Mi, 14:54 Uhr
04.08.2010
Probleme ohne Ende?
Vor mehr als einem Jahr hatte die nnz über die katastrophalen Zustände auf der Deponie in Nentzelrode berichtet. Damals musste die dortige Biogasanlage dicht gemacht werden. Verschlissen, marode. Jetzt droht auch anderen Anlagen auf dem einstigen Innovationszentrum das Aus.
Um Sie, liebe Leser der nnz, auf den aktuellen Stand zu bringen: In den vier Landkreisen Nordthüringens werden die Inhalte der grauen Tonnen eingesammelt, an diversen Punkten umgeladen und dann nach Nentzelsrode gefahren. Die Deponie gehört dem Landkreis Nordhausen, der Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen (ZAN) organisiert das alles. Im Landkreis Nordhausen bringen die neuen Südharz-Werke den Tonnen-Inhalt nach Netzelsrode. Die bleiben bei der jetzigen Betrachtung außen vor.
In Nentzelsrode wird der Restmüll grob sortiert. Dann geht es ab in die gigantische Kugelmühle der Firma Remondis (ehemals Rethmann), die danach unseren Abfall zerkleinert. Das Endprodukt dieses mechanischen Prozesses wird geteilt, der Part mit einem hohen biologischen Anteil, der wird weiter verarbeitet, die Fraktion mit einem relativ hohen Brennwert wird in die Müllverbrennungsanlage bei Staßfurt nach Sachsen-Anhalt gefahren.
Soweit die Theorie, zumindest die biologische. Die Praxis sieht seit einem Jahr gänzlich anders aus. Die einstige Biogasanlage, der Stolz der Forscher und Betreiber der Firma TVN, musste 2009 stillgelegt werden. Fachleute und Politiker sagten damals, die Anlage sei bewusst auf Verschleiß gefahren worden, die vom Landkreis gezahlten Gelder seien nicht für die Instandhaltung verwendet worden. Das ist auch Kern einer anonymen Anzeige gegen die Herren Lill und Claus wegen Betrug und Untreue bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Dazu weiter unten mehr.
Die Biogasanlage, mit der Strom erzeugt werden soll, hat ihren Geist aufgegeben. Vergoren wird der Biomüll jetzt vor den Toren von Halle. Bleibt noch die biologische Restabfallbehandlungsanlage, deren Endprodukte nicht weiter verarbeitet werden können und auf der Deponie abgelagert werden. Dafür bekommt der Landkreis als Besitzer der Deponie Geld, was normal ist, denn der Betreiber der Anlage, die Technologieverbund Nentzelsrode GmbH (TVN - siehe nnz-Archiv) bekommt wiederum von Remondis Geld.
Nun aber sitzt der Betreiber der Anlage, die inzwischen vollständig kommunalisierte TVN, auf einem Haufen Schrott, denn auch dieses ingenieurtechnische Kunstwerk sei auf Verschleiß gefahren worden, berichten Insider. Fünf Jahre ist die Anlage jung - und Schrott. Zwei Millionen Euro müssen investiert werden, um die Auflagen des Landesverwaltungsamtes für einen Weiterbetrieb zu erfüllen. Übrigens: Gekostet hatte das alles vor fünf Jahren rund sechs Millionen Euro. Einnahmen gibt es nicht mehr, dabei bleiben Abschreibungen und Darlehensverpflichtungen auf der Ausgabenseite bestehen.
Es kommt noch schlimmer: Hinter vorgehaltener Hand wird in Nordhausen getuschelt, dass die Kugelmühle von Remondis ihren Geist aufgegeben haben soll. Das wäre nicht nur fatal, sondern das Ende im Gelände. Doch hätten die Tuschler bei Remondis angerufen, dann wäre ihnen - wie der nnz - gesagt worden, dass es sich bei der einwöchigen Zwangspause lediglich um eine Routine-Pause gehandelt habe. "Einmal im Jahr mindestens müssen wir die Umlaufpanzerplatten in der Mühle auswechseln. Jetzt läuft die Mühle wieder", so Rainer Zipfel, der Geschäftsführer von Remondis Ost zu nnz. Mit dem momentanen Zustand seines Geschäftspartners TVN scheint Zipfel nicht so glücklich. "Wir haben sowohl der TVN als auch dem Zweckverband Gespräche angeboten, um die Technologie am Standort Nentzelsrode zu ändern."
Einen Nachtrag sind wir Ihnen noch schuldig: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind in diesen Tagen eingestellt worden. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Biogasanlage über den normalen Verschleiß hinaus gefahren worden sei. Ein beabsichtigte Nutzungsdauer von 16 Jahre nicht realistisch, eher zehn Jahre, schreiben die Staatsanwälte in ihrer Begründung.
Autor: nnzUm Sie, liebe Leser der nnz, auf den aktuellen Stand zu bringen: In den vier Landkreisen Nordthüringens werden die Inhalte der grauen Tonnen eingesammelt, an diversen Punkten umgeladen und dann nach Nentzelsrode gefahren. Die Deponie gehört dem Landkreis Nordhausen, der Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen (ZAN) organisiert das alles. Im Landkreis Nordhausen bringen die neuen Südharz-Werke den Tonnen-Inhalt nach Netzelsrode. Die bleiben bei der jetzigen Betrachtung außen vor.
In Nentzelsrode wird der Restmüll grob sortiert. Dann geht es ab in die gigantische Kugelmühle der Firma Remondis (ehemals Rethmann), die danach unseren Abfall zerkleinert. Das Endprodukt dieses mechanischen Prozesses wird geteilt, der Part mit einem hohen biologischen Anteil, der wird weiter verarbeitet, die Fraktion mit einem relativ hohen Brennwert wird in die Müllverbrennungsanlage bei Staßfurt nach Sachsen-Anhalt gefahren.
Soweit die Theorie, zumindest die biologische. Die Praxis sieht seit einem Jahr gänzlich anders aus. Die einstige Biogasanlage, der Stolz der Forscher und Betreiber der Firma TVN, musste 2009 stillgelegt werden. Fachleute und Politiker sagten damals, die Anlage sei bewusst auf Verschleiß gefahren worden, die vom Landkreis gezahlten Gelder seien nicht für die Instandhaltung verwendet worden. Das ist auch Kern einer anonymen Anzeige gegen die Herren Lill und Claus wegen Betrug und Untreue bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Dazu weiter unten mehr.
Die Biogasanlage, mit der Strom erzeugt werden soll, hat ihren Geist aufgegeben. Vergoren wird der Biomüll jetzt vor den Toren von Halle. Bleibt noch die biologische Restabfallbehandlungsanlage, deren Endprodukte nicht weiter verarbeitet werden können und auf der Deponie abgelagert werden. Dafür bekommt der Landkreis als Besitzer der Deponie Geld, was normal ist, denn der Betreiber der Anlage, die Technologieverbund Nentzelsrode GmbH (TVN - siehe nnz-Archiv) bekommt wiederum von Remondis Geld.
Nun aber sitzt der Betreiber der Anlage, die inzwischen vollständig kommunalisierte TVN, auf einem Haufen Schrott, denn auch dieses ingenieurtechnische Kunstwerk sei auf Verschleiß gefahren worden, berichten Insider. Fünf Jahre ist die Anlage jung - und Schrott. Zwei Millionen Euro müssen investiert werden, um die Auflagen des Landesverwaltungsamtes für einen Weiterbetrieb zu erfüllen. Übrigens: Gekostet hatte das alles vor fünf Jahren rund sechs Millionen Euro. Einnahmen gibt es nicht mehr, dabei bleiben Abschreibungen und Darlehensverpflichtungen auf der Ausgabenseite bestehen.
Es kommt noch schlimmer: Hinter vorgehaltener Hand wird in Nordhausen getuschelt, dass die Kugelmühle von Remondis ihren Geist aufgegeben haben soll. Das wäre nicht nur fatal, sondern das Ende im Gelände. Doch hätten die Tuschler bei Remondis angerufen, dann wäre ihnen - wie der nnz - gesagt worden, dass es sich bei der einwöchigen Zwangspause lediglich um eine Routine-Pause gehandelt habe. "Einmal im Jahr mindestens müssen wir die Umlaufpanzerplatten in der Mühle auswechseln. Jetzt läuft die Mühle wieder", so Rainer Zipfel, der Geschäftsführer von Remondis Ost zu nnz. Mit dem momentanen Zustand seines Geschäftspartners TVN scheint Zipfel nicht so glücklich. "Wir haben sowohl der TVN als auch dem Zweckverband Gespräche angeboten, um die Technologie am Standort Nentzelsrode zu ändern."
Einen Nachtrag sind wir Ihnen noch schuldig: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind in diesen Tagen eingestellt worden. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Biogasanlage über den normalen Verschleiß hinaus gefahren worden sei. Ein beabsichtigte Nutzungsdauer von 16 Jahre nicht realistisch, eher zehn Jahre, schreiben die Staatsanwälte in ihrer Begründung.

