eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Fr, 07:01 Uhr
06.08.2010

nnz-Forum: Glocken – Kerzen – Unterschriften

Gestern Abend gab es in Sundhausen die zweite Andacht vor und in der Kirche, zu der die Bürgerinitiative eingeladen hatte. Dazu Gedanken eines Sundhäusers im Forum der nnz...


Auch gestern läuteten in Sundhausen exakt um 19:00 Uhr die Glocken der Ortskirche – genau zu der Zeit, da die Bürgerversammlung Mitte Juli zum geplanten Autohof-Standort (genau an Sundhausens süd-westlichstem Zipfel) in der Sundhäuser Festhalle stattfand. In einer Halle, die ein Symbol für den gelungenen und von vielen Nordhäusern und Sundhäusern als positiv erlebten Beitritt zur Stadt Nordhausen war. Hatten doch in eben dieser Halle Nordhausens damaliger Bürgermeister Dr. Manfred Schröter und Sundhausens damalige Bürgermeisterin Elisabeth Milbret gemeinsam zu den Sundhäusern gesprochen.

Gestern waren Kirchplatz und Kirche in Sundhausen wieder gut besucht. Aus allen Teilen unseres Ortes, aus allen Bevölkerungsschichten - egal ob konfessionell gebunden oder nicht - strömten die Bürger zur Kirche, nicht nur um zu beten, sondern um ein Zeichen zu setzen. Pfarrer Wolf hielt eine kurze Andacht – viele Sundhäuser entzündeten Kerzen in der Kirche und brachten ihre Ängste und Sorgen zum Ausdruck. Vor der Kirche hatten sich Bürger versammelt. Einige schlossen sich zu einer Gruppe zusammen, die dann vom Kirchplatz die Riesleber Straße entlang bis zu Sundhausens schon jetzt sehr lautem Süd-West-Ende schlenderte. Genau an dieser Stelle soll zusätzlich der gigantische Autohof entstehen.

Es wird noch mehr Lärm, es werden noch mehr Abgase direkt in den Ort ziehen. Tausende schwere Fahrzeuge sollen hier – nur wenige Meter von den letzten Häusern des Ortes entfernt täglich rollen, halten, anfahren, bremsen, rasten ... . Verzweiflung macht sich in den Gesichtern der Menschen breit - Hilflosigkeit.

Jeden Abend brennen im Ort immer mehr Kerzen vor den Häusern und in deren Einfahrten. Sie brennen als stille Mahnung und als Ausdruck der Hoffnung. Plakate sind an vielen Zäunen und Häusern angebracht. Sie klagen still an. Einen Autohof für die A 38, für die Kraftfahrer, für den Arbeitsmarkt, für steigende Steuereinnahmen in der Region braucht man, das sieht im Ort jeder so. Einziger Kritik- und Streitpunkt ist die Standortfrage. Von einer Lagerbildung ist im Ort wenig zu spüren. Es gibt wenige Befürworter des Standortes direkt vor der Haustür des Ortes.

Nicht alle Kerzen jedoch leuchten bis zum nächsten Morgen, einige verlöschen von selbst. Andere Kerzen ganzer Straßenzüge verschwanden einfach. Es waren die Kerzen gerade der Straßenzüge, denen die größte Beeinträchtigung bevorsteht, sollte der Hof gebaut werden. Die Kerzen wurden durch Unbekannte entfernt. Wenn Argumente fehlen, wird man handgreiflich – still und heimlich, im Schutz der Dunkelheit. Kriminelle Impulse also, die bereits „vom Autohof ausgehen,“ bevor er steht.

Was steht den Nordhäusern und Sundhäusern bevor? Die ersten Zwischenergebnisse der Unterschriftensammlung liegen längst vor. Es ist eine alarmierende, eine erschreckende Wahrheit die sie aufzeigen. Es sind nicht einige Bürger oder Familien auch nicht ein Handvoll – es ist eine Mehrheit vorhanden, eine Mehrheit die mächtig ist, eine Mehrheit, mittels derer in Parlamenten Gesetze verabschiedet werden könnten. Eine Mehrheit die sich ganz klar gegen den viel zu nahen Standort ausspricht.

De jure ist diese Mehrheit heute für Sundhausen allerdings wertlos. Sundhausen kann seit dem Beitritt zu Nordhausen nicht mehr über all‘ seine eigenen Angelegenheiten entscheiden. Eine Stimme hat der Ort im Stadtrat, die Stimme des Bürgermeisters, der zugleich auch Stadtrat ist. Ortschaftsräte erklären nun offen, die Tragweite des Vorhabens für Sundhausen, vor allem die Dimension des geplanten Autohofes nicht sofort voll erkannt zu haben. Sie spüren, daß nun endlich etwas passieren muß und wollen handeln.

Sundhausen dankt diesen Ortschaftsräten, dafür, daß sie den ersten Schritt tun, dafür, daß sie nicht zurück, sondern nach vorn schauen, dafür, daß sie versuchen, die Mehrheit der Sundhäuser zu vertreten, dafür, daß sie offenbar nicht mehr warten wollen. Niemand wird ihnen Vorwürfe machen, niemand sollte sie anklagen. Die Ortschaftsräte sind unsere gewählten Vertreter, die Vertreter Sundhausens. Der Bürgermeister ist über alle Aktivitäten der Bürgerinitiative, insbesondere über die alarmierenden Ergebnisse der Unterschriftensammlung zuerst informiert worden, auch er kennt den Willen der Mehrheit der Sundhäuser.

Was passiert weiter? Für unsere Stadt Nordhausen, für alle ihre Ortsteile steht eine kommunalpolitische Zäsur bevor. Alle Ortsteile werden sehr sehr aufmerksam verfolgen, ob gegen den Willen des „hinkenden“ Ortsteiles Sundhausen Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen die den ländlichen und von vielen jungen Familien mit Kindern bewußt für den Rest ihres Lebens ausgewählten Wohnort für alle Zeit nachhaltig derart abwerten, daß einige bereits offen darüber nachdenken, ob es im Falle des Autohofes lohnt, hier weiter Geld in Eigenheime und Grundstücke zu investieren.

Kosmetische Korrekturen am Entwurf des Bebauungsplanes Autohof 88 / Sundhausen wird hier niemand hinnehmen, eben weil genügend Alternativen in Form von geeigneteren Standorten an der A 38 zur Verfügung stehen und auch gerade weil der Investor erst kürzlich offen erklärte, in einer derart „feindlichen“ Atmosphäre (für die er selbst übrigens nichts kann) nicht bzw. höchst ungern investieren zu wollen. Er hat die Zeichen der Zeit also offenbar sehr gut erkannt – auch mit zwei Beschlüssen des Stadtrates in der Tasche, die ihn jedoch nicht von vornherein berechtigen auch noch den fehlenden dritten Stadtratsbeschluß zu erwarten.

Hier in Sundhausen wohnen Menschen, Familien mit Kindern und alte Menschen, diese Menschen haben ein Recht auf Gesundheit, auf Ruhe, auf eine saubere Luft und auf einen sicheren Ort. 1055 Bürger haben diese Rechte, jeder an jeder Stelle des Ortes und zu jeder Zeit – 933 Bürger davon sind Wähler.
Janko Jödicke, Sundhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Anzeige symplr (6)
Kommentare
Windhauch
06.08.2010, 16:03 Uhr
Andersdenkende
Durch die Diskussionen oder Handlungen, den geplanten, versprochenen, erwarteten, abgelehnten, erhofften, nicht benötigten (wie auch immer) Autohof vor der eigenen Haustür betreffend, sollte sich eine Dorfgemeinschaft keinesfalls in verschiedene Lager "aufspalten" lassen!

Es darf auch nicht so weit gehen, dass die Meinung des Andersdenkenden nichts gilt oder "demontiert" wird! Schließlich wird es ein Weiterleben in einer gewachsenen Dorfgemeinschaft mit all ihren wertvollen traditionellen, familiären, kulturellen, historischen und zwischenmenschlichen Erfahrungen geben - ob nun mit oder ohne Autohof - die es gilt, zu bewahren.

Aus meiner (Nordhausener) Sicht wird Sundhausen durch einen Autohof nicht auf-, sondern abgewertet, ähnlich der Wohngrundstücke in Industriegebieten, an Eisenbahntrassen oder neben Atomkraftwerken.

Dabei meine ich nicht nur die akuten Einschränkungen und (natürlich per Gutachten) kleingeredeten Beeinträchtigungen durch Lärm, Abgase, Verkehrsaufkommen usw. sondern die Frage ist auch, wie die Sundhäuser künftig den Charakter ihrer Dorf-, Heimat- bzw. Straßenfeste bewahren wollen, mit einem riesigen Autohof vor der Tür.

Zur Erinnerung: „… Neben den fast 200 Stellplätzen für Lkw und den eben erwähnten Branchen soll es ein eine Landmetzgerei, ein 60-Zimmer-Hotel der Zwei-Sterne-Plus-Kategorie mit Sauna und Physiotherapie aber auch eine Indoorhalle mit Kletterwand geben. Geplant sind ebenfalls ein Erotikshop und eine Stangen-Tanzbar …“ (Zitat nnz-online v. 02.08.2010). Eine echte Familienbegegnungsstätte also.

Ich hoffe sehr, dass diejenigen Sundhäuser, die für sich zu Recht eine künftige Beschäftigungsmöglichkeit auf dem Autohof sehen, nicht enttäuscht werden. Regionale Unternehmen sind sicher nicht vertreten und die letztlich vorhandenen Arbeitsplätze - bis vielleicht auf die Landmetzgerei - sind in überregionaler (auch osteuropäischer) Hand.

Vielleicht lautet die Frage nicht: Autohof „Ja“ oder „Nein“. Eher sollte gefragt werden: Wie viel Autohof „verträgt“ ein Ort wie Sundhausen vor der Haustür?
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)