erfurt zum Thüringer Gründertag 2010 ein.
Das Büro Startklar – Thüringer Existenzgründerinnennetzwerk selbst ist ein Angebot, das es seit 2003 beim Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e. V. gibt und das seit einem Jahr zum Netzwerk Pro Gründen gehört. Das Büro Startklar versteht sich als eine frauenspezifische Beratungs- und Koordinierungsstelle. Frauen, die sich in der Orientierungsphase befinden, Beratungsbedarf während der Gründungsphase haben oder Hilfe bei der Unternehmenssicherung suchen, können sich bei uns melden, erläutert Ulla Blume.
Regelmäßig treffen sich im regionalen Netzwerk hier vor Ort Existenzgründerinnen und bilden sich beispielsweise bei den thematischen Info-Abenden weiter. Beim nächsten Mal geht es um ‚Buchhaltung – keiner liebt sie, jeder braucht sie’, schmunzelt Ulla Blume. Diesem Titel können Annett Schwarze, Karin Otte und Beate Herzberg nur beipflichten. Die drei Frauen haben den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt – und sind rundum glücklich damit – trotz Buchhaltung. Ich kann mich selbst verwirklichen. Für mich ist mein Job eine Berufung, ich sehe das als Lebensaufgabe. Ich mache meine Arbeit einfach gerne, sagt Annett Schwarze voller Überzeugung.
Die staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerin hat sich mit ihrer kleinen Firma Wegweiser – Ambulant betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung zum Jahresanfang selbstständig gemacht. Ihre Kunden weist ihr das Landratsamt als örtlicher Sozialhilfeträger zu, das nach dem aktuellen Bedarf entscheidet, welcher Träger wen betreut. Der Start ist Annett Schwarze geglückt. Es läuft – und das ist auch eine gewisse Anerkennung für mich, so die Heilerziehungspflegerin. Sie tauscht sich ebenso wie Karin Otte im Netzwerk des Büros Startklar mit anderen Existenzgründerinnen aus.
Karin Otte hat vor etwa einem Jahr eine Alltags- und Seniorenbetreuung gegründet. Den Einstieg dafür hat sie als ehrenamtliche Seniorenbegleiterin bei der Seniorenberatungsstelle des Fachbereichs Jugend und Soziales des Landratsamtes gefunden. Das hat es mir auf jeden Fall leichter gemacht, denn ich habe gesehen, dass ich das kann, so die Nordhäuserin. Im ersten Schritt habe ich damals im Internet geschaut, wo ich Hilfe bei der Existenzgründung finde und bin so zum Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft gekommen. Damals hat mir Frau Blume gesagt: ‚Das wird was’. Und das hat mich bestärkt, erinnert sich Karin Otte.
Heute hat sich die damalige Einschätzung bestätigt. Ich habe mir ein halbes Jahr gegeben und mir gesagt, wenn ich bis dahin keine Kundschaft habe, höre ich auf. Aber es hat geklappt. Schon auf die ersten Flyer, die Karin Otte in ihrer Nachbarschaft verteilt hat, kam die erste Resonanz.
Beate Herzberg aus Görsbach hat im Sommer bereits ihr erstes Jubiläum gefeiert: Ich bin bereits ein Jahr in der Selbstständigkeit. Es ist wunderbar – hat sie damals in der Zeitung veröffentlicht. Als freie Autorin schreibt sie mit in ihrer Firma CIL – Chronik Ihres Lebens Rückschauen auf die Werdegänge von Menschen, Firmen, Vereinen oder Kommunen. Durch eine Chronik über Familienmitglieder ist sie auf diese Geschäftsidee gekommen.
Man weiß ja am Anfang nie, ob es klappt. Aber durch meinen Internetauftritt und viel Mundpropaganda sind die Kunden auf mich aufmerksam geworden. Die Idee funktioniert, erzählt Beate Herzberg, die die Vorzüge der Selbstständigkeit genießt. Vorher als Angestellte hatte ich kaum Zeit für meine Familie. Jetzt genieße ich es, mir meine Zeit selbst einzuteilen und die Termine so zu legen, dass es mir passt. Aus ihren Erfahrungen hat sie gelernt, dass eine externe Beratung auf dem Weg in die Selbstständigkeit hilfreich ist.
Ich kann nur allen Neugründern den Tipp geben, sich rechtzeitig vorher umfassend zu informieren und sich beraten zu lassen, so Beate Herzberg. Sie selbst hat erst nach ihrer Gründung vom Büro Startklar erfahren, beim Unternehmerinnentag vor rund einem Jahr. Seitdem besucht auch sie die Netzwerktreffen und Seminarangebote zu Themen wie Marketing oder Zeitmanagement.
Wer sich als Frau selbstständig machen will oder dies schon getan hat, kann sich beim Büro Startklar im Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft in Nordhausen, Reichsstraße 30, beraten lassen, Telefon 03631 47590 und E-Mail blume@bwtw.de. Mehr zur Gründerwoche gibt es auch im Internet unter www.gruenderwoche.de.
Autor: nnzBeate Herzberg, Annett Schwarze und Karin Otte studieren das Heft zur Gründerwoche Deutschlands, die in Kooperation mit der weltweiten Aktionswoche Global Entrepreneurship Week der Selbstständigkeit neue Impulse verleihen soll
Knapp ein Viertel der Existenzgründerinnen startete ihren Betrieb im Handel, etwa ein Fünftel ging den Schritt in die Selbstständigkeit mit Betrieben für sonstige Dienstleistungen wie Wäschereien, Frisör- und Kosmetiksalons. In den ersten acht Monaten dieses Jahres lag der Frauenanteil bei den erwähnten Dienstleistungen mit 73 Prozent und im Gesundheits- und Sozialwesen mit 76 Prozent am höchsten.
Dagegen blieb das Baugewerbe mit einem Frauenanteil von 6 Prozent in Männerhand. Auch im Südharz sind Frauen in den vergangenen Monaten erfolgreich in die Selbstständigkeit gestartet. Doch da ist noch Luft nach oben, meint Ulla Blume vom Büro Startklar des Bildungswerks der Thüringer Wirtschaft in Nordhausen. Wir sehen, dass gerade bei Existenzgründerinnen das Potential noch nicht voll ausgeschöpft, sondern entwicklungsfähig ist. Wir wollen Frauen Mut machen und signalisieren, dass eine Selbstständigkeit Chancen eröffnet, sich weiterzuentwickeln. Wer Hilfe und Beratung braucht, kann sich an uns wenden. Um auf unser Angebot aufmerksam zu machen, nutzen wir auch die Gründerwoche, so Ulla Blume.
Die bundesweite Aktion Gründerwoche Deutschland startet heute und dauert bis Sonntag und ist Teil der Kampagne Gründerland Deutschland, die das Bundeswirtschaftsministerium in diesem Jahr gestartet hat. Am Mittwoch lädt die IHK Erfurt zum Thüringer Gründertag 2010 ein.
Das Büro Startklar – Thüringer Existenzgründerinnennetzwerk selbst ist ein Angebot, das es seit 2003 beim Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e. V. gibt und das seit einem Jahr zum Netzwerk Pro Gründen gehört. Das Büro Startklar versteht sich als eine frauenspezifische Beratungs- und Koordinierungsstelle. Frauen, die sich in der Orientierungsphase befinden, Beratungsbedarf während der Gründungsphase haben oder Hilfe bei der Unternehmenssicherung suchen, können sich bei uns melden, erläutert Ulla Blume.
Regelmäßig treffen sich im regionalen Netzwerk hier vor Ort Existenzgründerinnen und bilden sich beispielsweise bei den thematischen Info-Abenden weiter. Beim nächsten Mal geht es um ‚Buchhaltung – keiner liebt sie, jeder braucht sie’, schmunzelt Ulla Blume. Diesem Titel können Annett Schwarze, Karin Otte und Beate Herzberg nur beipflichten. Die drei Frauen haben den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt – und sind rundum glücklich damit – trotz Buchhaltung. Ich kann mich selbst verwirklichen. Für mich ist mein Job eine Berufung, ich sehe das als Lebensaufgabe. Ich mache meine Arbeit einfach gerne, sagt Annett Schwarze voller Überzeugung.
Die staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerin hat sich mit ihrer kleinen Firma Wegweiser – Ambulant betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung zum Jahresanfang selbstständig gemacht. Ihre Kunden weist ihr das Landratsamt als örtlicher Sozialhilfeträger zu, das nach dem aktuellen Bedarf entscheidet, welcher Träger wen betreut. Der Start ist Annett Schwarze geglückt. Es läuft – und das ist auch eine gewisse Anerkennung für mich, so die Heilerziehungspflegerin. Sie tauscht sich ebenso wie Karin Otte im Netzwerk des Büros Startklar mit anderen Existenzgründerinnen aus.
Karin Otte hat vor etwa einem Jahr eine Alltags- und Seniorenbetreuung gegründet. Den Einstieg dafür hat sie als ehrenamtliche Seniorenbegleiterin bei der Seniorenberatungsstelle des Fachbereichs Jugend und Soziales des Landratsamtes gefunden. Das hat es mir auf jeden Fall leichter gemacht, denn ich habe gesehen, dass ich das kann, so die Nordhäuserin. Im ersten Schritt habe ich damals im Internet geschaut, wo ich Hilfe bei der Existenzgründung finde und bin so zum Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft gekommen. Damals hat mir Frau Blume gesagt: ‚Das wird was’. Und das hat mich bestärkt, erinnert sich Karin Otte.
Heute hat sich die damalige Einschätzung bestätigt. Ich habe mir ein halbes Jahr gegeben und mir gesagt, wenn ich bis dahin keine Kundschaft habe, höre ich auf. Aber es hat geklappt. Schon auf die ersten Flyer, die Karin Otte in ihrer Nachbarschaft verteilt hat, kam die erste Resonanz.
Beate Herzberg aus Görsbach hat im Sommer bereits ihr erstes Jubiläum gefeiert: Ich bin bereits ein Jahr in der Selbstständigkeit. Es ist wunderbar – hat sie damals in der Zeitung veröffentlicht. Als freie Autorin schreibt sie mit in ihrer Firma CIL – Chronik Ihres Lebens Rückschauen auf die Werdegänge von Menschen, Firmen, Vereinen oder Kommunen. Durch eine Chronik über Familienmitglieder ist sie auf diese Geschäftsidee gekommen.
Man weiß ja am Anfang nie, ob es klappt. Aber durch meinen Internetauftritt und viel Mundpropaganda sind die Kunden auf mich aufmerksam geworden. Die Idee funktioniert, erzählt Beate Herzberg, die die Vorzüge der Selbstständigkeit genießt. Vorher als Angestellte hatte ich kaum Zeit für meine Familie. Jetzt genieße ich es, mir meine Zeit selbst einzuteilen und die Termine so zu legen, dass es mir passt. Aus ihren Erfahrungen hat sie gelernt, dass eine externe Beratung auf dem Weg in die Selbstständigkeit hilfreich ist.
Ich kann nur allen Neugründern den Tipp geben, sich rechtzeitig vorher umfassend zu informieren und sich beraten zu lassen, so Beate Herzberg. Sie selbst hat erst nach ihrer Gründung vom Büro Startklar erfahren, beim Unternehmerinnentag vor rund einem Jahr. Seitdem besucht auch sie die Netzwerktreffen und Seminarangebote zu Themen wie Marketing oder Zeitmanagement.
Wer sich als Frau selbstständig machen will oder dies schon getan hat, kann sich beim Büro Startklar im Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft in Nordhausen, Reichsstraße 30, beraten lassen, Telefon 03631 47590 und E-Mail blume@bwtw.de. Mehr zur Gründerwoche gibt es auch im Internet unter www.gruenderwoche.de.



