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Mo, 07:19 Uhr
28.06.2010

Neue Strukturen

Eigentlich gehören Vorgänge in Unternehmen nicht in die Öffentlichkeit. Das ist auch bei kommunalen Unternehmen so, wie dem Nordhäuser Krankenhaus. Wenn jedoch interne Vorgänge zum Inhalt des Programms der Rolandgruppe avancieren, dann sollte nachgefragt werden. Die nnz hat das getan...


Es war das Südharz-Krankenhaus in Nordhausen, das von der Rolandgruppe auf's Korn genommen wurde. Unternehmensberater sollen dort ein- und ausgehen. Was ist dran, die nnz sprach mit dem Hauptgesellschafter der gemeinnützigen GmbH, Landrat Joachim Claus (CDU). Vornweg möchte der eines klargestellt wissen: "Die 20jährige Geschichte des kommunalen Krankenhauses ist eine Erfolgsgeschichte. Eine Erfolgsgeschichte vor allem aus dem Blickwinkel, dass es viele kommunale Einrichtungen gab und gibt, die ihren kommunalen Gesellschaftern viele finanzielle Sorgen bereiteten. Bislang mussten die beiden Gesellschafter unseres Krankenhauses keinen einzigen Cent zuschießen. Und: diese Erfolgsgeschichte ist untrennbar mit vielen Namen verbunden. Vor allem mit einem: Antonius Pille", so Joachim Claus.

Pille habe mit seinem Wissen und seinem Engagement die Entwicklung des Hauses zu einem modernen, überregionalen Krankenhaus vorangetrieben. Aber auch ein Antonius Pille konnte sich verändernden Rahmenbedingungen nicht verschließen. Seit mehreren Jahren gibt es in Deutschland zum Beispiel einen Ärztemangel, der auch um Nordhausen herum keinen Bogen macht. Bei allem Gehaltsverhandlungen: Nordhausen ist nun mal nur "Provinz". Und Joachim Claus wußte auch, dass nach 20 Jahren die "Ära Pille" einmal zu Ende sein wird.

"Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Barbara Rinke habe ich Probleme wie zum Beispiel die übermäßige Arbeitsbelastung der Ärzte diskutiert. Wir haben auch über die Fluktuation innerhalb der Ärzteschaft gesprochen und beschlossen, eine Unternehmensberatung zu beauftragen, die die Strukturen des Krankenhauses mit 1.800 Mitarbeitern untersuchen und Empfehlungen für die Zukunft aussprechen soll", berichtet der Landrat. Hinzu kommt, nicht nur Insider wissen das, dass die Chemie zwischen Teilen des Aufsichtsrates und dem Geschäftsführer seit einigen Jahren nicht mehr stimmt.

Die Ergebnisse der Strukturuntersuchung wurden in diesem Frühjahr dem Hauptausschuss des Stadtrates und dem Kreisausschuss des Kreistages präsentiert. Eine der Kernaussagen ist, dass es künftig keinen ärztlichen Direktor "so nebenbei" mehr geben kann und dass sich das gemeinnützige Unternehmen langfristig aufstellen und orientieren muss. Laut Aussage von Landrat Claus habe der sich mit Oberbürgermeisterin Rinke darauf geeinigt, dass es drei Geschäftsführer des Krankenhauses geben werde. Antonius Pille wird als Hauptgeschäftsführer und Sprecher der Geschäftsleitung fungieren, darüber hinaus soll es einen kaufmännischen und einen medizinischen Geschäftsführer geben. Entsprechende Beschlüsse wurden nach nnz-Informationen im Kreistag und im Stadtrat in den jüngsten Sitzungen gefasst. Die Feinheiten der Verteilung der Aufgaben und Zuständigkeiten innerhalb der Geschäftsleitung sollen in der Geschäftsordnung festgelegt werden.

Für den Betrachter sieht das alles prima aus. So, als könne es überhaupt nicht anders gemacht werden. Doch es bleiben da einige Fragen? Probleme dieser Größenordnung bilden sich nicht von einem Jahr auf's andere. Sie wurden erst durch den städtischen Gesellschafter ins Gespräch gebracht, als die medizinische Leitung im Krankenhaus wechselt. Man erinnere sich an einen ärztlichen Direktor, der als SPD-Mann nicht nur im Nordhäuser Stadtrat saß, sondern auch ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Nordhausen war. Und es gibt da noch mehrere Baustellen innerhalb der kommunalen Politik.

Wichtig ist, dass das Nordhäuser Südharz-Krankenhaus auch für die Zukunft gut aufgestellt ist. Da gibt es sicherlich noch viel zu tun, intern und extern. Wie soll zum Beispiel künftig das Gehaltsgefüge zwischen Ärzteschaft und Pflegepersonal aussehen? Gut ausgebildete Ärzte vermitteln mindestens genauso stark das Gefühl einer Patientensicherheit wie gut ausgebildete Schwestern und Pfleger.

Das wichtigste Anliegen von kommunaler Politik und neuer Geschäftsleitung des Hauses wird es jedoch sein, das Krankenhaus sicher durch die Wellen der nächsten Jahre zu steuern und letztlich auch zu dokumentieren, dass Gesundheit in kommunalen Händen besser aufgehoben ist als in einem privaten Gefüge, bei dem die Rendite der Anteilseigner das Ziel aller medizinischen Anstrengungen ist.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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