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Mo, 12:54 Uhr
13.09.2010

Besuch in Hohenrode

Am vergangenen Freitag wurde der Park Hohenrode in Nordhausen von 60 bis 70 Gehölzinteressierten aus ganz Deutschland in Augenschein genommen. Was der Grund dafür war und mit welchem Ergebnis die Fachleute die Rolandstadt wieder verlassen haben, das hat die nnz erfahren...


Die Vereinigung „Gesellschaft Deutsches Arboretum“ (DDA), unter Leitung ihres Vorsitzenden Dr.Reinhard Weidner aus Hannover, hält ihre diesjährige Jahrestagung in Thüringen ab und wählte als erstes Exkursionsziel den Nordhäuser Villenpark mit seinen wertvollen Baumbeständen. Prof. Dr. Peter A. Schmidt von der TU Dresden,Vorsitzender der Deutschen Dendrolohgischen Gesellschaft (DDG) nahm ebenfalls an der Jahrestagung teil.

Gleich am Eingang des Parks weckten zwei ältere Magnolien das Interesse der Dendrologen, eine Gurken-Magnolie und eine Honoki-Magnolie. Letztere wurde von den Experten als bemerkenswert altes und vitales Exemplar bestaunt. Nach der Begrüßung und einer kurzen geschichtlichen Einführung durch Gisela Hartmann, Vorsitzende des Fördervereins und der Bürgerstiftung „Park Hohenrode“, ging es unter Leitung der Gartendenkmalpflegerin und Siesmeyerexpertin Barbara Vogt aus Frankfurt/Main zügig durch den Park.

In derzweistündigen Führung konnte nur ein Teil der interessanten Baumschätze gezeigt und gewürdigt werden. Vor der Terrasse der Villa wurde der schöne Strauch der Sibirischen Fiederspiere bewundert, den man heute kaum noch in Gartenanlagen anträfe, so die Experten. Die Gruppe machte auch Halt an einer der ältesten Flatter-Ulmen im Park. Sie hat bis jetzt der Ulmen-Krankheit getrotzt und ist daher ein seltenes Exemplar. Hier erläuterte Barbara Vogt, dass einige der Bäume im Park nur aufgrund der alten Gehölzlisten der früheren Besitzer des Parks bestimmt werden konnten.

Carl Kneiff, Tabakfabrikant aus Nordhausen und Mitbegründer der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft in Deutschland, und sein Sohn Fritz hatten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Park und Villa anlegen lassen und die Baumsammlung aufgebaut. Da sie Kontakte zu in- und ausländischen Sammlern und gut sortierten Baumschulen hatten, wie etwa der Baumschule des Muskauer Parks (Bad Muskau), pflanzten sie vieles, was heute in den Fachbüchern zur Baumkunde nicht mehr vorkommt.

Gerade in diesem Punkt war der Besuch der Experten von der Gesellschaft Deutsches Arboretum interessant und hilfreich und es wurde auch für zukünftige Zweifelsfragen bei der Bestimmung Unterstützung zugesagt. Alles in allem waren die Baumkundler unter Leitung ihres Präsidenten Dr. Reinhard Weidner mit dem Gesehenen in Hohenrode sehr zufrieden. Die Besucher gratulierten dem Förderverein „Park Hohenrode“ zum Erwerb des Parks. Der Rat der Experten die „goldene Axt“ walten zu lassen, also dem Unterwuchs Einhalt zu gebieten, ist auch den Vereinsmitgliedern ein Anliegen.

Bereits vor vierzehn Tagen wurde mit den ersten Arbeiten begonnen. Barbara Vogt erläuterte die geplanten Arbeitsschritte zur Wiederherstellung des Parks, die auf einer exakten Auswertung der alten Gehölzlisten beruhen. Es müsse jedoch Schritt für Schritt vorgegangen werden und es würden dabei solche Arbeitstechniken bevorzugt, die den historischen Pflanzenbestand und den Boden schonen.

Beim Abschied wies Prof. Dr. Peter A. Schmidt darauf hin, dass die beiden Gründer der Baumsammlung eng mit der Geschichte der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft verbunden sind. Carl Kneiff war 1892 einer der Mitbegründer der Gesellschaft und sein Sohn Fritz war seit 1910 lebenslanges Mitglied. Er stellte das Bildarchiv zusammen, das sich im Archiv der Stadtverwaltung Nordhausen befindet.

Es wurde in diesen Tagen von Volker Buffier, einem ebenfalls bekannten Gehölzkundler mit Interesse begutachtet. Die Bürgeerstiftung wurde erst 2010 gegründet und der Villenpark erst vor vier Wochen aus privater Hand erworben. Beim nächsten Besuch der Gesellschaft Deutsches Arboretum werden alle Wege in Hohenrode für Besucher wieder begehbar sein, und es können dann noch weit mehr der alten, wertvollen Bäume gezeigt werden.

Der Besuch der interessierten und überaus fachkundigen Gäste wurde zum Geschenk für die "junge" Bürgerstiftung und den Förderverein Park Hohenrode. Nichts ist spannender als ein Expertenstreit in der Natur.
Autor: nnz

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