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Di, 08:11 Uhr
14.09.2010

"Wir erfüllen Verträge"

Es ist still geworden um das Abfallwirtschaftszentrum Nentzelsrode. In politischen Kreisen dieser Region redet man nicht allzu gern darüber. Die nnz hatte jüngst wieder berichtet und traf sich jetzt mit Rainer Zipfel. Der Mann ist Geschäftsführer Ost des Entsorgungsgiganten Remondis.

Müll als Polit-Problem (Foto: nnz) Müll als Polit-Problem (Foto: nnz)
Hier kommt unser "Müll" an und wird vorsortiert

Remondis, ehemals Rethmann, ist nicht nur einer der großen deutschen Entsorger, Remondis ist längst ein Global-Player geworden. Mit Müll läßt sich weltweit Geld verdienen. Mit Hausmüll in Deutschland ist das Erwirtschaften von Gewinnen momentan jedoch ein wenig schwierig, um es vorsichtig auszudrücken. Und da macht der Landkreis Nordhausen keine Ausnahme.

Auch deshalb ein Blick zurück. Die Technische Anleitung Siedlungsabfall (TASi) existiert seit dem Jahr 1993. Sie wurde immer wieder fortgeschrieben und sah ab dem Jahr 2005 zwingend vor, keine unbehandelten Abfälle auf Deponien abzulagern. Die strengen Anforderungen des Regelwerks führten dazu, dass Siedlungsabfall nur noch als Schlacke deponiefähig gewesen wäre, nachdem er zunächst der Müllverbrennung zugeführt wurde. Mit Ablaufen der letzten Übergangsfristen im Jahr 2005 wurden reine Hausmülldeponien (ohne Vorbehandlung) unzulässig, was zur Schließung einer erheblichen Anzahl von Deponien in Deutschland führte. Nach langen Verhandlungen wurde auch die so genannte Mechanisch-biologische Abfallbehandlung (MBA) zugelassen.

Müll als Polit-Problem (Foto: nnz) Müll als Polit-Problem (Foto: nnz)
Frist jede Menge Strom: Die Kugelmühle

Eine solche Anlage hat Remondis auf dem Abfallwirtschaftszentrum Nenztelsrode errichtet. Im Kurzdurchlauf: Der Hausmüll wird aus vier Nordthüringer Landkreisen nach Nentzelsrode gebracht, dort zerkleinert, getrennt, biologisch aufbereitet, ein Teil wird verbrannt (siehe dazu auch mehrfach im Archiv der nnz). Das ist mit Remondis und dem Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen (ZAN) vertraglich vereinbart, dafür bekommt das Unternehmen je angelieferter Tonne 97 Euro und muss damit auskommen.

Doch der Entsorger hat ein Problem: Ausgeschrieben wurde vor acht Jahren für eine angenommene Müllmenge in Nordthüringen von 100.000 Tonnen pro Jahr, genehmigt wurden sogar 140.000 Tonnen. Die tatsächliche Müllmenge wird sich in diesem Jahr auf 70.000 Tonnen belaufen. "Hier stoßen wir als Unternehmen an eine Schmerzgrenze, bei der eine MBA äußerst unwirtschaftlich arbeitet", erläutert Rainer Zipfel und musste reagieren. Das heißt: das technische Konzept muss verändert, die Verarbeitungskosten minimiert werden. Die Möglichkeit, die ausgebliebenen Hausmüllmengen durch Gewerbeabfälle auszugleichen ist nahezu unmöglich, da aufgrund von deutschlandweiten Überkapazitäten bei der Müllverarbeitung (mehr Anlagen als dem Müllaufkommen entsprechend) momentan ein ruinöser Preiskampf tobt. Die Alternative ist, um es kurz auszudrücken, die Kugelmühle abzuschaffen und den gesamten Sortierprozess zu vereinfachen, Energiekosten sparen. Im Klartext - es muss mehr verbannt werden.

Müll als Polit-Problem (Foto: nnz) Müll als Polit-Problem (Foto: nnz)
Hier wird in die unterschiedlichen Fraktionen getrennt

Ein Problem hat auch der Landkreis Nordhausen. Der hat nicht nur die Deponie, sondern auch den Technologieverbund Nentzelsrode (TVN) an der "politischen Backe". Zwischen 30.000 Tonnen und 35.000 Tonnen bekommt die TVN nach der Behandlung von Remondis zur biologischen Weiterverarbeitung. Was aber, wenn die Anlagen der TVN komplett verschlissen sind, wie das der Fall ist? Wohin mit diesen Stoffen, wohin mit dem Inhalt der braunen Tonnen? Momentan nach Halle. Doch das ist keine Lösung, das ist Vernichtung von Geld. Wohl gemeint - Geld, das über Abfallgebühren eingenommen wird.

"Wir haben in Gesprächen mit der Führungsspitze des Landratsamtes immer wieder deutlich gemacht, dass die Zukunft der Deponie des Landkreises Nordhausen gemeinsam gestaltet werden könnte. Möglich wäre eine Übernahme der Deponie und die vertragliche Verpflichtung unseres Unternehmens, das gesamte Areal nach Jahren rekultiviert zurückzugeben", so Zipfel im Gespräch mit der nnz. Interesse zeigt Remondis auch in Richtung einer gemeinsamen Lösung, wie der Biomüll verarbeitet werden kann, nämlich am Standort. Fakt ist: Der Landkreis als alleiniger Gesellschafter der TVN GmbH kann neue, notwendige Investitionen in die beiden TVN-Anlagen (siehe nnz-Archiv) nicht schultern. Der Landkreis kann kaum die Krediten bedienen, die zum Bau der Anlagen einst aufgenommen wurden. Auch deshalb soll Remondis eine Art Entschädigung zahlen, wenn die Gesamt-Technologie verändert wird.

Es gibt noch eine dritte Variante, wie die Zukunft des Abfallwirtschafts-Wunder-Zentrums bei Nordhausen aussehen könnte: "Remondis hat mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft einst einen Vertrag geschlossen. Der gilt bis zum Jahr 2020 und den werden wir zu den damals geschlossenen Konditionen auch erfüllen", so Zipfel, der ergänzt, dass Remondis immer zu Verträgen stehe. Das Problem, das - so unsinnig das auch scheinen mag -dann entsteht, das hat einzig und allein der Landkreis Nordhausen. Der ist Eigentümer der TVN und der Deponie. Beides sind - ohne vernünftig gestaltete Zukunft - Gräber für Millionen Euro an Steuergeldern.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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