Do, 10:10 Uhr
30.01.2003
DiCaprio auf der Fahndungsliste
Nordhausen (nnz). In dem Film Catch me if you can, der heute im Nordhäuser Kino anläuft, steht ein Teenager ganz oben auf der Fahndungsliste des FBI. Mit einer Mischung aus Frechheit, Cleverness und Charme ergaunert sich der junge Mann ein Vermögen. Doch seine Verfolger haben die Schlinge schon ausgeworfen, die sich immer fester zuzieht.Inspiriert von einer wahren Geschichte, die seit 1980 in Buchform vorliegt, blickt Steven Spielberg zurück in die Mitte der Sixties, auf eine Zeit der Unschuld. Er begleitet einen jungen, charmanten und gewitzten Lügner, der sich im Laufe weniger Jahre mit gefälschten Schecks und Identitäten ein Vermögen erschwindelte, auf seiner Flucht vor dem FBI. Das kommerziell aussichtsreiche Entertainment erzählt eine unglaubliche Geschichte mit den Topstars Leonardo DiCaprio und Tom Hanks sehr unterhaltsam für nahezu alle Generationen.
Frank Abagnale Jr, auf dessen Autobiographie Catch me if you can lose basiert, hatte noch den High School-Abschluss vor sich, als ihm das Schicksal eine Alternative zu bürgerlichen Buckelexistenzen aufzeigte. Der plötzliche wirtschaftliche und damit auch soziale Abstieg seines Vaters (Christopher Walken) leitet das Ende der Ehe seiner Eltern und des bisherigen familiären Glücks ein. In einer von mehreren Szenen, die nicht das Leben, sondern pure Filmdramaturgie schrieb, erwartet ihn zu Hause der Anwalt seiner Mutter. Binnen Minuten muss er sich für Vater oder Mutter entscheiden, doch Frank trifft seine eigene Wahl, lässt die Eltern und sein bisheriges Leben zurück.
Beeindruckt davon, wie Piloten als Helden der Lüfte von der Gesellschaft hofiert werden, erschwindelt sich der Teenager eine Pan-Am-Uniform, gibt sich als Kopilot der Fluglinie aus, reist um die Welt und löst gefälschte Gehaltsschecks, ausgestellt auf den Namen seiner Comichelden, ein. In der Gestalt des hyperkorrekten, humorfreien Agenten Hanratty (Tom Hanks) heftet sich das FBI an die Fersen des Nachwuchsgauners, der bald mit mehreren Millionen Dollar seine Koffer füllt und ein Leben in Luxus und Laster führt. Der Kontakt wird persönlich, als Frank von Hanratty überrascht wird, durch eine freche Finte aber entkommen kann. Federleicht inszeniert Spielberg das Katz-und-Maus-Spiel der beiden, lässt Hauskomponist John Williams Cool Jazz pflegen und Sinatra swingen.
So schwebt man durch ein verführerisches Leben, wie der junge Protagonist, der sich verlieben, als Arzt und auch Anwalt ausgeben wird, aber auf der Flucht letztlich allein bleibt. Gegenüber den tatsächlichen Ereignissen ist Hanks' Figur Hanratty aufgewertet - als väterliche, moralische Instanz, die in ihren Sympathiewerten gleichberechtigt mit Abagnale ist. DiCaprio zeigt Charme und Entspanntheit in der Darstellung dieser Figur, die seinem Image deutlich näher steht als sein Bandenführer in Gangs of New York. Seine weiblichen Fans, die durch Scorsese vielleicht erschreckt wurden, können ihn also wieder in ihre Tagebücher aufnehmen, auch wenn das Frauenbild in Catch me if you can solche Treue nicht angemessen rechtfertigt.
Spielbergs Film macht Spaß und das gut 140 Minuten lang auch wenn es dem Erfolgsregisseur nicht immer gelingt, das Unglaubliche von damals einem skeptischeren Zuschauer von heute glaubwürdig erscheinen zu lassen. Die Dramaturgie Hollywoods folgt eben ihren eigenen Gesetzen und überhöht manchmal sogar ein Leben, das in seiner Realität eigentlich schon märchenhaft genug ist. Lob.

