Mi, 12:31 Uhr
12.02.2003
Zum Notdienst nach Sondershausen?
Nordhausen/Heringen (nnz). Die Gesundheitsreform beschert den Apotheken des Landkreises Nordhausen alles andere als rosige Aussichten. Jetzt wollen die Apotheker handeln und bereiten einen Vorschlag für die Rürup- und für die Herzogkommission vor...
Trotz aller Schwierigkeiten wollen wir den Kopf nicht hängen lassen. Als Betroffene und Praktiker soll den beiden Kommissionen ein Vorschlag zur Reformierung der bestehenden Gesetzlichkeiten unterbreitet werden, meinte der Heringer Apotheker Christian Worbes im Gespräch mit der nnz. Worbes rechnet damit, dass dieses Papier in zwei Wochen nach Berlin geschickt werden könne. Hintergrund des Handels ist unter anderem das neue Gesetz, welches die Zwangsrabatte an die Krankenkassen angehoben hatte. Christian Worbes macht eine einfache Rechnung auf: Jede Apotheke im Landkreis Nordhausen muß dadurch pro Jahr rund 50.000 Euro vor Steuern mehr an die Krankenkassen abführen. Das ist ein massiver Eingriff in die Betriebsführung!
Bislang habe es als Folge bereits vier Entlassungen gegeben, die Zahl der Ausbildungsplätze in den Apotheken solle weiter reduziert werden. Für die Kunden wird aber noch weitaus schlimmer kommen. Gegenwärtig gibt es Gespräche mit der Region um Sondershausen hinsichtlich der Reformierung der Not- und Nachtdienste. Jetzt schlagen diese Dienste je Apotheke mit etwa 35.000 Euro an Lohnkosten zu Buche. Also soll das Netz der Notdienste weitmaschiger werden. Und da kann es schon passieren, dass ein Kunde aus Sollstedt in der Nacht oder am Wochenende nach Sondershausen fahren müsse, um sein notwendiges Medikament einzulösen.
Von den in Thüringen 543 arbeitenden Apotheken seien gegenwärtig etwa 50 in ihrer Existenz bedroht. Damit dreht sich die Spirale des verminderten Rohgewinns oder der Erhaltung der Arbeitsplätze nicht nur für die Apotheken weiter nach unten. Weniger Umsatz, weniger Gewinn, das macht auch weniger Gewerbesteuer für die Kommunen.
Für Christian Worbes ist das Gesundheitssystem in Deutschland das eigentliche Problem. Es müsse dringend reformiert werden. So zum Beispiel müssen sich an diesem System alle Mitglieder der Gesellschaft beteiligen. Neben einer Grundversorgung, die selbstverständlich quantitativ und qualitativ ausreichend sein müsse, sollte es die Form einer Selbstbeteiligung geben. Und vielleicht sollten auch Anleihen an der Kfz-Versicherung genommen werden: Wer unfallfrei fährt, der kann seine Schadensfreiheitsklasse positiv beeinflussen, so der Vergleich von Christian Worbes. Und der Apotheker aus Heringen schiebt gleich noch ein Bild hinterher: Momentan erleben wir im Gesundheitswesen eine sozialistische Mangelwirtschaft mit kapitalistischen Regularien.
Autor: nnzTrotz aller Schwierigkeiten wollen wir den Kopf nicht hängen lassen. Als Betroffene und Praktiker soll den beiden Kommissionen ein Vorschlag zur Reformierung der bestehenden Gesetzlichkeiten unterbreitet werden, meinte der Heringer Apotheker Christian Worbes im Gespräch mit der nnz. Worbes rechnet damit, dass dieses Papier in zwei Wochen nach Berlin geschickt werden könne. Hintergrund des Handels ist unter anderem das neue Gesetz, welches die Zwangsrabatte an die Krankenkassen angehoben hatte. Christian Worbes macht eine einfache Rechnung auf: Jede Apotheke im Landkreis Nordhausen muß dadurch pro Jahr rund 50.000 Euro vor Steuern mehr an die Krankenkassen abführen. Das ist ein massiver Eingriff in die Betriebsführung!
Bislang habe es als Folge bereits vier Entlassungen gegeben, die Zahl der Ausbildungsplätze in den Apotheken solle weiter reduziert werden. Für die Kunden wird aber noch weitaus schlimmer kommen. Gegenwärtig gibt es Gespräche mit der Region um Sondershausen hinsichtlich der Reformierung der Not- und Nachtdienste. Jetzt schlagen diese Dienste je Apotheke mit etwa 35.000 Euro an Lohnkosten zu Buche. Also soll das Netz der Notdienste weitmaschiger werden. Und da kann es schon passieren, dass ein Kunde aus Sollstedt in der Nacht oder am Wochenende nach Sondershausen fahren müsse, um sein notwendiges Medikament einzulösen.
Von den in Thüringen 543 arbeitenden Apotheken seien gegenwärtig etwa 50 in ihrer Existenz bedroht. Damit dreht sich die Spirale des verminderten Rohgewinns oder der Erhaltung der Arbeitsplätze nicht nur für die Apotheken weiter nach unten. Weniger Umsatz, weniger Gewinn, das macht auch weniger Gewerbesteuer für die Kommunen.
Für Christian Worbes ist das Gesundheitssystem in Deutschland das eigentliche Problem. Es müsse dringend reformiert werden. So zum Beispiel müssen sich an diesem System alle Mitglieder der Gesellschaft beteiligen. Neben einer Grundversorgung, die selbstverständlich quantitativ und qualitativ ausreichend sein müsse, sollte es die Form einer Selbstbeteiligung geben. Und vielleicht sollten auch Anleihen an der Kfz-Versicherung genommen werden: Wer unfallfrei fährt, der kann seine Schadensfreiheitsklasse positiv beeinflussen, so der Vergleich von Christian Worbes. Und der Apotheker aus Heringen schiebt gleich noch ein Bild hinterher: Momentan erleben wir im Gesundheitswesen eine sozialistische Mangelwirtschaft mit kapitalistischen Regularien.

