Di, 08:38 Uhr
29.06.2010
Nur ein Bruchteil ist bekannt
In Deutschland gab es einmal rund 3250 Apfelsorten. Heute gibt es im Gartenhandel schätzungsweise 30 bis 40 Sorten. Im Supermarkt, das wissen Sie selbst, liegen vielleicht noch ein halbes Dutzend Sorten. Das war nur eines von vielen Beispielen, die Jörg Nonnen gestern Abend in seinem Vortrag im Landratsamt anführte.
Der Leiter des Naturparks Kyffhäuser und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Naturparke bei EUROPARC Deutschland ist zurzeit als Botschafter und Experte für die biologische Vielfalt unterwegs. EUROPARK ist der Dachverband der Nationalen Naturlandschaften, zu denen die 14 Nationalparks, 16 Biosphärenreservate und gut 100 Naturparke in Deutschland gehören, auch der Naturpark Südharz i.G. Nationale Naturlandschaften sind biologische Vielfalt. Diese Botschaft brachte Jörg Nonnen den Zuhörern im Landratsamt mit – passend zum Internationalen Jahr der Biodiversität, das die UNO für 2010 ausgerufen hat.
Biodiversität, der Fachbegriff für biologische Vielfalt, spiegele sich in den Nationalen Naturlandschaften, die vom Wattenmehr bis zum Alpenraum reichen, vielfach wider. So auch im Naturpark Kyffhäuser, in dem es besonders artenreiche Magerwiesen mit über 200 verschiedenen Farnen und Blühpflanzen gebe, so Jörg Nonnen.
Aus vielen Perspektiven sei es wichtig, die biologische Vielfalt zu erhalten – auch aus wirtschaftlicher Sicht. Die Natur ist ein Labor, das man erhalten sollte, sagte Jörg Nonnen. Zahlreiche technische Errungenschaften sind von Vorbildern aus der Natur abgeschaut. Das beginne schon bei der Lupe, die über einen Wassertropfen erfunden wurde. Und: Die Hälfte aller Arzneimittel basieren auf Pflanzen. Eine wichtige Aufgabe im Jahr der Biodiversität ist es, auf deren Gefährdung aufmerksam zu machen. Von den 478 heimischen Wirbeltierarten in Deutschland sind 207 Arten gefährdet und stehen auf der Roten Liste.
Bei jeder bekannten Art, die gefährdet sei, betreffe dies gleichzeitig Arten, die noch keiner kenne, so Jörg Nonnen. Es ist nur ein Bruchteil der Arten bekannt, die es weltweit gibt. Von den geschätzten 14 Millionen Arten sind 1,7 Millionen bekannt. Wir wissen also noch sehr wenig, sagte Jörg Nonnen. Deutschland hat eine Nationale Biodiversitätsstrategie entwickelt, in der zum ersten Mal das Ziel formuliert wird, dass zwei Prozent der Fläche Deutschlands sich zu Wildnis entwickeln sollen – ein Ziel der Nationalparke, die heute ein halbes Prozent der Bundesfläche ausmachen.
Auch in Biosphärenreservaten darf ein Teil der Fläche nicht bewirtschaftet werden. Das heißt beispielsweise im Wald, dass totes Holz liegen bleibt und im natürlichen Verlauf verrottet. Das ist wichtig. Denn rund 20 Prozent aller Arten in Wald sind irgendwann in ihrem Leben einmal auf Totholz angewiesen. Und dazu gehören fast alle Bienen- und Wespenarten, erläuterte Jörg Nonnen. Bevor jedoch an einen Platz für Wildnis gedacht werden könne, müsse die derzeitige Zerstörung von Waldflächen weltweit in den Blick rücken.
Pro Minute sind 35 Fußballfelder Wald weg, sagte Jörg Nonnen. Oder anders ausgedrückt: Würde die Fläche des Naturparks Südharz nur aus Wald bestehen, wäre der innerhalb eines Tages verschwunden.
Jessica Piper
Autor: nnzDer Leiter des Naturparks Kyffhäuser und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Naturparke bei EUROPARC Deutschland ist zurzeit als Botschafter und Experte für die biologische Vielfalt unterwegs. EUROPARK ist der Dachverband der Nationalen Naturlandschaften, zu denen die 14 Nationalparks, 16 Biosphärenreservate und gut 100 Naturparke in Deutschland gehören, auch der Naturpark Südharz i.G. Nationale Naturlandschaften sind biologische Vielfalt. Diese Botschaft brachte Jörg Nonnen den Zuhörern im Landratsamt mit – passend zum Internationalen Jahr der Biodiversität, das die UNO für 2010 ausgerufen hat.
Biodiversität, der Fachbegriff für biologische Vielfalt, spiegele sich in den Nationalen Naturlandschaften, die vom Wattenmehr bis zum Alpenraum reichen, vielfach wider. So auch im Naturpark Kyffhäuser, in dem es besonders artenreiche Magerwiesen mit über 200 verschiedenen Farnen und Blühpflanzen gebe, so Jörg Nonnen.
Aus vielen Perspektiven sei es wichtig, die biologische Vielfalt zu erhalten – auch aus wirtschaftlicher Sicht. Die Natur ist ein Labor, das man erhalten sollte, sagte Jörg Nonnen. Zahlreiche technische Errungenschaften sind von Vorbildern aus der Natur abgeschaut. Das beginne schon bei der Lupe, die über einen Wassertropfen erfunden wurde. Und: Die Hälfte aller Arzneimittel basieren auf Pflanzen. Eine wichtige Aufgabe im Jahr der Biodiversität ist es, auf deren Gefährdung aufmerksam zu machen. Von den 478 heimischen Wirbeltierarten in Deutschland sind 207 Arten gefährdet und stehen auf der Roten Liste.
Bei jeder bekannten Art, die gefährdet sei, betreffe dies gleichzeitig Arten, die noch keiner kenne, so Jörg Nonnen. Es ist nur ein Bruchteil der Arten bekannt, die es weltweit gibt. Von den geschätzten 14 Millionen Arten sind 1,7 Millionen bekannt. Wir wissen also noch sehr wenig, sagte Jörg Nonnen. Deutschland hat eine Nationale Biodiversitätsstrategie entwickelt, in der zum ersten Mal das Ziel formuliert wird, dass zwei Prozent der Fläche Deutschlands sich zu Wildnis entwickeln sollen – ein Ziel der Nationalparke, die heute ein halbes Prozent der Bundesfläche ausmachen.
Auch in Biosphärenreservaten darf ein Teil der Fläche nicht bewirtschaftet werden. Das heißt beispielsweise im Wald, dass totes Holz liegen bleibt und im natürlichen Verlauf verrottet. Das ist wichtig. Denn rund 20 Prozent aller Arten in Wald sind irgendwann in ihrem Leben einmal auf Totholz angewiesen. Und dazu gehören fast alle Bienen- und Wespenarten, erläuterte Jörg Nonnen. Bevor jedoch an einen Platz für Wildnis gedacht werden könne, müsse die derzeitige Zerstörung von Waldflächen weltweit in den Blick rücken.
Pro Minute sind 35 Fußballfelder Wald weg, sagte Jörg Nonnen. Oder anders ausgedrückt: Würde die Fläche des Naturparks Südharz nur aus Wald bestehen, wäre der innerhalb eines Tages verschwunden.
Jessica Piper


