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Sa, 10:02 Uhr
13.01.2001

Hunderte Gäste bei KSK-Neujahrsempfang

Herr MundRedemanuskript von Sparkassendirektor Rudolf Mund:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zum Beginn eines neuen Jahres wünschen wir Menschen uns gegenseitig Gutes, das hat Tradition, ist meistens wohlgemeint und verbindet auch ein wenig die Hoffnung, dass jeder Jahreswechsel Gutes oder zumindest Besseres bringt. Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2001, mit dem nun auch mathematisch das dritte Jahrtausend begonnen hat, Glück, Erfolg und in erster Linie Gesundheit.

Das vergangene Jahr erfüllte sicherlich zahlreiche Milleniumserwartungen nicht. Damit spreche ich auch die vielen Aktionäre an, diejenigen, die sich der neuen Aktienkultur verschrieben haben. Ich denke, eine große Anzahl von Ihnen wird vielleicht froh sein, das Jahr 2000 endlich geschafft zu haben. Für sie gilt besonders das Zitat auf unserer Einladungskarte: "Eine Hausse wird geboren im Pessimismus. Sie wächst in der Skepsis. Sie altert im Optimismus und stirbt in der Euphorie." Lassen Sie mich noch ein altes Sprichwort meiner Oma hinzufügen: "Wenn alles ganz schrecklich ist, dann kann es nur besser werden." Bleibt nur zu hoffen, dass dem auch so ist, was ich allen gebeutelten Aktionären sehr wünsche.
Meine Damen und Herren, das Jahr 2000 war das Jahr des Wertpapiergeschäftes. Den heutigen Abend widmen wir daher diesem stark expandierenden Geschäftsfeld. Bereits die Einladungskarte zierte ein Abdruck einer Originalaktie der Bürgerlichen Brauhaus AG Nordhausen aus dem Jahr 1935. Mit Ausnahme der Wackeraktie, die wir im vergangenen Jahr zu Sponsoringzwecken auflegten, können wir z.Zt. leider keine Aktie eines aktuell in Nordhausen ansässigen Unternehmens anbieten.

Liebe Gäste,

wie Sie sicherlich wissen, hat sich unsere Sparkasse - ohne Sie mit Zahlenangaben langweilen zu wollen - in den vergangenen Jahren in allen Sparten im Vergleich zu den übrigen Thüringer Sparkassen weit überdurchschnittlich entwickelt. Wir haben unseren satzungsmäßigen Auftrag - die Förderung der heimischen Wirtschaft zu unterstützen - sehr ernst genommen. Manchmal haben wir uns gefragt, wie diese Entwicklung möglich sein kann. Gibt es doch Regionen in unserem Freistaat, die deutlich günstigere Bedingungen aufweisen als unser Landkreis. Wir können doch nur ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Lage unseres Geschäftsgebietes sein. Wenn es in der Wirtschaft brummt, erzielen wir gute Ergebnisse. Wenn das nicht so ist, ist auch bei uns Bescheidenheit angesagt.
Die Bilanzsumme unserer Sparkasse hat sich nach Jahren kontinuierlichen Wachstums erstmals geringfügig reduziert, und zwar um 12,9 Mio. DM auf 1.796,3 Mio. DM. Die Konsolidierung auf hohem Niveau war erwartet, sie stellt meines Erachtens durchaus eine realitätsnahe Abbildung der allgemeinen Situation dar. Wir nutzen diese Phase, um die Qualität unserer Leistungserstellung zu verbessern und das Unternehmen auf die neuen Herausforderungen, der sich dynamisch verändernden Umfeldbedingungen, anzupassen. Nach wie vor sind die Rahmenbedingungen in unserem Geschäftsgebiet sehr schwierig. Ich will die Dinge nicht schlechter reden als sie sind, aber von einem spürbaren Wirtschaftsaufschwung, wie er für die Bundesrepublik insgesamt - in abgeschwächter Form auch für die neuen Bundesländer - für das Jahr 2000 ausgewiesen wird, können wir hier bis heute leider nichts feststellen. Vielmehr machen sich die anhaltende Konjunkturschwäche und die nicht ausreichende Branchendiversifikation deutlich bemerkbar. Boomende Branchen sind leider nicht oder nicht ausreichend in unserem Landkreis anzutreffen. Die Auswirkungen der Krise im Baugewerbe, sie wird wohl noch einige Zeit andauern, spüren auch wir sehr. Auch im Fremdenverkehr gelingt es uns nicht Boden gut zu machen. Die Auslastungsgrade ansässiger Hotel- und Gaststättenbetriebe sprechen leider bis auf wenige Ausnahmen eine sehr deutliche Sprache. Die hohe Erwerbslosenquote in unserem Geschäftsgebiet bzw. die Entwicklung der Quote im Zeitverlauf sowie im Vergleich mit anderen Regionen zeigt meines Erachtens die schwierige Situation sehr deutlich auf.
Unsere Einwohnerzahl im Landkreis ist in den letzten zehn Jahren um fast 10.000 zurückgegangen. Das liegt meines Erachtens nur zum Teil an der geringen Geburtenrate, ich weiß, unsere Mitarbeiterinnen geben auch hier ihr Bestes. Viele Menschen verlassen die Region, gut ausgebildete Fachkräfte - oft junge Menschen - gehen dorthin, wo Arbeit ist, wo pünktlich, meist besser bezahlt wird. Ich befürchte, wenn sich die wirtschaftlichen Situationen in den alten und neuen Bundesländern weiter so unterschiedlich entwickeln, wird sich dieser Prozess noch beschleunigen. Das gilt nicht nur für Nordhausen, sondern auch für viele andere Regionen, ausgenommen Oasen wie Jena, Dresden oder Leipzig.
Es geht mir nicht darum schwarz zu malen oder die enormen Leistungen der vergangenen Jahre zu negieren. Nein, wir haben gemeinsam viel erreicht und können stolz darauf sein. Es ist allerdings höchste Zeit, nach neuen, kreativen Lösungen zu suchen, um den Aufholprozess an die Wirtschaftsentwicklung der alten Länder deutlich zu verstärken.

Meine Damen und Herren,

alle Verantwortlichen sind gefragt wenn es darum geht, die Region attraktiv zu machen, über parteipolitische Grenzen hinweg. Die vermeintlichen Glücksbringer Fachhochschule, Autobahn und Landesgartenschau sind keine Selbstläufer, keine Erfolgsgaranten. Sie können gute Voraussetzungen sein. Was wir daraus machen, liegt an uns. Investoren wollen eine komplette, attraktive Infrastruktur vorfinden, sie erwarten unbürokratische Rahmenbedingungen, sie wollen umworben werden und willkommen sein. Standortmarketing auf professionellem Niveau ist gefordert. Auf einer Autobahn ist ein Standort 15 Minuten weiter in Richtung Ost oder West keine Entfernung, darüber sollten sich alle im Klaren sein. Auch andere Regionen schlafen nicht.
Ansiedlung von mittelständischer Industrie und Gewerbe, Zukunftstechnologien, Kommunikationsdienstleistungen und vieles mehr wäre für unseren Landkreis von großer Bedeutung. Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und nicht nur Unternehmen, die Konsumkraft benötigen. Politik und Wirtschaft sind gefordert an einem Strang zu ziehen. Ansätze, wie Konzertierte Aktion, Runder Tisch, zum Beispiel Landkreis und Stadt Nordhausen gemeinsam, mit erkennbarem Willen etwas zu bewegen, könnten Lösungen sein. Miteinander und nicht egoistisch gegeneinander handeln, ist die Devise.
"Über das Jahr 2001 hinaus optimistisch"; "Mittelfristig sind die Perspektiven günstig"; so und ähnlich lauten die Prognosen einiger Chefvolkswirte deutscher Landesbanken für das neue Jahr. Ich würde mir wünschen, dass unser Landkreis von alledem eine große Portion abbekommt.

Verehrte Gäste,

den heutigen Abend haben wir unter das Thema Wertpapiergeschäft gestellt, damit meinen wir eigentlich nur Aktien- und Investment-Fondsanlagen. Die Deutschen haben Lust auf Aktien bekommen. Das Aktienfieber hat auch viele unserer Kunden befallen. Augen zu und durch, dabei sein um jeden Preis, so hatte es im Frühjahr den Anschein.
Schwindelerregende Kurssteigerungen, Aktienpreise, die nur eine Richtung kannten - nach oben. Wer konnte da schon widerstehen. Im März 2000 übersprang der Deutsche Aktienindex (DAX) erstmals die Marke von 8000, der Neue Marktindex gar die Marke 8500.
Dann kam die Ernüchterung. Wohl dem, der rechtzeitig erkannte und mit Gewinn oder geringen Verlusten verkaufte. Die meisten blieben in ihren Aktienpositionen investiert und mussten Ihre Erfahrungen teuer bezahlen. Im Nachhinein betrachtet kann man sagen, es war kein gutes Jahr für Aktien. Allen Aktionären, und dazu zähle ich mich auch, gieße ich noch Öl ins Feuer, wenn ich aus einer Veröffentlichung in der Frankfurter Allgemeinen vom 3. Januar 2001 zitiere. Das Sparbuch schlägt die Aktien, lautet die Bilanz des Anlagejahres 2000. In einem Vergleich werden die Ergebnisse diverser Geldanlagen gegenübergestellt. Deutsche Standardaktien landen mit einem Minus von 7,5 Prozent auf Platz 16 und Deutsche Technologieaktien mit Minus 40 Prozent auf dem vorletzten Platz. Aber ernsthaft, es ist wichtig, Lehren aus dem Jahr 2000 zu ziehen, dafür von mir 6 Tipps:
1. Geld, das in Aktien investiert wird, sollte über sein und nur einen bestimmten Anteil des Gesamtvermögens je nach Risikotyp ausmachen.
2. Wenn keine Zeit ist, sich selbst zu kümmern, nicht in Einzelwerte investieren, sondern Fondsanteile kaufen.
3. Glauben Sie niemals an etwas, nur weil alle daran glauben. Die Börsenweisheit "The trend is your friend" geht schnell auch einmal nach hinten los.
4. Setzen Sie niemals auf eine Karte. Streuen Sie gegebenenfalls in verschiedene Unternehmen und unterschiedliche Branchen. Mit dem Kauf von Fondsanteilen erzielen Sie diesen Effekt ohne großen Aufwand.
5. An der Börse wird nicht geklingelt. Viele Analysten geben Kaufempfehlungen, wenn die Kurse sowieso schon gut laufen, Korrekturen nach unten folgen meistens erst dann, wenn die Kurse schon deutlich nachgegeben haben. Am besten verkauft man in Phasen, wenn Analysten noch in Optimismus schwelgen.
6. Am Neuen Markt ist wirklich alles möglich, im Positiven wie im Negativen. Das sollten Sie wissen und das eventuell sehr hohe Risiko bis zum Totalverlust beachten.
Unsere Berater stehen gern mit Rat und Tat zur Seite, um mit Ihnen gemeinsam die richtige Anlage bzw. günstigste Vorgehensweise zu wählen.
Schon in Kürze bieten wir Ihnen das Wertpapiergeschäft im sogenannten Online-Brokerage an. Dann können Sie Ihre Geschäfte bequem und kostengünstig auch von zu Hause aus erledigen. Für das Jahr 2001 erwarten wir eine positive Entwicklung am deutschen und europäischen Aktienmarkt. Ich halte nichts davon Ihnen irgendwelche Indexstände vorherzusagen. Die Rahmenbedingungen sind nicht schlecht, die Kurse vieler Aktien bewegen sich auf fairem Niveau. Hohe Unsicherheiten gehen allerdings von der amerikanischen Wirtschaft aus, kommt es zu einer weichen Landung?
Der Euro sollte seinen Aufwärtstrend wohl fortsetzen, das ist nötig, um das Vertrauen in die neue Währung zu verbessern. Zum Jahreswechsel 2001/2002 steht uns der Bargeldumtausch bevor, der insbesondere die Mitarbeiter der Kreditinstitute in erheblichem Umfang belasten wird. Ich würde mich sehr freuen, wenn unsere gewerblichen Kunden sich an der zur Zeit laufenden Aktion zur Ermittlung des Bargeldbedarfes beteiligen.
Von der Zinsseite gehen wir im neuen Jahr von einer Seitwärtsbewegung auf aktuellen Niveau aus. Schwankungen in einer Bandbreite von 0,50 Prozent sind immer möglich. Im langfristigen Bereich sind die Zinssätze inzwischen wieder in einer Größenordnung, in der investieren Spaß machen müßte.

Verehrte Gäste,

das Verhältnis Kunde/Bank basiert auf der Grundlage großen Vertrauens, Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung. Gerade in schwierigen Zeiten ist es gut, miteinander zu reden, je früher um so besser. Oft erleben wir leider, dass taktiert wird, Banken gegeneinander ausgespielt, notwendige Unterlagen nicht beigebracht werden. Wenn dann Probleme auftreten, sind immer die Kreditinstitute schuld. Unternehmer sein heißt: Vorausschauen, planen, Lösungen suchen, entscheiden, die Verantwortung für die Arbeitsplätze trägt der Unternehmer, nicht die Bank. Sie kann im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen. Das geht allerdings nur, wenn sie frühzeitig und offen informiert ist. Aus aktuellem Anlass war es mir sehr wichtig, dieses hier und jetzt zu sagen.
Liebe Kunden, ich danke Ihnen herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen im Jahr 2000. Wir wollen auch im neuen Jahr für Sie kompetenter Ansprechpartner in allen Finanzangelegenheiten sein.
Den Mitgliedern unseres Verwaltungsrates, mit Herrn Landrat Joachim Claus als Vorsitzendem, danke ich sehr für die intensive Begleitung unserer Geschäftspolitik und Unterstützung bei der Zukunftsausrichtung unserer Sparkasse. Mein besonderer Dank gilt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit großem Engagement tätig sind.
Autor: nnz

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