Mo, 13:12 Uhr
10.02.2003
...abruptes wie unerwartetes Ende
Nordhausen (nnz). Mit großen Erwartungen blicken wir zurück auf das Finale Mensch gegen Maschine vom letzten Freitag, nachdem die vorletzte Partie am vergangenen Mittwoch, mit einem Zwischenstand von 2,5 : 2,5 endete. Hier das überraschende Ergebnis.Wer die gespielten Partien mitverfolgt hat, stellt sich sicher ebenfalls die Frage:
Hat der menschliche Verstand die Ausdauer und Cleverness, eine zehn Jahre lang entwickelte K.I. (künstliche Intelligenz) eines Computer-Schach-Programms auf einem Hochleistungsrechner, zu besiegen??
Mit Spannung, verfolgte nnz die gesamten Partien des Schach-Großmeisters Gary Kasparov gegen Deep Junior, im Athletic Club New York.
Näheres zu den jeweiligen Zweikämpfen, finden sie in folgenden Artikeln:
16. Zug brachte Entscheidung
An Dramatik kaum zu übertreffen
Unentschieden nach Niederlage
Mensch gegen Maschine
Kasparov ging mit guten Absichten in die letzte Partie gegen Deep Junior und erhoffte sich nun eine klare Entscheidung über die bisherigen unentschiedenen Partien. Aus einem Statement nach dem Spiel war zu erfahren, das Kasparov auf ein druckvolles, dominierendes Spiel setzte, sich somit Zeit zu verschaffen und wie üblich den entscheidenen Schlag, nach einem Fehler von Seiten des Programms, durchführen zu können.
So begann auch das letzte der insgesamt sechs Treffen, Deep Junior eröffnete Sizilianisch. Kasparov hingegen brachte von Beginn an viel Druck in sein Spiel und konterte mit dem Najdorf-System. Der Versuch von Kasparov, durch schnelle Züge den Gegner unter Druck zu setzen, zu verwirren und von seiner eigenen Strategie abzubringen, gelang.
Dem Computerprogramm blieb somit kaum Zeit, sich auf den Gegner einzustellen und eine passende Stategie zu verfolgen.
Stattdessen konnte Deep Junior anfangs nur reagieren und nicht kontrollieren und schien einige Züge lang recht orientierungslos und ohne Konzept zu spielen.
Ab dem 11. Zug galt die Partie als offen, die Chancen klar verteit und Kasparov als Favorit, bei den Analytikern. Kurz nach einem Damentausch in der 23. Runde, wurde Kasparovs Spielverhalten aggressiver: mit einer Offensive konnte er einen Springer und einen Bauern schlagen, im Gegenzug opferte er einen Turm.
Das ist bizarr sagte Mig Greengard, einer der Kommentatoren, nachdem Kasparov in dieser Runde Deep Junior das Remies anbot. Das Publikum und die Kommentatoren konnten es zunächst nicht glauben, gerade nachdem Kasparov das Spiel zu kontrollieren schien, der Druck für Junior wuchs. Die Enttäuschung auf Seiten der Zuschauer war groß, da sie immernoch mit einer zunehmend spannenden Partie rechneten.
Die Aufregung erreichte ihren Höhepunkt, als Team Junior das Remies ablehnte. Nach einigen weiteren Zügen, ging Deep Junior im 28. Zug und nach drei Stunden Spielzeit, letztendlich auf das Remies ein.
Das hatte viele Fragen aufgeworfen, die Kasparov in einer anschließenden Pressekonferenz beantwortete.
So zeigte sich Kasparov recht zufrieden und meinte: Unentschieden war ein gutes Ergebnis. Er habe den 27. Zug Juniors nicht vorhergesehen und seine Stellung sei nun zu passiv für ernsthafte Gewinnversuche.
Mit dem 23. Zug opferte ich meinen Turm und bot gleichzeitig ein Remies an. Ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich besser stand als Junior. Ich glaube, was ich tat, war ein logischer Zug, der beste Zug. Es ist sehr schwer, solche Dinge im Spiel mit einer Maschine einzuschätzen. Vielleicht hätte ich warten sollen.
Gegen jeden menschlichen Spieler hätte ich in dieser letzten Stellung weiter gekämpft. Schwarz stand definitiv nicht schlechter da als Weiß. Das Spiel zu gewinnen hätte aber eine sehr, sehr lange Zeit gedauert, und dann kommt dieser Druck ins Spiel, wenn man gegen einen Computer spielt. Je länger die Partie andauert, desto größer wird die Gefahr eines dummen Fehlers, während die Maschine niemals einen groben Schnitzer machen wird. Unentschieden war ein gutes Ergebnis.


